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Coleo |
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37-46 |
2001 |
ISSN 1616-3281 |
Coleo intern
Edmund
Wenzel, Radevormwald
Eingegangen: 27. August
2001
Die diesjährige COLEO‑Frühjahrsexkursion
führte an den Heimberg bei Schloßböckelheim an der Mittleren Nahe. Sie stand
ganz im Zeichen der Fortsetzung der Arbeiten zur Erforschung der Entomofauna
des Heimbergs und wurde in Zusammenarbeit mit dem INITIATIVKREIS HEIMBERGSCHUTZ
durchgeführt.
Foto 1: Der
Heimberg bei Schloßböckelheim (Foto E. Wenzel)
Bei herrlichem Frühjahrswetter trafen
sich am Samstagmorgen die Teilnehmer: Oliver Geiß, Carsten Hannig, Dr. Günter
G. Hoffmann mit Frau Heike und Sohn David, Friedrich Koch, Jürgen Kottmann, Dr.
Martin Krohne, Franz Mehring, Andreas Müller, Klaas Reißmann, Markus
Sadowski, Siegmund Scharf, Holger
Sonnenburg, Aloysius Staudt, Oswald
Walg und Edmund Wenzel
In Kleingruppen wurden den gesamten
Tag über verschiedene Biotoptypen des Heimbergs in schweißtreibender Feldarbeit
untersucht. Neben den Käfern fanden auch noch Wanzen, Ameisen und Spinnen
besondere Beachtung. Auch die stellenweise dichten Orchideenbestände zogen die
nicht nur einseitig an Insekten ausgerichteten Teilnehmer in ihren Bann.
Nach einem arbeitsreichen Sammeltag
traf man sich gegen 19 Uhr zum gemeinsamen Abendessen im nahegelegenen
Sportplatzrestaurant ‑ und so langsam kehrten die Lebensgeister wieder
zurück. Nach dem Essen ging man in der Probierstube des Weingutes G. Wagner zum
gemütlichen Teil des Abends über. Bei „einigen Tropfen“ guten Naheweines wurden
Ideen ausgetauscht, wurde gefachsimpelt und so manches Anekdötchen zum Besten
gegeben. Und wie so häufig an solchen Abenden verstrichen die Stunden viel zu
rasch und die Nacht wurde immer kürzer.
Der Sonntag begann mit einem
gemeinsamen Frühstück im Weingut und der gute Kaffee ließ bei einigen Nahe‑Nachtlingen
schnell die Morgenmüdigkeit verfliegen. Gegen 10,30 Uhr ging es dann bei sommerlichen Temperaturen
wieder auf den Heimberg, den Grieser Kopf und den Mühlenberg, um auf diesen
Bergkuppen noch andere Biotoptypen zu untersuchen.
Foto 2: Auf der Kuppe des
Mühlenberges; von links nach rechts: Dr. G. G. Hoffmann mit Sohn David, F.‑J.
Mehring, S. Scharf (Foto E. Wenzel)
Foto 3: S. Scharf bei der Feldarbeit
(Foto E. Wenzel)
Am frühen Sonntag Nachmittag verließ
die Gruppe den Heimberg. Das letzte Exkursionsziel für diesen Tag war der
Steinbruch von Traisen mit seinen umliegenden Eichenwäldern. Bedingt durch die
Trockenheit war der Steinbruch unter coleopterologischen Aspekten jedoch nicht
so ergiebig wie erhofft, doch boten die umliegenden Eichenwälder genügend
Betätigungsmöglichkeiten. Gegen 16 Uhr wurde unsere diesjährige
Frühjahrsexkursion beendet.
Die Ergebnisse dieser und
vorausgegangener Heimbergexkursionen werden zu einem späteren Zeitpunkt in
einer zusammenfassenden Arbeit publiziert. Der augenblickliche Zwischenstand
des „Heimberg‑Projektes“ ist im Internet nachzulesen unter:
http://www.coleo.de und dort unter dem Button „Projekte“.
Die naturschutzorientierte Arbeit von
COLEO am Heimberg fand mittlerweile auch ein positives Echo in der Presse, wie
der unterstehende Zeitungsbericht zeigt. Er entstand im Verlaufe dieser
Exkursion.
Anschrift des Verfassers: Edmund Wenzel, Mühlenstr. 8, 42477 Radevormwald
eMail: Wenzel-Radevormwald@t-online.de
Seite
14 NAHE‑REPORT RZ ‑ NR. 127 ‑ PFINGSTEN
2001
Insektenforscher
plädieren für Ausweitung des ältesten deutschen Naturschutzgebiets ‑
Trockenrasen nicht zuwuchern lassen
Das nur 1,5
Hektar kleine Naturschutzgebiet Nummer eins in Deutschland, der Nahegau in
Schloßböckelheim, soll Zuwachs bekommen. Wenn es nach der Gemeinschaft für
Coleopterologie und Ihrer Freunde geht, dann würde möglichst bald der
benachbarte Heimberg, der Felsenberg und der Grieser Kopf unter Naturschutz
gestellt.
SCHLOSSBÖCKELHEIM. Edmund Wenzel wohnt
in Radevormwald im bergischen Land. Er kommt seit 20 Jahren regelmäßig ins
Nahetal, widmet sich hier als Vorsitzender von Coleo, der Gemeinschaft für
Coleopterologie, mit Hingabe der Käferkunde. Vor allem auf dem Heimberg. Auf
den einzigartigen Trockenhängen konnten bislang schon 824 Käferarten
nachgewiesen werden, davon 140 Rote‑ListeArten und als Star in der Manege
Aleochara bellonata ‑ ein Kurzflügler, der erstmals in Deutschland
gefunden wurde.
Schätzungsweise 650 Tag‑ und
Nachtfalterarten, rund 250 Wanzenarten, 206 nachgewiesene Spinnenarten (56
davon gefährdet) der Pflanzenschönheiten an. Ameisen und Fliegen sind noch gar
nicht erforscht. „Da gibt es fantastische Möglichkeiten für kostenloses
Marketing, beispielsweise in der Weinwerbung ", sagt Edmund Wenzel, der
oft auf Messen sieht, wie sich Regionen verkaufen, was sie anzubieten haben.
Bei der Nahe sieht er im Hinblick auf die überreichlich vorhandenen
Naturschönheiten ‑ gerade auch am früher intensiv genutzten Heimberg ‑
gewaltige Defizite eben in der Präsentation: „Die Bevölkerung müsste man doch
für die einzigartige Flora und Fauna sensibilisieren können“, wünscht sich
Edmund Wenzel offene Gesprächspartner. „Eigentlich müssten wir bei den Bürgern
in der Region damit doch offene Türen einrennen“, denkt er und bietet an: „Wir
sollten bei der Ausweitung des Naturschutzgebiets an einem Strang ziehen.“
„Wir wollen vom Initiativkreis
Heimbergschutz doch nicht, dass beispielsweise die Winzer in ihrer Arbeit
eingeschränkt werden“, sagt dazu Oswald Walg, von Beruf Weinbauberater bei der
SLVA und in seiner Freizeit als Hobbywinzer und Mitglied des NABU
(Naturschutzbund Deutschland). Walg weiß insbesondere von Vorbehalten in der
Winzerschaft, wenn von einer Ausweitung von Schutz gebieten rund um den
„Nahegau“ die Rede ist. Eine Vernetzung der wertvollen Flora und Fauna von
Heimberg bis zum Harsten, Lemberg und Gangelsberg würde mehrere 1100 Hektar
Schutzgebiet zusammenbringen ‑ das größte in ganz Rheinland‑Pfalz.
Das vordringliche Problem sehen Walg
und Wenzel aber nicht in der Unterschutzstellung auf dem Papier: Um die
Insekten‑ und Pflanzenwelt zu schützen ist eine umfangreiche Entbuschung
nötig. Die Aufgabe von Steil‑ und Steilst‑Wingertslagen führt
nämlich innerhalb eines Jahrzehnts dazu, dass der Lebensraum seltener Arten von
Weißdorn, Brombeere, Waldrebe oder Schieben zugedeckt wird. Trockenmauern
werden durch Wurzeln gesprengt.
„Wir müssten immer wie der zumindest
einige Teile der verbuschten Flächen freimähen und damit wieder eine neue
Entwicklung von Pflanzen‑ und Tiergesellschaften in Gang zu setzen",
schlägt Edmund Wenzel vor. Wie auf einem Schachbrett gäbe es dann viele
unterschiedliche Felder, die meisten Arten könnten so fortbestehen.
Das Problem: Das Gelände ist steil,
schwer zugänglich und die Entbuschung problematisch. „Mit Maschinen ist da
nichts zu machen“, sagt Rolf Model (NABU Bad Sobernheim), der bei
Pflegeeinsätzen mit einigen Vereinsmitgliedern im Frühjahr Pech hatte: Zwei Mal
stieg man in den Hang ein, wurde ein Mal gar von einem Schneesturm vertrieben.
Weil Pflegeeinsätze nur von Oktober bis Februar wegen der Vogelbrut erlaubt
sind, blieben Entbuschungsversuche des NABU mit eine Hand voll Leuten eher ein
Tropfen auf den heißen Stein.
Das müssten eigentlich professionelle
Pflegetrupps machen, schlägt deshalb Edmund Wenzel vor. Doch da ist man sich
schon im klaren, dass in diesen Dingen bei der Verwaltung mit spitzem Griffel
gerechnet wird. „5000 Mark pro Hektar würde das erstmalige Freischneiden
sicherlich kosten“, kalkuliert Oswald Walg knapp ‑ in der Folge würde es
dann billiger. Die feuchte Witterung der vergangenen beiden Jahre und der
zunehmende Stickstoff‑Eintrag durch die Luft (derzeit etwa 30 Kilo pro
Hektar und Jahr) haben das Problem noch verschärft.
An Wiesenrändern auf dem Heimberg und
dem Grieserkopf kann man es auch gut betrachten: Schlehen haben sich ‑
seit dort nicht mehr gemäht wird ‑ vom Waldrand in kürzester Zeit 20 bis
30 Meter weit verbreitet. Orchideen schnürt das ebenso die Luft ab wie vielen
seltenen Insekten wie der italienischen Schönschrecke, die neben dem Heimberg
nur noch fünf kleine Vorkommen in ganz Deutschland besitzt. Auch die
Smaragdeidechse ist rund um den Heimberg stark vertreten. Alle diese
Seltenheiten, führten dazu, dass Coleo das auf mehrere Jahre angelegt
Untersuchungsprojekt auf den Weg brachte.

Ist es nicht traumhaft hier
hoch überm Nahetal auf dem Heimberg? Edmund Wenzel (rechts) reist oft aus
Radevormwald an die Nahe, untersucht seit 1982 die Käferfauna zwischen Bad
Münster und Martinstein. Er möchte die Bevölkerung für den Naturschutz
sensibilisieren. Oswald Walg (links) versucht als Weinbaufachmann, Naturfreund
und Ratsmitglied die unterschiedlichen Interesse unter einen Hut zu bekommen.
Motto: Naturschutz und Weinbau können auch voneinander profitieren. + Fotos: Armin Seibert

Das Gestrüpp
muss weg, forderte der Biotopbeauftragte der Kreisverwaltung. Also machten sich
Rolf Mode (links) und Martin Krohne (Bad Kreuznach) daran, die im Winter
abgeschlagenen inzwischen vertrockneten Schlehendornen von der Wiese zu holen
und dorthin zu bugsieren, wo sie nicht stören. Der Wintereinsatz war von Regen
und Schnee gestört worden ‑ da konnte eine handvoll engagierter
Naturschützer in Sachen Entbuschung nicht viel ausrichten.
Meinung
+ Armin Seibert zu
Heimbergschutz
Der Prophet
gilt nichts im eigenen Land sagt der Sobernheimer Berufsschullehrer und
Naturfreund Rolf Model und weiß sich aus Erfahrung bestätigt. Wenn nun Käfer‑,
Schmetterlings‑, Wanzen‑ und Ameisenforscher aus ganz Deutschland
auf dem Heimberg direkt neben Deutschlands ältestem Naturschutzgebiet tausende
(!) von Arten feststellen von denen hunderte auf der roten Liste stehen, dann
ist das natürlich den Propheten im eigenen Land Recht. Sie hoffen, dass sich
Bevölkerung und Verwaltung vom Enthusiasmus der weitgereisten Fachleute
anstecken lassen, die angesichts der Käfer und Wanzen regelrecht ins Schwärmen
geraten.
Wenn der ‑ allseits gewünschte
und zuschussträchtige ‑ Naturpark Soonwald in den nächsten Jahren
realisiert werden sollte, dann könnte in seinen Grenzen auch noch ein
vernetztes, 500 Hektar großes Naturschutzgebiet entstehen. Wie schon beim
Naturpark, so gehen auch beim Thema Naturschutzgebiet bei Landwirten und
Winzern stets alle Warnlampen an. Doch man sollte auch miteinander auskommen
und voneinander profitieren können, Warum kann der Heimberg‑ oder
Felsenberg‑Winzer nicht mit der einzigartigen Naturvielfalt, die dank
einzigartiger Witterungsverhältnisse entstand, für sein Produkt werben wie das
am Kaiserstuhl erfolgreiche Praxis, ist. Vielleicht fällt's ihm dann auch
leichter, kleine Einschränkungen hinzunehmen.
Initiativkreis
will im Herbst mit Ausstellung für Naturschönheiten werben
SCHLOSSBÖCKELHEIM.
Zum Initiativkreis Heimbergschutz schlossen sich im März 1999 Entomologen,
Botaniker und Vertreter des NABU sowie des Arbeitskreises heimische Orchideen
zusammen, um Fauna und Flora des Heimbergs intensiv zu erforschen. Ziel der
auf mehrere Jahre angelegten Arbeit ist eine umfassende Aufnahme von Flora
und Fauna mit einer anschließenden möglichen Unterschutzstellung, Um der Biotopvielfalt
des Heimbergs gerecht zu werden, wurden 13 unterschiedlich strukturierte
Flächen ausgewählt, die einer intensiven Bearbeitung unterzogen wurden und
werden. Vom felsigen Trockenrasen bis zur verbuschten Waldrandgesellschaft,
oder der Weinbergsbrache reicht das Spektrum. Schon die ersten
'Zwischenergebnisse unterstreichen eindrucksvoll die Bedeutung des Heimbergs
Schon Alfred Blaufuß forderte 1975 auf Grund seiner umfangreichen
Untersuchungen den dringenden Schutz des Heimbergs, doch die von ihm
aufgeführten Bereiche genießen diesen bis heute nicht.

In einem Brief an Landrat Velten hat jetzt NABU‑Mitarbeiter
Oswald Walg angeregt, das bestehende Naturschutzgebiet um Heimberg, Felsenberg
und Grieser Kopf auszudehnen, die Entbuschung in brachgefallenen Weinbergsflächen
und Wiesen voranzutreiben und ‑ als dritte Bitte ‑ die
Schirmherrschaft für eine großangelegte Ausstellung im Herbst zu übenehmen.
Coleo, und NABU planen eine, Bilderschau mit großformatigen Fotos, die einen
Einblick gibt in die Vielfalt der Insekten von Spinnen, Käfern und Ameisen bis
hin zu Orchideen, der Vogelwelt oder den Reptilien. Die Gemeinschaft für
Cole-opterologie plant in etwa zwei Jahren die Herausgabe einer umfassenden
Monografie als fundierte Bestandserfassung von den Moosen bis hin zur (noch
unerforschten) Fliegenpopulation. Für einige Fachgebiete sucht Coleo noch wissenschaftliche
Mitarbeiter.
Trockenmauer
am Heimberghang: Durch Aufgabe der Weinberge wächst schnell Buschwald, und
die Mauern als Wohnorte wärmeliebender Insekten verfallen.
Vom 303 Meter hohen Heimberg
zwischen Wald‑ und Schloßböckelheim genießt man einen grandiosen Blick
aufs Nahetal. Doch nicht nur das Panorama lässt die Herzen von Naturliebhabern
höher schlagen. Bei näherer Betrachtung kommt man seltenen Kleinigkeiten auf
die Spur, die es einst von Süden her an die felsigen Trockenhänge verschlagen
hat und die es deutschlandweit nur hier gibt. Forscher und Naturliebhaber
wollen den Heimberg unter Schutz stellen.

Prachtkäfer wie der Ptosima quaddriguttata gehören zu den
Seltenheiten, mit denen der Heimberg aufwarten kann. Heimische Naturfreunde
und ihre wissenschaftlich arbeitenden Freunde von Coleo wollen den Berg unter
Naturschutz stellen.

Nur der Name ist furchteinflößend: Der Bienenwolf kann hauptsächlich
auf blühenden Korbblütlern beobachtet werden. Er gehört zu den bislang 824
entdeckten Käferarten auf dem Heimberg ‑ vielleicht werden es ja noch
mehr? + Fotos: (2)
Kottmann

Die Netzwanze ist weit verbreitet und vor allem in Süddeutschland
recht häufig. Mit bisher über 200 entdeckten Wanzenarten herrscht aber auch
hier auf dem Heimberg eine imposante Vielfalt. Ameisen und Fliegen sollen auch
noch untersucht werden.

Fühlt sich auf dem Heimberg wohl:
Der Distelbock, ein wärmeliebender Holzkäfer. Er steht zwar nicht auf der
Liste der akut gefährdeten Arten, er bereichert aber die Insektenwelt neben dem
ältesten deutschen Naturschutzgebiet. + Foto:
Wenzel
Wir danken
Armin Seibert und RZ – Öffentlicher Anzeiger für die
freundliche Genehmigung zum Nachdruck dieses Artikels.