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Epuraea ocularis FAIRMAIRE, eine neue Adventivart
in Deutschland (Coleoptera, Nitidulidae)
Klaus Renner, Bielefeld
eingegangen: 27. Juli 2000
Abstract
In October 1999 I found the asiatic species Epuraea ocularis FAIRMAIRE in southwest Germany at Kaiserstuhl, near Freiburg, which constitutes the first record for Germany. The similar pantropic species E. luteola ERICHSON is also spreading in southern Europe and might reach Germany too. Additions to the identification key of the central european Epuraea (SPORNRAFT 1963) are provided for these two species.
Zusammenfassung
Am Kaiserstuhl bei Freiburg in Südwestdeutschland fand ich im Oktober
1999 die hauptsächlich asiatisch verbreitete Epuraea ocularis
FAIRMAIRE; es ist die erste Meldung dieser Art aus Deutschland. Die ähnliche
pantropische Art E. luteola ERICHSON breitet sich ebenfalls in Südeuropa
aus und könnte auch nach Deutschland vordringen. Zur Identifizierung
von E. ocularis und E. luteola wird die Bestimmungstabelle
der mitteleuropäischen Epuraea-Arten (SPORNRAFT 1963) ergänzt.
Adventivarten können durch den Einsatz des Autokätschers oft eher nachgewiesen werden als mit anderen Methoden. Darauf wurde kürzlich nach eindrucksvollen Fangerfolgen in Westfalen hingewiesen (RENNER 1999a,b).
In der Umgebung von Freiburg ergaben
sich Ende Oktober 1999 für diese Sammeltechnik geradezu ideale Witterungsvoraussetzungen.
Eine Fahrt durch die Rheinaue mit ihren landwirtschaftlich genutzten Bereichen
bei Grißheim brachte am Spätnachmittag des 27.10. zwei Exemplare
einer markanten, aber nach FREUDE/HARDE/LOHSE nicht identifizierbaren Epuraea-Art.
Die Nitiduliden-Bearbeitung in der Fauna D'Italia (AUDISIO 1993) deutete
zunächst auf Epuraea luteola ERICHSON, 1843 hin.
Dem Nitiduliden-Spezialisten P. Audisio
in Rom gilt herzlicher Dank für die Mitteilung von Unterscheidungsmerkmalen
zwischen E. luteola und der nah verwandten Art E. ocularis
FAIRMAIRE, 1849. Diese asiatische Art breitet sich weiter aus und wurde
auf den Kanarischen Inseln (Teneriffa JELINEK 1997; La Gomera leg. Renner
1999, det. Audisio) und schon in Südfrankreich und Norditalien gefunden
(AUDISIO, i.l.).
Im Juni 2000 brachte gezielte Nachsuche
auf einer Exkursion im Kaiserstuhlgebiet weiteren Erfolg. Bei Bötzingen
wurden aus am Rande eines Weinberges liegenden Orangen-Schalen etliche
Epuraea-Exemplare
gesammelt, die E. ocularis zuzuordnen sind. Mehrere Autokätscherfahrten
in der Rheinaue bei Niederrotweil brachten über 50 weitere Exemplare.
Die Adventivart hat sich also in der Region bereits etabliert. Zu ergänzen
wäre, daß unter den Tieren aus Süddeutschland die hellen
Formen dominieren, während es in La Gomera die dunklen waren.
Epuraea luteola ist eine pantropische
Art, die sich weltweit in warmen und gemäßigten Klimaregionen
ausbreitet und auch auf den Kanarischen Inseln, in Italien und in weiteren
mediterranen Regionen aufgetreten ist (AUDISIO 1993). Aus Gebieten nördlich
der Alpen sind bisher keine Funde bekannt aber durchaus möglich (AUDISIO,
i.l.).
Die Bestimmungstabelle für die Gattung Epuraea (SPORNRAFT 1967) kann zur Einbeziehung der beiden Adventivarten gleich am Anfang wie folgt ergänzt werden:
1 - Klauen an der Basis höchstens
leicht verdickt . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1a
1a Schläfen sehr kurz, am
H.Rd. der Augen nach aussen zahnartig erwei-
tert und in
einen Dorn endend (Abb. 1b). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1b
- Schläfen anders
gebildet. . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . .
. . 2
1b V.Schn. an der Spitze aussen nur
stumpf gewinkelt oder abgerundet.
H.Schn. in
beiden Geschlechtern einfach. Hsch. gleichmässig schwach
gewölbt,
bei dunklen Exemplaren die Basalkante geschwärzt, die
Längsmitte
unscharf verdunkelt und das Schildchen schwarz. Fld.
gelbrot, variabel
kontrastreich schwarz gezeichnet: schwarze Flecken in
der Mitte
und an der Schulterbeule, schwarze Querbinde am H.Rd., die
sich an der
Naht nach vorne fortsetzt. Die schwarzen Bereiche können
stark erweitert
sein bis nur noch kleine Flecken und der S.Rd. gelb
bleiben. Oft
Fld. mit nur einem dunklen Fleck oder der Körper sogar
ganz hell.
1,7 - 3,1 mm. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .38 ocularis
Fairm.
- V.Schn. an der
Spitze aussen deutlich scharf gewinkelt, H.Schn. der
Männchen
im basalen Drittel stark eingebuchtet (Abb. 1c). Hsch.
besonders
an den S. stärker gewölbt, wie das Schildchen gelbrot. Fld.
einfarbig
gelbrot, selten mit unscharfen Verdunkelungen. 1,5 - 2,7 mm
. . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
(luteola Er.)

Abb. 1 Epuraea luteola Er. (nach AUDISIO1993) Habitus
(a), Schläfenbildung (b), Mittelschiene der Männchen (c), Aedoeagus
(d-f)
Epuraea ocularis Fairm. hat die gleiche Schläfenbildung.
Die Abbildung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors und nach
technischer Hilfe von H. Terlutter.
Als bemerkenswerte Begleitarten in
der Aufsammlung aus Grißheim 1999 seien genannt Micropeplus marietti,
Xylostiba bosnica, Stenus ossium, Atheta ganglbaueri und Atheta
aegra (alles Staphylinidae). Stenus ossium ist in Deutschland
bisher nur aus Baden bekannt (KÖHLER 1998), die anderen Arten gelten
fast überall als recht selten.
Die Autokätscherfahrten an verschiedenen
Stellen in der Rheinaue zwischen dem 4. und 10. Juni 2000 erbrachten neben
den sehr seltenen Arten Rhopalocerus rondanii (Colydiidae), Oxylaemus
cylindricus (Bothrideridae) und Dirhagus emyi (Eucnemidae) auch
mehrere Exemplare der schon aus Westfalen gemeldeten Adventivart Clambus
simsoni BLACKBURN (Clambidae) sowie von Chaetarthria similis
WOLLASTON (Hydrophilidae).
Literatur
AUDISIO, P. (1993) Nitidulidae - Kateretidae. - Fauna D'Italia, Vol.
32, Edizioni Calderini, 971 S., Bologna
KÖHLER, F. & KLAUSNITZER, B. (Hrsg.) (1998) Verzeichnis der
Käfer Deutschlands. - Entom. Nachr. Ber., Beih.4. Dresden
JELINEK, J. (1997) New descriptions and records of Brachypteridae and
Nitidulidae from the Palaearctic region (Coleoptera). - Fol. Heyrovsk.
5, 123-138. Prag
RENNER, K. (1999a) Ein Clambus von der Südhalbkugel als neue Adventivart
in Deutschland (Coleoptera, Clambidae) - Mitt. Arb.gem. Rhein. Koleopterologen
8, 124. Bonn
RENNER, K. (1999b) Einige Käferfunde aus der Senne und dem Teutoburger
Wald als Erst- oder Zweitnachweise für Westfalen. - Mitt. Arb.gem.
ostwestf.-lipp. Ent.15, 34-37. Bielefeld
SPORNRAFT, K. (1967) 50. Familie Nitidulidae.
in: Freude, H.; Harde, K.W.; Lohse, G. A. (Hrsg.): Die Käfer Mitteleuropas,
Band 7, 20-77. Krefeld
Anschrift des Verfassers: Dr. Klaus Renner, Wickenkamp 9A, 33615 Bielefeld
e-mail: klausrenner.bielefeld@t-online.de