COLEO

Gemeinschaft für Coleopterologie e. V.

 

Coleo

18

5-8

2017

ISSN 1616-3281


Epuraea imperialis (Reitter, 1877) (Coleoptera, Nitidulidae), eine neue Adventivart in Mitteleuropa.


Klaus Renner, Bielefeld

Eingegangen: 11. Juli 2017
Im WWW publiziert am: 16. Juli 2017


Summary
The invasive Epuraea imperialis (Reitter, 1877) (Nitidulidae) from Australia was found in several countries of Southern Europe, later on in France and Belgium (Jelinek et al. 2016). In July of 2017 this species was found near Bielefeld (Western Germany) using the car net: the first record for Germany and Central Europe.

Zusammenfassung
Die invasive Epuraea imperialis (Reitter, 1877) (Nitidulidae) aus Australien wurde in etlichen Ländern Südeuropas, später auch in Frankreich und Belgien festgestellt (Jelinek et al. 2016). Im Juli 2017 gelang bei Bielefeld mit dem Autokescher der erste Nachweis für Deutschland und Mitteleuropa.

Abb. 1: Epuraea imperialis. Foto: Friedhelm Bahr, Viersen.


Einleitung

Ende der 1990er Jahre und verstärkt in den Folgejahren wurden in Süditalien Exemplare einer in Europa zuvor unbekannten Epuraea-Art gefunden, und es folgten Nachweise in Spanien, Portugal und Frankreich (Jelinek et al. 2016). Erst nach umfangreichen Recherchen der Spezialisten konnte die Identität mit Epuraea imperialis (Reitter 1877) aus Australien geklärt werden (Jelinek et al. 2016).

In Autokescher-Ausbeuten von T. Struyve aus Belgien, Umgebung von Ename (Ostflandern) 2012 und 2014 wurden vom Verfasser einige fremdartige Epuraea entdeckt und zur Identifizierung an P. Audisio nach Italien geschickt. Es handelte sich um Epuraea imperialis (Jelinek et al. 2016).

Material und Methode

Über den Einsatz des Autokeschers für faunistische Untersuchungen wurde schon früher eingehend berichtet (Köhler 1994). Da die meisten adventiven Käferarten sehr flugaktiv sind, können sie mit dem Autokescher einfacher gefangen werden als mit anderen Methoden, besonders dann, wenn genauere Kenntnisse über Habitat und Lebensweise für eine gezielte Suche nicht vorliegen.
Am 7. Juli 2017 erfolgte eine Autokescher-Fahrt im Teutoburger Wald bei Bielefeld. Die dortige Standardstrecke des Verfassers ist knapp 6 km lang und führt durch Mischwald, an Waldrändern mit Bachläufen entlang, passiert einige Wohngebäude und verläuft über längere Abschnitte durch Felder. Auf diesen waren am 7.7. verblühter Raps oder Mais vorherrschend; viermal wurde die Rundstrecke abgefahren.

Ergebnisse und Diskussion

Männchen von Epuraea imperialis sind wegen der auffällig stark gebogenen Mittelschienen mit keiner anderen Epuraea-Art Mitteleuropas zu verwechseln. Ein männliches Exemplar wurde in der arten- und individuenreichen Autokescher-Aufsammlung vom 7. Juli 2017 entdeckt. Dies kann als Zufallsfund gelten oder sogar schon auf eine örtlich etablierte Population hindeuten. Für die Erstellung des Fotos gilt herzlicher Dank dem Kollegen Friedhelm Bahr (Viersen).

Die Lebensweise der Epuraea imperialis ähnelt der der heute in ganz Deutschland verbreiteten Epuraea ocularis: anthropogen geprägte Lebensräume mit Obstresten als Nahrungssubstrat (Jelinek et al. 2016). Gerade deshalb ist eine weitere Ausbreitung der Epuraea imperialis in Mitteleuropa sicher zu erwarten.
Beispielhaft seien hier einige frühere Erstnachweise von Adventivarten durch den Einsatz des Autokeschers erwähnt:
Clambus simsoni (Clambidae): 1998 bei Bielefeld Erstnachweis für Deutschland (Renner 1998b),
Acrotona pseudotenera (Staphylinidae): 1998 bei Bielefeld Erstnachweis für Westfalen (Renner 1999a),
Epuraea ocularis (Nitidulidae): 1999 am Kaiserstuhl Erstnachweis für Deutschland (Renner 2000a),
Silvanus recticollis (Silvanidae): 2012 bei Bielefeld Erstnachweis für Westfalen (Renner 2012).

Da viele tropische und subtropische Vertreter der Gattungen Carpophilus und Epuraea Bewohner anthropogener Lebensräume sind, ist durch den weltweiten Handel mit weiteren Adventivarten aus der Familie Nitidulidae bei uns zu rechnen. Die Checkliste bereits in Südeuropa festgestellter invasiver Arten (Jelinek et al. 2016) hat einen beachtlichen Umfang.


Literatur

Jelinek, J., P. Audisio, J. Hajek, C. Baviera, B. Moncoutier, T. Barnouin, H. Brustel, H. Genc & R. Leschen (2016): Epuraea imperialis (Reitter 1877). New invasive species of Nitidulidae (Coleoptera) in Europe, with a checklist of sap beetles introduced to Europe and mediterranean areas. - Atti della Accademia Peloritana dei Pericolanti 94, 2: A4-1 – A4-24. Messina/Italy.

KÖHLER, F. (1994): Die Bedeutung der Autokescher-Methode für faunistisch-ökologische Käferbestandserfassungen. – Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins in Wuppertal 47: 56-62

Renner, K. (1998b): Ein Clambus von der Südhalbkugel als neue Adventivart in Deutschland (Coleoptera, Clambidae) - Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Rheinischer Koleopterologen 8: 124. Bonn.

Renner, K. (1999a): Einige Käferfunde aus der Senne und dem Teutoburger Wald als Erst- oder Zweitnachweise für Westfalen (Coleoptera) - Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft ostwestfälisch-lippischer Entomologen 15: 34-37. Bielefeld.

Renner, K. (2000a): Epuraea ocularis FAIRMAIRE, eine neue Adventivart in Deutschland (Coleoptera, Nitidulidae). - COLEO 1, 1-3. Radevormwald.

Renner, K. (2012): Silvanus recticollis REITTER, 1876 (Col., Silvanidae) in Westfalen angekommen. - Natur und Heimat 72: 139. Münster.



Anschrift des Verfassers:
Dr. Klaus Renner
Wickenkamp 9a

33615 Bielefeld