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Coleo |
2 |
61-66 |
2001 |
ISSN 1616-3281 |
Die Einbettung
von Käfern in Polyester-Gießharz -
Eine Methode zur
Typenkonservation?
Günter Georg Hoffmann, Oberhausen
eingegangen: 1.
September 2000, in erweiterter Form: 28. September 2001
Abstract
The
well-known method of embedding insects (example: beetles) in polyester resin is
as well described as evaluated and the question is raised: Schould all Types or
at least Paratypes of newly described species be embedded in resin?
Die wohlbekannte Methode der Einbettung von Insekten
in Polyester-Gießharz wird am Beispiel von Käfern sowohl beschrieben als auch
bewertet und die Frage zur Diskussion gestellt: Sollten alle Typen oder
wenigstens Paratypen neu beschriebener Arten in Gießharz eingeschlossen werden?
Einleitung
Durch den vergleichsweise häufigen Gebrauch und
Versand sind Typen oft sehr stark in Mitleidenschaft genommen. Gliedmaßen und
Fühler, manchmal sogar der ganze Kopf (so von mir an einer Ptiliiden-Type
gefunden) fehlen, die Behaarung oder Schuppen sind oft abgerieben. Dies steht natürlich im krassen Gegensatz zu
der Bedeutung der Typen. Es sollen deshalb in diesem Beitrag die Technik sowie
die Vor- und Nachteile der Einbettung von Käfern in Gießharz besprochen und
damit der Vorschlag zur Diskussion gestellt werden, von allen neu beschriebenen
Arten den Typus oder mindestens einen Paratypus routinemäßig einzubetten.
Technik
Ein Drittel des für die Einbettung des Käfers
benötigten Volumens an Gießharz (hauptsächlich Methacrylsäuremethylester mit
etwas Styrol) wird mit Härter (tert-Butylperoxid)
versetzt und in eine Form aus Polypropylen gefüllt. Man wartet ab (ca. 15-20
min), bis das Gießharz eine gelartige Konsistenz erreicht hat. Der fertig
präparierte und entfettete Käfer wird sodann auf diese erste Gießharzschicht
gesetzt. Nachdem man die Schicht zur besseren Haftung des Insekts noch ca. 30
bis 60 Minuten weiter aushärten ließ, wird die zweite Schicht gegossen. Nach
dem vollständigen Aushärten des Präparates (ca. 1 Tag) kann es aus der Form
gelöst werden. Der rohe Gießharzblock wird nacheinander mit Schleifpapier immer
feinerer Körnung bearbeitet und zuletzt mit einer speziellen Paste glasklar
poliert. Bei Zeitmangel und geringeren Anforderungen an die Oberflächenqualität
kann der Harzblock vor dem Aushärten mit einer glatten Folie belegt werden, was
bei Verwendung polierter Formen ein akzeptables Präparat ergibt.
Vorteile der
Methode
1)
Für
die Präparate ist eine extrem lange Haltbarkeit zu erwarten. Die
vergleichbaren, von der Natur „hergestellten” Präparate in Bernstein (Beispiel:
Abb. 1) sind ja bis zu 200 Millionen Jahre alt. Bei Gießharzpräparaten ist
aufgrund der chemischen Struktur noch eine wesentlich längere Haltbarkeit
möglich. Selbst ein Sturz des Käfers aus größerer Höhe auf harten Boden führt
meist nur zu kosmetischen Mängeln und beeinträchtigt die Brauchbarkeit des
Präparates nicht.
2)
Im
Gegensatz zu aufgeklebten Präparaten ist stets ohne weitere Manipulation eine
Untersuchung der Seiten und der Unterseite möglich (Abb. 2).
3)
Kleine
Käfer lassen sich deutlich besser handhaben und versenden (Abb. 3 und 4).
4)
Eine
Zerstörung des Käfers durch Insektenfraß ist ausgeschlossen.
5)
Genitalpräparate
können direkt mit eingegossen werden und können so nicht verlorengehen.
6)
Funddaten
und Kennummern können mit eingegossen werden, Verwechslungen werden so sicher
vermieden (Abb. 5).
7)
Da
das Harz einen großen Teil des UV-Lichtes absorbiert und Sauerstoff
ausschließt, ist eine längere Haltbarkeit der licht- und
Sauerstoff-empfindlichen Farbstoffe gegeben (Abb. 7).
8)
Die
Hinterleibe von Staphiliniden u. ä. schrumpfen nicht (Abb. 8 und 9).
9)
Auch
Weichkäfer und sogar Larven (Abb. 10), die bisher als Flüssigpräparat
aufbewahrt werden mußten, können mit Vorteil eingegossen werden.
Nachteile der
Methode
1)
Da
das Harz bei der Aushärtung warm bis heiß wird, steigen häufig Luftblasen aus
den Tieren auf. Auch lösen sich durch die unterschiedlich Wärmeausdehnung von
Harz und Tier die Oberfläche des Käfers und das Gießharz manchmal voneinander.
Der entstehende Zwischenraum ist mit Luft gefüllt und durch die Totalreflexion
kann der betroffene Teil der Käferoberfläche nicht mehr untersucht werden. Zum
Glück treten diese Nachteile nur bei größeren Käfern (ab ca. 1 cm) auf und
können bei entsprechender Arbeitsweise (Entfettung des Insekts, Kühlung des
aushärtenden Harzes, Arbeiten unter Vakuum) auch bei diesen meistens verhindert
werden.
2)
Durch
den hohen Zeitaufwand zum Polieren des Präparates ist die Einbettung recht
kostspielig (Schätzung: DM 50 pro Tier, ohne Polieren allerdings nur DM 10 pro
Tier).
3)
Unterlassene
Genitalpräparationen u. ä. sind nicht mehr ohne großen Aufwand nachzuholen.
Der letztere Punkt veranlasste einen meiner Diskussionspartner sogar, von einem sofortigen Totalverlust des Tieres durch Einbetten in Gießharz zu sprechen. Eigene Versuche zeigten jedoch, dass das Präparat durch zweiwöchiges Einlegen in Xylol wachsweich wird, so dass der Käfer entnommen werden kann.
4) Der
gewohnte Anblick der Käfer geht verloren, da ein eingebetteter Käfer nicht mehr
einem Trockenpräparat entspricht, sondern einem Flüssigkeitspräparat ähnelt.
Diesen Anblick ist der Entomologe allerdings auch schon von Genitalpräparaten
in Lompe-Lösung gewohnt.
Abbildung 1: kleiner Baummulmkäfer
(Familie Aderidae, ca. 1,5 mm) im
Baltischen Bernstein (ca. 50 Millionen Jahre, Sammlung des Autors)
Abbildung 3: Präparat eines kleinen
Laufkäfers (Asaphidion flavipes (L., 1761))

Abbildung 4: Präparat eines kleinen
Kurzflüglers (Edaphus beszedesi Rtt.,
1913)
Abbildung 5: Gießharzpräparat von Cionus scrophulariae (L., 1758) mit
Fundzettel
Abbildung 6: Gießharzpräparat von Cionus scrophulariae von oben
Abbildung 7: 30 Jahre altes Präparat von
Adalia bipunctata (L., 1758) mit
erhaltener Farbe
Abbildung 8: Larve von Bolitophagus reticulatus (L., 1767)
Abbildung 9: Bolitophagus reticulatus
(L., 1767)
Abbildung 10: Trockenpräparat von Ocypus olens (Müll., 1764) mit
geschrumpftem Hinterleib
Abbildung 11: Gießharzpräparat von Ocypus olens (Müll., 1764) mit in Originallänge
erhaltenem Hinterleib
Beide
Präparate sind im gleichen Maßstab abgebildet, um die erhebliche Schrumpfung
des Hinterleibes zu zeigen.
Resumeé
Obwohl, wie alle Präparationsmethoden, nicht ohne
Nachteile, ist die Einbettung von Käfern (und anderen Insekten) in Gießharz bei
wichtigen oder sogar einzigartigen Exemplaren von großem Wert. Bei der
Einbettung wenigstens des Paratypus einer neuen Art würden die Vorteile
der Methode die genannten Nachteile sicher überwiegen und unseren
Nachkommen Tiere überliefern, die sonst unwiederbringlich dem Zerfall anheim
fallen würden. Die Gemeinschaft der Coleopterologen wird hiermit gebeten, zu
überlegen, ob es sinnvoll wäre, die Einbettungen von Typen oder Paratypen in
Gießharz zu einem Standardverfahren zu machen.
Ich danke den Herren Friedhelm Bahr, Frank Köhler, Dr. Klaus Renner, Dr. Peter E. Stüben und vor allem Edmund Wenzel für kritische Anmerkungen und Diskussionen.
Literatur
Koppe, V.: Einbetten in Gießharz, Kontakte 1974, 30.
Voss, Klaus-W.: Eingießtechnik mit Polyester,
Uetersen
Weitschat, Wolfgang; Wichard, Wilfried: Atlas der
Pflanzen und Tiere im Baltischen Bernstein, München 1998
Anschrift des
Verfassers:
Dr. Günter Georg Hoffmann, Diplom-Chemiker, Wachstraße
29, D-46045 Oberhausen
e-mail:
hoffmann-oberhausen@t-online.de