Coleo

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20-24

2011

ISSN 1616-3281

Velleius dilatatus   (F., 1787)

Fund eines bemerkenswerten Kurzflüglers in Arnsberg, Westfalen 
(Col.: Staphylinidae)

Von 
   

Hans-Joachim Grunwald, Arnsberg

                                          

Mit 2 Abbildungen

Eingegangen: 19. Januar 2011
Im www publiziert am 3. Juli 2011

Abstract:

The beetle was found in autumn 2009 under the unused chimney of an inhabited house in the midle of Arnsberg-Niedereimer, Westfalia.


Zusammenfassung:

Der „Hornissenkäfer“ wurde im Herbst 2009 im Arnsberger Ortsteil Niedereimer am Boden eines Kaminschachts in einem bewohnten Haus mitten im Ort gefangen..

Der „Hornissenkäfer“ (Velleius dilatatus), auch „Hornissenkurzflügelkäfer“ genannt, ist nach HORION (1965) in ganz Deutschland mit Ausnahme der höheren Gebirge gemeldet, allerdings nur als sehr lokal uns selten. Nach LOHSE (1963) kommt der Käfer wohl überall regelmäßig in Hornissennestern vor, wird jedoch wegen der mit seinem Fang verbundenen Unbequemlichkeiten selten erbeutet.



Abb. 1: Der Kamin (Foto: Josef Grote )


Dem Verfasser gelang der Fang von 20 Exemplaren des Velleius aufgrund interessanter Umstände, die hier kurz dargestellt werden sollen.

Mein Nachbar Josef Grote, Hobbyimker und an allem, was krabbelt, sehr interessiert, brachte mir Anfang September 2009 einen auffälligen Kurzflügler, den er mitten in seinem Wohnzimmer gefangen hatte, mit der Bitte um Bestimmung. Die Körperlänge des Käfers von ca. 2,5 cm, der große und breite, hinten halbkreisförmig gerundete Halsschild und vor allem die kräftigen Fühler, die vom vierten Glied an sägezahnartig nach innen erweitert waren, führten zum Velleius dilatatus, der als einziger unserer heimischen Staphyliniden dieses letztgenannte Merkmal aufweist. Der Hinweis auf die Lebensweise des Käfers, der in einer engen Beziehung zur Hornisse steht und als „Gast“ in deren Nähe lebt, irritierte meinen Nachbarn gottlob nicht.

Wir vermuteten zunächst, dass der Velleius durch ein Fenster oder durch die Terrassentür ins Wohnzimmer geflogen ist, denn das Haus liegt mitten in einem großen naturbelassenen Garten mit vielen Bäumen und auch Totholz. Die Nachschau nach einem Hornissennest in diesen Bäumen führte aber nicht weiter.

Der nächste Fang eines Velleius nur zwei Tage später – erneut im Wohnzimmer – legte nunmehr den Verdacht nahe, dass das Hornissennest irgendwo versteckt in dem wilden Wein, der das Gebäude umrankt,  oder gar im Haus, etwa auf dem Dachboden, gebaut worden war. Wiederum war nichts zu finden. Daraufhin legte sich Herr Grote mit einem Fernglas auf die Lauer, um den Dachbereich und  an- und abfliegende Hornissen zu beobachten und so deren Landeplatz zu ermitteln. Binnen kurzer Zeit stellte er fest, dass die Hornissen einen Schornstein anflogen, der die letzten Monate nicht genutzt worden war. Der dazugehörige Schacht hat eine Öffnung zum Wohnzimmerkamin und endet im Keller des Hauses. Sollte das Hornissennest tatsächlich oben im Schornstein gebaut worden sein, wäre das Auftreten des Velleius im Wohnzimmer erklärt.   

                                                                                                                                                  Mit einem Gefäß, einer Maurerkelle und einer starken Taschenlampe bewaffnet öffneten wir die Revisionsklappe im Keller. Sofort stach uns ein unangenehm riechender Haufen Biomaterial am Schachtboden ins Auge, in dem tote Insekten, Chitinteile, Wabenstücke, tote und noch lebende Hornissenlarven und –puppen lagen. Der Haufen wirkte wie lebend, denn es wimmelte auf und in ihm nur so von Fliegenlarven.

Dies war das ideale Biotop für den Velleius,  Er lebt nämlich nicht als „Raubgast“ im Hornissennest, etwa die Brut fressend, sondern als „Raumgast“ in dem Abfallhaufen, der sich unterhalb des Nestes bildet, wie insbesondere R. zur STRASSEN (1957) festgestellt hat. Dies verwundert nicht, wenn man an die Wehrhaftigkeit der Hornissen denkt. Der Velleius und seine Larven ernähren sich rein karnivor. Deshalb ist dieser Abfallberg besonders geeignet, denn in ihm siedeln sich verschiedene Fliegenarten an, deren Larven schnell den ganzen Haufen bevölkern; auch Futterreste der Hornissen, deren Exkremente und auch gelegentlich deren Larven und – puppen fallen auf ihn. Dies ist für den Velleius und seine Nachkommenschaft ein „gedeckter Tisch“.




Abb. 2: Velleius dilatatus (F., 1787) (Foto: Friedhelm Bahr)

Tatsächlich entdeckten wir prompt die ersten Velleius, die allerdings sofort durch den Lampenschein aufgeschreckt die Flucht die Schachtwände herauf antraten. Per langem Arm konnten einige Tiere gefangen werden, beim Durchsuchen des Haufen kamen auch noch einige adulte Tiere und etliche Larven des Käfers zum Vorschein.

So konnten wir im Laufe des September 2009 bei regelmäßiger Nachsuche insgesamt zwanzig Hornissenkäfer fangen.

Ende September waren plötzlich keine fliegenden Hornissen mehr zu beobachten; kurze Zeit später war auch kein Velleius mehr zu finden, obwohl der Abfallhaufen noch vorhanden war und „duftete“. Die Käfer scheinen in einem bemerkenswerten Abhängigkeitsverhältnis zu den Hornissen selbst zu stehen. Dies hat bereits KUTZSCHER (1994) in etlichen Versuchen nachgewiesen, , dass nämlich sofort, wenn die Hornissen ihr Nest verlassen, auch der Velleius fortfliegt.

Nach einigen Wochen fiel das Hornissennest auf den Schachtboden herunter. In den Wabenbruchstücken konnten drei weitere Arten nachgewiesen werden, der Latridius in einer großen Serie. Es handelte sich um folgende Arten:

Phyllodrepa floralis (PAYK., 1789)

Latridius minutus (L., 1767)

Corticaria inconspicua WOLL., 1860

Im Jahre 2010 siedelten sich keine Hornissen in dem weiterhin ungenutzten Kamin an, so dass auch kein Velleius mehr zu finden war.


                                                          Danksagung:

Der Verfasser dankt Herrn Josef Grote für die Unterstützung beim Fang und die Biotopaufnahme, dem Vereinskollegen Friedhelm Bahr für die Aufnahme vom Velleius und dem Vereinskollegen Dr .Klaus Renner für das Bestimmen der Nestbewohner.


                                                               Literatur:

HORION, Ad. (1965)  -  Faunistik der mitteleuropäischen Käfer Bd.X, 2.Teil Paederini bis Staphylininae

LOHSE, G.A. (1963)  -   23.Familie Staphylinidae in Freude/Harde/Lohse Die Käfer Mittel-Europas Bd.4

KUTZSCHER,Ch. (2009)  -  Bemerkenswertes zum Hornissenkäfer Velleius dilatatus, unter www.hornissenschutz.de, Stand 27.6.2009  (= gekürzter Auszug aus „Entomologische Nachrichten und Berichte“,38, 1994/1)

R. zur STRASSEN (1957)  -  Zur Ökologie des Velleius dilatatus FABRICIUS, eines  als Raumgast bei Vespa crabro LINNAEUS lebenden Staphyliniden (Ins., Col.), Z. Morph. Ökol. Tiere 46, 243-292.              



Anschrift des Verfassers:

Hans-Joachim Grunwald
Zum alten Brunnen 58
59823 Arnsberg