Coleo

 

2

 

47-50

 

2001

 

ISSN 1616-3281

 

COLEO intern

 

Workshop: Genitalpräparation, 17. März 2001 im Heimatmuseum Benrath/Düsseldorf

 

Peter E. Stüben, Mönchengladbach

 

Eingegangen: 27. August 2001

 

Anwesend waren: B. Borkert, Dr. Heuwinkel, Dr. G. G. Hoffmann, F.-J. Mehring, A. Müller, K. Reißmann, S. Scharf, Dr. P. E. Stüben und E. Wenzel.

 

Routine: Für die Gattungszugehörigkeit und die Artdifferenzierung ist die genaue Kenntnis des Aedoeagus seit Jahrzehnten in vielen Familien der Coleopteren eine sichere Bestimmungshilfe. In neuerer Zeit wird darüberhinaus als Bestimmungsmerkmal immer häufiger auf die sklerotisierten Innensackstrukturen des Aedoeagus zurückgegriffen (z.B. bei den Staphyliniden und Curculioniden: Cryptorhynchinae). Genitalpräparationen gehören daher wie die Präparation der Imagines zu den Routinearbeiten eines Entomologen.



Foto 1: Übungen zur Entnahme des Aedoeagus bei Ocypus-Arten mit anschließender Bestimmung (Foto: E. Wenzel)

 

Technisches: Jeder hat bei der Entnahme des Aedoeagus seine eigene Technik. Zu der bei vielen kugeligen Käfern (z.B. Curculionidae: Acalles) oft schwierigen Genitalpräparation eignet sich besonders in Scheerpeltzlösung konserviertes Material, da der Hinterleib dann aufgequollen ist und sich das Genital leicht mit einer (vorne gebogenen) Nadel entnehmen läßt. Nach einer 1-3 tägigen Mazeration in Kalilauge (oder Milchsäure) - die Innensackstrukturen, falls vorhanden, werden dann sehr schon sichtbar - kann für die mikroskopische Aufbereitung der Aedoeagus dann in das dazu in der Vergangenheit als geeignet angesehene Polyvinyl-Einschlußmittel („Lompe“) gebettet werden, um eine absolut sichere Artbestimmung vorzunehmen, die bei einer rein ektoskelettalen Vorgehensweise oft wesentlich zeitaufwendiger wäre und hier Fehlbestimmungen nicht ausschließt.



Foto 2: Dr. P. E. Stüben erklärt und zeigt die optimale Einbettung des Aedoeagus

(Foto: E. Wenzel)



Foto 3: S. Scharf bei der mikroskopischen Arbeit (Foto: E. Wenzel)



Foto 4: E. Wenzel demonstriert die Genitalpräparation bei Ocypus

(Foto: G. G. Hoffmann)

 

Kritisches: Langzeituntersuchungen haben jedoch sehr deutlich werden lassen, daß das angetrocknete Polyvinyl-Einschlußmittel nach 2 - 3 Jahren rissig wird und von der glatten Oberfläche eines Plastikplättchens (egal wie dick!) abspringt. Daher ist die dauerhafte Einbettung auf diesem Wege nicht zu empfehlen! Unabhängig davon ist selbstverständlich die Polyvinyl-Einbettung auf einem Karton-Aufklebeplättchen mit rauher Oberfläche unterhalb des Ganzkörperpräparats angezeigt, da die sehr bequeme Wasserlöslichkeit einen großen Vorteil bietet.



Foto 5: Selbst bei großen Ocypus-Arten ist die Genitalpräparation auf Anhieb gar nicht so einfach zu bewerkstelligen und verlangt manchen Ratschlag. E. Wenzel im Gespräch mit B. Borkert, im Vordergrund Dr. Heuwinkel/Museum Benrath. (Foto: S. Scharf)

 

Neue Wege: Einige von uns arbeiten daher seit einiger Zeit mit separaten Glas-Micro-Vials (12 x 4 mm), in die mit einer Spritze zunächst Glycerin eingebracht wird. Halb gefüllt wird das gerade der Mazerationslösung entnommene und zuvor gewässerte Genital vorsichtig mit einer Nadel in das Glycerin gelegt. Ein Plastikstopfen verschließt das Microgläschen. Durch den selben Stopfen wird die Nadel, auf der sich schön das Kartonplättchen mit dem Tier befindet, geführt, so daß das Micro Vial nicht oder nur geringfügig - im rechten Winkel zur Nadel gesetzt - das Aufklebeplättchen überragt. Das ist mit Abstand die beste Langzeitkonservierung, da sich unter Luftzuführung oder in der angesprochenen Polyvinyl-Lösung viele Genitalpräparate aufrollen, in den Umrissen verändern oder schrumpfen. Durch die sehr dünnen Glaswände der Micro Vials läßt sich das Genital sehr schön sehen und selbstverständlich auch zeichnen. Es bleibt praktisch in der Stellung, in der es eingeführt wurde, stehen und verändert sich in den Umrissen nicht mehr.



Foto 6: A. Müller bei der Bestimmungsarbeit (Foto: G. G. Hoffmann)

 

Nachteil: Diese „Glass Micro Vials“ sind nur in den USA (BioQuip) erhältlich und sehr, sehr teuer. Deshalb suchen wir nach Möglichkeiten, dieses Micro Vials hier herzustellen oder herstellen zu lassen, wobei besonders das Material des Stopfens („stoppers“), der zahlreiche Bedingungen erfüllen muß, bisher das Geheimnis des Herstellers bleibt, der hier wieder einmal einen Pfennigartikel (!) - nein, Bruchteile eines Pfennigs - in harte Dollar an den unwissenden Entomologen weiterreicht.

 

Vorschlag: Machen wir dem ein Ende!

 

Autor: Dr. Peter E. Stüben, CURCULIO-Institut, Hauweg 62, D-41066 Mönchengladbach

EMail: P.Stueben@t-online.de