COLEO stellt vor:

Digital-Weevil-Determination

Westpaleartic Curculionoidea

 

Wer bisher Rüsselkäfer aus der Westpaläarktis bestimmen wollte, war entweder auf fachspezifische Studien und Revisionen oder auf die einschlägigen Bestimmungswerke zum Beispiel zu Mitteleuropa (Freude, Harde, Lohse), Frankreich (Hoffmann) oder Italien (Porta) angewiesen. Ganz zu schweigen vom enormen Zeitaufwand, der dem Bearbeiter abverlangt wird, bleibt das Ergebnis oft zweifelhaft: Entweder sind es fachspezifische Details (in phylogenetischen Rekonstruktionen) oder halbseitige Beschreibungen zwischen einfachen Strichzeichnungen, die den unmittelbaren Zugang und Nachvollzug erschweren.

Das CURCULIO-Institut sieht es als höchst notwendig an diesen Zustand zu ändern. Determinationswerke sollen und dürfen keine Geheimwissenschaften für ein paar Insider und Spezialisten sein. Und schon gar nicht dürfen sie für den Anfänger eine zeitaufwendige, oft unüberwindbare Hürde darstellen, mit dem traurigen Ergebnis, dass die bisher nur schlecht dokumentierten Arten in den Kästen mit der Aufschrift "indet." landen und letztlich aus dem Blickfeld des Bearbeiters fallen.

Wo herkömmliche Schlüssel nicht eine rasche und gezielte Determination ermöglichen, sondern vom Benutzer eine "Kunst der richtigen Interpretation" verlangen, haben Wissenschaft und Wissenschaftler längst das wichtigste Ziel aus den Augen verloren: Die didaktische Reduktion auf das Wesentliche. Denn die schöne Ganzkörper-Zeichung ist ebenso wenig wie die (oft überflüssige) Abbildung der Spermatek oder des 8. Sternits in einem Bestimmungswerk ein Selbstzweck. Ein solches Werk insgesamt ist wiederum "nur" eine Voraussetzung für die biologisch-ökologische Forschung selbst. Der von allen so bedauerte Niedergang der systematische Forschung angesichts der im 20. Jahrhundert rasant angestiegenen Anzahl der Art-Beschreibungen hat eine essentielle Ursache: Es ist uns in einer schnelllebigen Zeit nicht gelungen, den wissenschaftlichen Nachwuchs ebenso rasch zu binden. Die denkbar schlechteste Lösung dafür ist ein jahrelanges Determinationstraining!

 

Wir wollen in dem auf Jahrzehnte angelegten Projekt "Digtal-Weevil-Determination" (DWD) einen anderen Weg einschlagen. Unter der Maxime, dass die beste Determination die schnellste und sicherste ist, sind wir angetreten, um im direkten Bildvergleich eine technisch erfolgreiche Determinationshilfe anzubieten. Im Mikroskop das sehen, was die digitale Abbildung auf dem Monitor bereithält, ist mit dem interaktiven SNUDEBILLER Programm in den meisten Fällen sicher schon auf den ersten Blick zu erzielen!

Drei methodische Neuerungen stehen dabei im Zentrum der Bemühungen:

1.      Jede Aussage im Schlüssel ist visuell nachvollziehbar,

2.      Interaktives Jetten zwischen Art-Beschreibung, Schlüssel und Faunengebiet verkürzt die Zeitraum bis zur erfolgreichen Bestimmung;

3.      Ob Gruppe, Gattung oder Unterfamilie - nicht endgültige Vollständigkeit und Unveränderlichkeit, sondern der "Weg" ist Ziel und Programm.

So lässt die Neubeschreibung von Arten eine rasche Einfügung neuer Erkenntnisse in vorhandene Schlüssel und Programme zu (ohne, dass weitere Produktionskosten wie bei Print-Medien anfallen!). Und schließlich ist es egal, wo, wann und mit welcher Gruppe begonnen wird. Wenn es für den Autor nicht möglich ist, alle westpaläarktischen Arten zu bearbeiten, weil Material und Zeit ihm Grenzen setzen, dann reduziert er auf sinnvolle Einheiten, auf Gruppen, Untergattungen oder Gattungen. Dabei hat sich in zahlreichen Diskussionen auf internationaler Ebene gezeigt, dass neben zoogeographischen, vor allem praktische Argumente eine Aufteilung der Westpaläarktis zunächst unumgänglich machen: Wir unterscheiden die nördliche Westpaläarktis ("Transalpina"), mit dem zoogeographischen Raum nördlich der Pyrenäen, der Alpen und des Kaukasus (östlich bis zum Ural), von der südlichen Westpaläarktis ("Cisalpina") des pontisch-mediterranen Raums. [Fig. 1] Es ist vor allem eine Entscheidung über "Zweckmäßigkeit und Machbarkeit", die uns zu dieser für die Autoren einzig verbindlichen Übereinkunft geführt hat. Selbstverständlich dürfen und sollen die durch die Kontinuität der Beiträge entstehenden synergetischen Effekte nicht unterschätzt werden: Wir führen immer wieder zusammen, was zusammen gehört!

Schließlich, unter der Maxime, dass alles, was der raschen und sicheren Determination dient, erlaubt sein muss, haben wir uns auch für eine länderspezifische Schnellbestimmung entschieden. Warum soll ich mich zum Beispiel durch einen Bestimmungsschlüssel quälen, der Tiere aus Frankreich enthält, wo ich doch gerade von einer Exkursion aus Ungarn komme? Länderschlüssel, Bilderschlüssel, Einzelbeschreibungen und die gewohnten dichotomen Schlüssel werden interaktiv geschaltet, sind vernetzt und ergänzen sich. Das schafft Sicherheit auch in den Fällen, wo vom Autor vielleicht in einem Länderschlüssel einmal eine Art übersehen wurde.

Wer wissen und nacherleben will, wie unser DWD-Programm funktioniert, dem empfehlen wir den Bezug des 3. SNUDEBILLER (1. November 2002). Hier präsentieren Friedhelm Bahr und Peter Stüben vom CURCULIO-Institut (AG Acalles) zum ersten Mal:

SNUDEBILLER 3

Digital-Weevil-Determination

Westpaleartic Curculionoidea

Transalpina: Cryptorhynchinae

by F. Bahr & P. Stüben

Weitere DWD-Projekte sind in Vorbereitung!

Autoren und Kollegen, die mitmachen möchten, wenden sich an:

Dr. Peter E. Stüben

CURCULIO-Institut

Hauweg 62

D-41066 Mönchengladbach

E-Mail: Curculio@t-online.de