Coleo

 

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37-46

 

2001

 

ISSN 1616-3281

 

Coleo intern

 

Frühjahrsexkursion an den Heimberg

am  12. und 13. Mai 2001

 

Edmund Wenzel, Radevormwald

Eingegangen: 27. August 2001

 

          Die diesjährige COLEO‑Frühjahrsexkursion führte an den Heimberg bei Schloßböckelheim an der Mittleren Nahe. Sie stand ganz im Zeichen der Fortsetzung der Arbeiten zur Erforschung der Entomofauna des Heimbergs und wurde in Zusammenarbeit mit dem INITIATIVKREIS HEIMBERGSCHUTZ durchgeführt.


Foto 1: Der Heimberg bei Schloßböckelheim (Foto E. Wenzel)

 

          Bei herrlichem Frühjahrswetter trafen sich am Samstagmorgen die Teilnehmer: Oliver Geiß, Carsten Hannig, Dr. Günter G. Hoffmann mit Frau Heike und Sohn David, Friedrich Koch, Jürgen Kottmann, Dr. Martin Krohne, Franz Mehring, Andreas Müller, Klaas Reißmann, Markus Sadowski,  Siegmund Scharf, Holger Sonnenburg,  Aloysius Staudt, Oswald Walg und Edmund Wenzel 

 

          In Kleingruppen wurden den gesamten Tag über verschiedene Biotoptypen des Heimbergs in schweißtreibender Feldarbeit untersucht. Neben den Käfern fanden auch noch Wanzen, Ameisen und Spinnen besondere Beachtung. Auch die stellenweise dichten Orchideenbestände zogen die nicht nur einseitig an Insekten ausgerichteten Teilnehmer in ihren Bann.

 

          Nach einem arbeitsreichen Sammeltag traf man sich gegen 19 Uhr zum gemeinsamen Abendessen im nahegelegenen Sportplatzrestaurant ‑ und so langsam kehrten die Lebensgeister wieder zurück. Nach dem Essen ging man in der Probierstube des Weingutes G. Wagner zum gemütlichen Teil des Abends über. Bei „einigen Tropfen“ guten Naheweines wurden Ideen ausgetauscht, wurde gefachsimpelt und so manches Anekdötchen zum Besten gegeben. Und wie so häufig an solchen Abenden verstrichen die Stunden viel zu rasch und die Nacht wurde immer kürzer.

 

          Der Sonntag begann mit einem gemeinsamen Frühstück im Weingut und der gute Kaffee ließ bei einigen Nahe‑Nachtlingen schnell die Morgenmüdigkeit verfliegen. Gegen 10,30 Uhr  ging es dann bei sommerlichen Temperaturen wieder auf den Heimberg, den Grieser Kopf und den Mühlenberg, um auf diesen Bergkuppen noch andere Biotoptypen zu untersuchen.



Foto 2: Auf der Kuppe des Mühlenberges; von links nach rechts: Dr. G. G. Hoffmann mit Sohn David, F.‑J. Mehring, S. Scharf  (Foto E. Wenzel)

 



Foto 3: S. Scharf bei der Feldarbeit (Foto E. Wenzel)

 

          Am frühen Sonntag Nachmittag verließ die Gruppe den Heimberg. Das letzte Exkursionsziel für diesen Tag war der Steinbruch von Traisen mit seinen umliegenden Eichenwäldern. Bedingt durch die Trockenheit war der Steinbruch unter coleopterologischen Aspekten jedoch nicht so ergiebig wie erhofft, doch boten die umliegenden Eichenwälder genügend Betätigungsmöglichkeiten. Gegen 16 Uhr wurde unsere diesjährige Frühjahrsexkursion beendet.

 

          Die Ergebnisse dieser und vorausgegangener Heimbergexkursionen werden zu einem späteren Zeitpunkt in einer zusammenfassenden Arbeit publiziert. Der augenblickliche Zwischenstand des „Heimberg‑Projektes“ ist im Internet nachzulesen unter: http://www.coleo.de und dort unter dem Button „Projekte“.

 

          Die naturschutzorientierte Arbeit von COLEO am Heimberg fand mittlerweile auch ein positives Echo in der Presse, wie der unterstehende Zeitungsbericht zeigt. Er entstand im Verlaufe dieser Exkursion.

 

Anschrift des Verfassers: Edmund Wenzel, Mühlenstr. 8, 42477 Radevormwald

eMail: Wenzel-Radevormwald@t-online.de

 

 

Anhang:

 

RZ – Öffentlicher Anzeiger Nr. 127, NAHE‑REPORT ‑ Pfingsten 2001

 


Seite 14                  NAHE‑REPORT       RZ ‑ NR. 127 ‑ PFINGSTEN 2001

 

Zuwachs für Schutzgebiet Nahegau

 

Insektenforscher plädieren für Ausweitung des ältesten deutschen Naturschutzgebiets ‑ Trockenrasen nicht zuwuchern lassen

 

Das nur 1,5 Hektar kleine Naturschutzgebiet Nummer eins in Deutschland, der Nahegau in Schloßböckelheim, soll Zuwachs bekommen. Wenn es nach der Gemeinschaft für Coleopterologie und Ihrer Freunde geht, dann würde möglichst bald der benachbarte Heimberg, der Felsenberg und der Grieser Kopf unter Naturschutz gestellt.

 

          SCHLOSSBÖCKELHEIM. Edmund Wenzel wohnt in Radevormwald im bergischen Land. Er kommt seit 20 Jahren regelmäßig ins Nahetal, widmet sich hier als Vorsitzender von Coleo, der Gemeinschaft für Coleopterologie, mit Hingabe der Käferkunde. Vor allem auf dem Heimberg. Auf den einzigartigen Trockenhängen konnten bislang schon 824 Käferarten nachgewiesen werden, davon 140 Rote‑ListeArten und als Star in der Manege Aleochara bellonata ‑ ein Kurzflügler, der erstmals in Deutschland gefunden wurde.

          Schätzungsweise 650 Tag‑ und Nachtfalterarten, rund 250 Wanzenarten, 206 nachgewiesene Spinnenarten (56 davon gefährdet) der Pflanzenschönheiten an. Ameisen und Fliegen sind noch gar nicht erforscht. „Da gibt es fantastische Möglichkeiten für kostenloses Marketing, beispielsweise in der Weinwerbung ", sagt Edmund Wenzel, der oft auf Messen sieht, wie sich Regionen verkaufen, was sie anzubieten haben. Bei der Nahe sieht er im Hinblick auf die überreichlich vorhandenen Naturschönheiten ‑ gerade auch am früher intensiv genutzten Heimberg ‑ gewaltige Defizite eben in der Präsentation: „Die Bevölkerung müsste man doch für die einzigartige Flora und Fauna sensibilisieren können“, wünscht sich Edmund Wenzel offene Gesprächspartner. „Eigentlich müssten wir bei den Bürgern in der Region damit doch offene Türen einrennen“, denkt er und bietet an: „Wir sollten bei der Ausweitung des Naturschutzgebiets an einem Strang ziehen.“

          „Wir wollen vom Initiativkreis Heimbergschutz doch nicht, dass beispielsweise die Winzer in ihrer Arbeit eingeschränkt werden“, sagt dazu Oswald Walg, von Beruf Weinbauberater bei der SLVA und in seiner Freizeit als Hobbywinzer und Mitglied des NABU (Naturschutzbund Deutschland). Walg weiß insbesondere von Vorbehalten in der Winzerschaft, wenn von einer Ausweitung von Schutz gebieten rund um den „Nahegau“ die Rede ist. Eine Vernetzung der wertvollen Flora und Fauna von Heimberg bis zum Harsten, Lemberg und Gangelsberg würde mehrere 1100 Hektar Schutzgebiet zusammenbringen ‑ das größte in ganz Rheinland‑Pfalz.

          Das vordringliche Problem sehen Walg und Wenzel aber nicht in der Unterschutzstellung auf dem Papier: Um die Insekten‑ und Pflanzenwelt zu schützen ist eine umfangreiche Entbuschung nötig. Die Aufgabe von Steil‑ und Steilst‑Wingertslagen führt nämlich innerhalb eines Jahrzehnts dazu, dass der Lebensraum seltener Arten von Weißdorn, Brombeere, Waldrebe oder Schieben zugedeckt wird. Trockenmauern werden durch Wurzeln gesprengt.

          „Wir müssten immer wie der zumindest einige Teile der verbuschten Flächen freimähen und damit wieder eine neue Entwicklung von Pflanzen‑ und Tiergesellschaften in Gang zu setzen", schlägt Edmund Wenzel vor. Wie auf einem Schachbrett gäbe es dann viele unterschiedliche Felder, die meisten Arten könnten so fortbestehen.

          Das Problem: Das Gelände ist steil, schwer zugänglich und die Entbuschung problematisch. „Mit Maschinen ist da nichts zu machen“, sagt Rolf Model (NABU Bad Sobernheim), der bei Pflegeeinsätzen mit einigen Vereinsmitgliedern im Frühjahr Pech hatte: Zwei Mal stieg man in den Hang ein, wurde ein Mal gar von einem Schneesturm vertrieben. Weil Pflegeeinsätze nur von Oktober bis Februar wegen der Vogelbrut erlaubt sind, blieben Entbuschungsversuche des NABU mit eine Hand voll Leuten eher ein Tropfen auf den heißen Stein.

          Das müssten eigentlich professionelle Pflegetrupps machen, schlägt deshalb Edmund Wenzel vor. Doch da ist man sich schon im klaren, dass in diesen Dingen bei der Verwaltung mit spitzem Griffel gerechnet wird. „5000 Mark pro Hektar würde das erstmalige Freischneiden sicherlich kosten“, kalkuliert Oswald Walg knapp ‑ in der Folge würde es dann billiger. Die feuchte Witterung der vergangenen beiden Jahre und der zunehmende Stickstoff‑Eintrag durch die Luft (derzeit etwa 30 Kilo pro Hektar und Jahr) haben das Problem noch verschärft.

          An Wiesenrändern auf dem Heimberg und dem Grieserkopf kann man es auch gut betrachten: Schlehen haben sich ‑ seit dort nicht mehr gemäht wird ‑ vom Waldrand in kürzester Zeit 20 bis 30 Meter weit verbreitet. Orchideen schnürt das ebenso die Luft ab wie vielen seltenen Insekten wie der italienischen Schönschrecke, die neben dem Heimberg nur noch fünf kleine Vorkommen in ganz Deutschland besitzt. Auch die Smaragdeidechse ist rund um den Heimberg stark vertreten. Alle diese Seltenheiten, führten dazu, dass Coleo das auf mehrere Jahre angelegt Untersuchungsprojekt auf den Weg brachte.


 


Ist es nicht traumhaft hier hoch überm Nahetal auf dem Heimberg? Edmund Wenzel (rechts) reist oft aus Radevormwald an die Nahe, untersucht seit 1982 die Käferfauna zwischen Bad Münster und Martinstein. Er möchte die Bevölkerung für den Naturschutz sensibilisieren. Oswald Walg (links) versucht als Weinbaufachmann, Naturfreund und Ratsmitglied die unterschiedlichen Interesse unter einen Hut zu bekommen. Motto: Naturschutz und Weinbau können auch voneinander profitieren. + Fotos: Armin Seibert


 

 


Das Gestrüpp muss weg, forderte der Biotopbeauftragte der Kreisverwaltung. Also machten sich Rolf Mode (links) und Martin Krohne (Bad Kreuznach) daran, die im Winter abgeschlagenen inzwischen vertrockneten Schlehendornen von der Wiese zu holen und dorthin zu bugsieren, wo sie nicht stören. Der Wintereinsatz war von Regen und Schnee gestört worden ‑ da konnte eine handvoll engagierter Naturschützer in Sachen Entbuschung nicht viel ausrichten.

 

 

Meinung

 

Naturschutz und Weinwerbung

 

+ Armin Seibert zu Heimbergschutz

 

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land sagt der Sobernheimer Berufsschullehrer und Naturfreund Rolf Model und weiß sich­ aus Erfahrung bestätigt. Wenn nun Käfer‑, Schmetterlings‑, Wanzen‑ und Ameisenfor­scher aus ganz Deutschland auf dem Heim­berg direkt neben Deutschlands ältestem Naturschutzgebiet tausende (!) von Arten feststellen von denen hunderte auf der roten Liste stehen, dann ist das natürlich den Propheten im eigenen Land Recht. Sie hoffen, dass sich Bevölkerung und Verwaltung vom Enthusiasmus der weitgereisten Fach­leute anstecken lassen, die angesichts der Käfer und Wan­zen regelrecht ins Schwärmen geraten.

          Wenn der ‑ allseits gewünschte und zuschussträchtige ‑ Naturpark Soonwald in den nächsten Jahren realisiert wer­den sollte, dann könnte in seinen Grenzen auch noch ein vernetztes, 500 Hektar großes Naturschutzgebiet entstehen. Wie schon beim Naturpark, so gehen auch beim Thema Naturschutzgebiet bei Landwirten und Winzern stets alle Warnlampen an. Doch man sollte auch miteinander aus­kommen und voneinander profitieren können, Warum kann der Heimberg‑ oder Felsenberg‑Winzer nicht mit der einzig­artigen Naturvielfalt, die dank einzigartiger Witterungsver­hältnisse entstand, für sein Produkt werben wie das am Kaiserstuhl erfolgreiche Praxis, ist. Vielleicht fällt's ihm dann auch leichter, kleine Einschränkungen hinzunehmen.

 

Heimberg unter Forscher‑Lupe

 

Initiativkreis will im Herbst mit Ausstellung für Naturschönheiten werben

 

          SCHLOSSBÖCKELHEIM. Zum Initiativkreis Heimbergschutz schlossen sich im März 1999 Entomologen, Botaniker und Vertreter des NABU sowie des Arbeitskreises heimische Orchideen zusammen, um Fauna und Flora des Heim­bergs intensiv zu erforschen. Ziel der auf mehrere Jahre an­gelegten Arbeit ist eine um­fassende Aufnahme von Flora und Fauna mit einer anschlie­ßenden möglichen Unterschutzstellung, Um der Bio­topvielfalt des Heimbergs ge­recht zu werden, wurden 13 unterschiedlich strukturierte Flächen ausgewählt, die einer intensiven Bearbeitung unter­zogen wurden und werden. Vom felsigen Trockenrasen bis zur verbuschten Wald­randgesellschaft, oder der Weinbergsbrache reicht das Spektrum. Schon die ersten 'Zwischenergebnisse unter­streichen eindrucksvoll die Bedeutung des Heimbergs Schon Alfred Blaufuß forderte 1975 auf Grund seiner um­fangreichen Untersuchungen den dringenden Schutz des Heimbergs, doch die von ihm aufgeführten Bereiche genie­ßen diesen bis heute nicht.


          In einem Brief an Landrat Velten hat jetzt NABU‑Mitar­beiter Oswald Walg angeregt, das bestehende Naturschutz­gebiet um Heimberg, Felsen­berg und Grieser Kopf auszu­dehnen, die Entbuschung in brachgefallenen Weinbergs­flächen und Wiesen voranzu­treiben und ‑ als dritte Bitte ‑ die Schirmherrschaft für eine großangelegte Ausstellung im Herbst zu übenehmen. Coleo, und NABU planen eine, Bil­derschau mit großformatigen Fotos, die einen Einblick gibt in die Vielfalt der Insekten von Spinnen, Käfern und Ameisen bis hin zu Orchideen, der Vogelwelt oder den Reptilien. Die Gemeinschaft für Cole-opterologie plant in etwa zwei Jahren die Herausgabe einer umfassenden Monografie als fundierte Bestandserfassung von den Moosen bis hin zur (noch unerforschten) Fliegen­population. Für einige Fach­gebiete sucht Coleo noch wis­senschaftliche Mitarbeiter.

 


Trockenmauer am Heimberg­hang: Durch Aufgabe der Wein­berge wächst schnell Busch­wald, und die Mauern als Wohnorte wärmeliebender In­sekten verfallen.

 

Das Naturjuwel Heimberg schützen

 

Vom 303 Meter hohen Heimberg zwischen Wald‑ und Schloßböckelheim genießt man einen grandiosen Blick aufs Nahetal. Doch nicht nur das Panorama lässt die Herzen von Naturliebhabern höher schlagen. Bei näherer Betrachtung kommt man seltenen Kleinigkeiten auf die Spur, die es einst von Süden her an die felsigen Trockenhänge verschlagen hat und die es deutschlandweit nur hier gibt. Forscher und Naturliebhaber wollen den Heimberg unter Schutz stellen.

 


 

 


Prachtkäfer wie der Ptosima quaddriguttata gehören zu den Seltenheiten, mit denen der Heimberg aufwarten kann. Heimi­sche Naturfreunde und ihre wissenschaftlich arbeitenden Freun­de von Coleo wollen den Berg unter Naturschutz stellen.

 


 


Nur der Name ist furchteinflößend: Der Bienenwolf kann haupt­sächlich auf blühenden Korbblütlern beobachtet werden. Er ge­hört zu den bislang 824 entdeckten Käferarten auf dem Heimberg ‑ vielleicht werden es ja noch mehr? + Fotos: (2) Kottmann

 


 

 


Die Netzwanze ist weit verbreitet und vor allem in Süddeutsch­land recht häufig. Mit bisher über 200 entdeckten Wanzenarten herrscht aber auch hier auf dem Heimberg eine imposante Viel­falt. Ameisen und Fliegen sollen auch noch untersucht werden.

 


 

 


Fühlt sich auf dem Heimberg wohl: Der Distelbock, ein wärme­liebender Holzkäfer. Er steht zwar nicht auf der Liste der akut gefährdeten Arten, er bereichert aber die Insektenwelt neben dem ältesten deutschen Naturschutzgebiet. + Foto: Wenzel

 

 

 

 

 

 

 

Wir danken Armin Seibert und RZ – Öffentlicher Anzeiger für die freundliche Genehmigung zum Nachdruck dieses Artikels.