Coleo

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67-68

2001

ISSN 1616-3281


Coleo intern

In Memoriam Werner Lappann

Edmund Wenzel, Radevormwald
Eingegangen: 15. Dezember 2001



Es war in Brüggen - während der Frühsommerexkursion in die Holter Heide im Juni 1996 - als ein älterer Herr sich der Gruppe der Exkursionsteilnehmer zugesellte. Er stellte sich als Werner Lappann vor; als jemand, der sich für Käfer interessiere. Das war der erste Kontakt mit Werner - und schon bald wurde deutlich, dass sein Interesse für die Coleopterologie nicht oberflächlicher Art war. Die Beschäftigung mit Käfern stand während seines letzten Lebensabschnittes im Mittelpunkt seines Handelns. Er hatte vor, und das trotz seines fortgeschrittenen Alters, die Käferwelt seiner Heimat, der Umgebung von Heiligenhaus zu erforschen. Die anfängliche skeptische Betrachtung seines Vorhabens wandelte sich schnell in hilfreiche Unterstützung, denn binnen kurzem stellte sich heraus, dass Werner Lappann kein wissenschaftliches Greenhorn war. Keiner, der mal so kurz ein neues Hobby anfängt. Nein - er konnte auf eine langjährige wissenschaftliche Tätigkeit zurückblicken und hatte klare Vorstellungen von dem, was er in den noch vor ihm liegenden Jahren erreichen wollte.



Foto 1: Werner Lappann

Nachdem er Jahrzehnte seines Lebens der Paläontologie verschrieben hatte, u.a. auch der Erforschung der Fossilien im Raume Heiligenhaus, wollte er als letzte große Arbeit seines Lebens die Käferfauna dieses niederbergischen Raumes untersuchen. Und nachdem die ersten Kontakte zu rheinischen Coleopterologen geknüpft waren, begann er umgehend mit der Feldarbeit vor Ort. Sehr schnell entstand mit Werner eine tiefe Freundschaft - eine Freundschaft mit einem Mann, der mit bewundernswerter Energie seine Ziele verfolgte, der trotz seines Alters immer lernbegierig war, aber auch schöpfend aus seinem langjährigen Erfahrungsschatz viele neue Anregungen geben konnte. Das Arbeiten mit ihm war ein Geben und Nehmen - eine ungemein erfolgreiche und effektive Gemeinschaftsarbeit. Mit immer neuen Ideen, immer neuen Vorschlägen und Anregungen bereicherte er die oftmals zur Routine werdenden Untersuchungen.




Foto 2: Schon seit mehreren Jahrzehnten erforschte Werner Lappann den Steinbruch Hofermühle-Süd

Seine erste große faunistische Arbeit war die die Erforschung des Käfervorkommens im NSG Hofermühle-Süd bei Heiligenhaus. Dieser aufgelassene Steinbruch wurde 1984 zum Naturschutzgebiet erklärt. Schon viele Jahre vorher untersuchte Werner Lappan den Kalksteinbruch regelmäßig unter paläontologischen Gesichtspunkten und konnte dort eine Vielzahl bedeutsamer Fossilienfunde für den Großraum Heiligenhaus tätigen. Als im Zuge der Unterschutzstellung Teile von Fauna und Flora der Hofermühle-Süd intensiver untersucht wurden, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch der Käferfauna besondere Beachtung gezollt wurde.



Parallel zu diesen Arbeiten bildete für Werner Lappann die Erforschung der Käferfauna des Vogelsangbachtales bei Heiligenhaus einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeiten. Unermütlich war er für diese Aufgabe im Einsatz - trotz seiner ihn immer stärker behindernden gesundheitlichen Probleme. Aufgeschlossssen für jede neue Anregung probierte er diverse neue Fangmethoden aus - und jede neue Käferart beflügelte seine Aktivitäten, motivierte ihn in seinem Aktionismus.



Foto 3: Lappann beim Ausbringen einer Flugfalle

Doch seine Sammeltätigkeit war nicht darauf ausgerichtet, möglichst viele Arten in hoher Individuendichte nachweisen zu können - er war kein Datensammler, für den das Individuum nur Teil einer abgetöteten Gesamtsumme ist. Ihm lag in weit stärkerem Maße der Schutz der Lebensräume der Tiere am Herzen. Der Schutz der Wälder und Wiesen im Vogelsangbachtal - dafür arbeitete er, dafür brauchte er die Käfernachweise. Denn so konnte er - so wünschte er sich - diese erhalten. Der Schutz dieses Tales - das war sein Ziel.



Foto 4: W. Lappann bei der "subtilen Jagd"


Die Achtung vor der Natur, ein möglichst schonender Umgang mit Lebewesen, das waren die Säulen seines Handelns. Und so ist auch zu verstehen, dass aus einem einzigen Fundnachweis des Hirschkäfers Lucanus cervus im Jahre 1998 eine in NRW beispiellose Hirschkäfer-Nachweis-Aktion durch ihn initiiert wurde. Unter Einbeziehung der Bevölkerung, der Presse und der Grundschule gelang es Werner Lappann, binnen weniger Wochen 38 Hirschkäfer-Fundmeldungen zu erhalten. Dank seines unermütlichen Einsatzes konnte somit eines der größten Hirschkäfervorkommen in NRW nachgewiesen werden.

Doch auch diese Arbeiten waren lediglich Mittel zum Zweck. Er wollte selbstverständlich dieses Vorkommen schützen - u.a. durch Ausweisung als FFH-Gebiet - aber auch durch Errichtung von Brutmeilerbauten den Bestand langfristig erhalten.

Vieles war vorbereitet, eingefädelt und sollte im Frühjar 2001 in die Tat umbesetzt werden. Doch Ende Januar 2001 war der aktive Teil seines Lebens vorbei. Eine schwere Krankheit zwang ihn, von heute auf morgen alle seine Pläne aufzugeben. Nach schweren, leidensvollen Monaten verstarb Werner Lappann im April 2001.

Am 22. Januar 1922 wurde Werner Lappann in Essen-Ruhr geboren. Dank seiner Eltern hatte er schon sehr früh einen intensiven Kontakt zur Natur. Diese frühkindlichen Erfahrungen beeinflußten maßgeblich sein gesamtes weiteres Leben in hohem Maße.

Nach Krieg und Kriegsgefangenschaft wandte er sich in den fünfziger Jahren der Paläontologie zu und wurde Mitglied in verschiedenen bekannten paläontologischen Vereinigungen. Schwerpunkt seiner paläontologischen Tätigkeit waren die Gastropoden, vor allem aus den tertiären Ablagerungen des Pariser Beckens. Im Verlaufe zahlreicher Exkursionen und Grabungen in verschiedenen Ländern Europas und in Marokko entstand eine umfangreiche Sammlung von über 23 000 Exemplaren mit einem enorm reichen Schatz an unsortiertem Probenmaterial und unbearbeiteten Bivalven von rund 100 Lokalitäten. Diese riesige Sammlung vermachte Werner Lappann im Jahr 2000 aus Altersgründen als Schenkung dem Forschungs-Institut-Senkenberg in Frankfurt/Main.

Seine wissenschaftliche Tätigkeit auf paläontologischem Gebiet wurde auch durch die Benennung neuer Fossilien zu seinen Ehren gewürdigt. So trägt eine Gastropodenart aus dem Miozän von Mogenstrup/Dänemark, die Riomsodaphnella lappanni SCHNETLER 1990 und eine Fischart aus den miozänen Ablagerungen der Niederrheinischen Bucht bei Krefeld, Peprilus lappani SCHWARZHANS 1994, heute seinen Namen. Als herausragende paläontologische Leistung konnte Lappann bei Peprilus lappani sogar die Gehör- und Gleichgewichtssteine, die Otolithen, auffinden.

In den 90ger Jahren verlagerte Werner Lappann den Schwerpunkt seiner Tätigkeiten auf den Umweltschutz und die Umweltschulung. Die Hinführung der Jugend zur Natur lagt ihm besonders am Herzen, und so entstand eine intensive Zusammenarbeit mit der Grundschule Isenbügel. Neben der Anlage von Feuchtbiotopen standen der Bau von Nisthilfen für Vögel, Wildbienen u.a. und die Schulung junger Menschen für Naturempfinden im Vordergrund seiner Aktivitäten. Als Mitglied von BUND, NABU und anderen naturschutzorientierten Vereinen erwarb er sich bei der Kartierungen von Amphibien, Reptilien, Libellen und Heuschrecken im Niederbergischen Raum besondere Verdienste.

Für seine vielfältigen Bemühungen zum Schutz und Erhalt einer naturbezogenen Umwelt wurde Werner Lappann 1991 mit dem Umweltpreis der Stadt Heiligenhaus ausgezeichnet.

Seiner Wesensart entsprechend, Neuem offen und aufgeschlossen zu begegnen, unterstützte er die Bemühungen zur Bildung einer neuen coleopterologischen Vereinigung. Und so gehörte Werner Lappann im Juni 2000 zu den Gründungsmitgliedern von COLEO - der Gemeinschaft für Coleopterologie. Als aktiv tätiges Mitglied blieben ihm nur wenige Monate, aber diese kurze Zeit nutze er intensiv, zum Wohle des von ihm gegeründeten Vereins.

Leider konnte er die Vollendung seiner mit so viel Engagement begonnenen Arbeiten nicht mehr erleben - weder den Abschluß der Erfassung der Käferfauna des Vogelsangbachtales, noch den Brutmeilerbau für Hirschkäfer. Als Werner am 18. April 2001 ging, hinterließ er eine große Lücke - sein Tod ist ein schwerer Verlust. Werner´s Menschlichkeit, seine zupackende Kraft, sein zielorientiertes Handeln, sein Einsatz für die Natur - das alles machte ihn zu einem bemerkenswerten und äußerst liebenswerten Menschen. Einem Menschen, der uns in Erinnerung bleiben wird. Treffender als in dem Trauerspruch seiner Todesanzeige kann es nicht gesagt werden:


Niemals geht man so ganz.
irgendwas von Dir bleibt hier.