Coleo

 

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33-34

 

2001

 

ISSN 1616-3281

 

Verhalten von Käfern in der Überwinterung bei Hochwasser

 

Andreas Müller, Krefeld, und Klaas Reißmann, Neukirchen-Vluyn

  eingegangen: 24. Juli 2001

Abstract

 

The reaction of fluvial living beetles on changing water levels while hibernating is described.

 

Zusammenfassung

 

Die Reaktion einiger, in Gewässernähe lebender Käferarten auf wechselnde Wasserstände und der damit verbundenen Überflutung des Überwinterungsquartieres wird beschrieben.

 

 

Am 27.01. und 17.02.2001 haben die Autoren an einem alten Rheinarm im Kreis Kleve nach Odacantha melanura (L. 1767) gesucht. Hierfür wurden am 27.01.2001 die Halme des Rohrkolbens (Gattung Typha) abgebrochen und die einzelnen, losen Schichten, abgetragen. Wenn der Rohrkolben zusätzlich Schlupflöcher aufwies, wurde auch der Hohlraum im Stengel untersucht. Vor allem im unteren Bereich, der gerade oberhalb der zu dem Zeitpunkt existierenden Hochwasserlinie lag, befanden sich die meisten Tiere in ihren Überwinterungsquartieren.

 

Hierbei kamen neben Odacantha melanura (L. 1767) auch einige andere Käferarten zum Vorschein; unter anderem Demetrias imperialis (GERM. 1824), Anisosticta novemdecimpunctata (L. 1758), Oulema melanopus (1758), Lochmaea capraea (L. 1758) und Notaris scirpi (F. 1798). Im Schilf (Gattung Phragmites) hingegen konnten keine Funde getätigt werden.

 

Rohrkolben und Schilf standen zu diesem Zeitpunkt lediglich im untersten Bereich (ca. 10 bis 30 cm) im Wasser.

 

Am 17.02.2001 war die Situation deutlich anders. Das Hochwasser war inzwischen etwas zurückgegangen, so daß ein großer Teil der Rohrkolben- und Schilfbestände frei zugänglich war, oder nur im Flachwasserbereich stand. Im Bereich weiter oben hatte sich bei ablaufendem Wasser durch Genistanschwemmungen eine deutlich erkennbare Hochwasserlinie gebildet. Allerdings war diese weit über den Bereich hinaus, wo das Hochwasser am 27.01.2001 stand.

 

Die Untersuchungen des Rohrkolbens haben diesmal kein Ergebnis gebracht. Es waren weder Käfer noch andere Insekten oder Spinnen zu finden. Auch das Sieben des Genistes war erfolglos. Dagegen konnte man frei auf Zaunpfählen in Gewässernähe einige Exemplare des Blattkäfers Chrysolina polita (L. 1758) finden. Eine genauere Untersuchung der Zaunpfähle förderte eine Vielzahl Insekten und Spinnen zu Tage. Besonders zahlreich konnte Chrysolina polita (L. 1758) mit bis zu 70 Tieren unter losen Rindenteilen gefunden werden. Aber auch diverse andere Arten wie Odacantha melanura, Demetrias imperialis, Lochmaea capraea, Anisosticta novemdecimpunctata und Notaris scirpi, waren hier unter loser Rinde, in Spalten und unter losen Holzspänen in größerer Anzahl zu finden. Eine Linie aus Feingenist die sich zwischen dem 27.01. und 17.02.2001 im unteren Drittel der Zaunpfähle gebildet hatte, ließ das maximale Hochwasser erkennen. Somit wurden die eigentlichen Überwinterungsquartiere deutlich für einige Tage überschwemmt. Zum Zeitpunkt des Höchststandes des Wassers dürfte vom Rohrkolben maximal der Fruchtstand noch aus dem Wasser geragt haben. Das Schilf (Phragmites) hingegen ragte weit über das Hochwasser hinaus.

 

 

Abbildung 1: Hochwasser am Altarm des Rheins

 

Die im Stengel des Rohrkolbens überwinternden Tiere mußten ihr Quartier verlassen und nahmen die Zaunpfähle als Ersatzquartier an.

 

Eine weitere Untersuchung des Schilfes (Phragmites) am 17.02.2001 zeigte außerdem, daß nun auch das Schilf nach der kompletten Überflutung der Rohrkolben als Winterquartier angenommen wurde. Es zeigte sich aber, daß nur solche Schilfhalme genutzt wurden, die oberhalb der maximalen Hochwasserlinie abgebrochen waren, so daß die Tiere durch die Bruchstelle erst die Möglichkeit hatten, in den Halm eindringen zu können.

 

Anschrift der Verfasser:

Dr. Andreas Müller, Dionysiusstraße 19, D-47798 Krefeld

Klaas Reißmann, Glogauer Straße 3, D-47506 Neukirchen-Vluyn

e-mail: lester.reissmann@t-online.de