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Coleo |
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10-16 |
2009 |
ISSN 1616-3281 |
Exkursion in die Naturwaldzelle „Hellerberg“ im Arnsberger Wald
am 21. April 2007
von H.-J.Grunwald, Arnsberg
eingegangen: 15.10.2009
im WWW publiziert am 24. April 2010
In meinem Vortrag über die Naturwaldzelle (NWZ) „Hellerberg“ anlässlich unserer Jahreshauptversammlung 2006 in der Urdenbacher Kämpe hatte ich mit Dias, Plänen und einigen Käfern das Untersuchungsgebiet vorgestellt; geendet hatte ich mit der Einladung zur Coleo-Exkursion am 21.April 2007.
Wie geplant, trafen wir uns zwischen Arnsberg-Breitenbruch und Neuhaus/St. Meinolf auf dem Parkplatz Kreuzeiche (313 m über NN), dem idealen Ausgangspunkt zur Erschließung der NWZ Nr.18. Begrüßen konnte ich folgende Vereinskameraden:
Dr. Günter G. Hoffmann
David G. Hoffmann
Franz Mehring
Dr. Andreas Müller
Klaas Reißmann
Heinz Röwekamp
Siegmund Scharf
Leider hatten sich wegen Erkrankung die Kollegen Wilfried Meyer, Markus Meyer, Dr. Peter Stüben und Edmund Wenzel abgemeldet.

Abb. 1: Die Karte des Untersuchungsgebietes am Parkplatz (Foto: G. G. Hoffmann)

Abb. 2:
Besprechung der Expeditionsteilnehmer (Foto: G. G. Hoffmann)

Abb. 3:
Besprechung der Expeditionsteilnehmer (Foto: G. G. Hoffmann)

Abb. 4: Aufbruch zur subtilen Jagd
(Foto: G. G. Hoffmann)
Zunächst erläuterte ich kurz die geplante Exkursionsroute. Die zu bewältigenden Strecken und Höhen erschreckten niemanden, denn die NWZ ist nur ca.100 ha groß und kann mit einem schräg gestellten Plateau mit Höhenlagen von 260 m über NN –südwestliche Ausrichtung- bis 350 m über NN –nordöstliche Ausrichtung- verglichen werden. So war ein gemütliches Spazieren angesagt und kein mühseliges Kraxeln.
Um 11.30 Uhr ging es bei herrlichem Sonnenschein und Temperaturen um 20 Grad auf dem sog. „Schlickmannsweg“ bergauf ins Gebiet, auch wenn dem einen oder anderen die Trennung vom Parkplatz und den dort gegebenen Siebemöglichkeiten schwer fiel. Aber die Ankündigung interessanterer Biotope riss dann auch den letzten Coleaner los.

Abb. 5: Erste Funde gelangen F. Mehring schon am Parkplatz (Foto: G. G. Hoffmann)

Abb. 6:
Buchen im Untersuchungsgebiet (Foto: G. G. Hoffmann)

Abb. 7:
Weitere Biotopaufnahme des Untersuchungsgebietes (Foto: G. G. Hoffmann)

Abb. 8:
Interessante Funde im Gesiebe (Foto: H.-J. Grunwald)
Ca. 100 m nach der Wegschranke war auf der freiliegenden Fläche, auf der „Kyrill“ etliche Nadelbäume umgelegt hatte, bereits Cicindela campestris auf emsiger Jagd nach Fliegen zu beobachten. Das warme Wetter hatte diesen hübschen Sandlaufkäfer schon recht früh im Jahr hervorgelockt. Beim Käschern hatte jeder alsbald den Rhynchaenus fagi, der in den Buchenwäldern des Sauerlandes heimisch und ganzjährig als haüfigster Rüsselkäfer zu finden ist, erbeutet.
Vorherrschender Laubbaum in der NWZ ist mit etwa 20% Anteil die Buche; daneben gibt es einige solitär stehende Traubeneichen, die Roterle, die Birke und natürlich zum überwiegenden Anteil die Fichte, die als „Brotbaum“ der Forstwirtschaft im Sauerland bezeichnet wird.
Vom Weg ab ging es sodann quer durch einen wunderschönen ca.180-jährigen Buchenbestand mit Baumhöhen von um die 38 m. Zwar gibt es mit Ausnahme der immergrünen Stechpalme so gut wie keine Bodenvegetation, jedoch liegen hier etliche alte Stämme in verschiedenen Stadien des Zerfalls. Unter der Rinde war der flinke Laufkäfer Tachyta nana zu sehen, sowie die Schnellkäfer Ampedus sanguineus und Ampedus balteatus. Zahlreiche Bockkäferlarven bewiesen, dass es für das Auftreten dieser Familie noch zu früh im Jahr war.
Corticeus unicolor ist der häufigste Schwarzkäfer unter Rinde im Gebiet, leider waren keine weiteren Corticeus-Arten nachzuweisen. Im Totholz selbst war eine große Anzahl von Sinodendron cylindricum zu finden, der neben dem zweithäufigsten Platycerus caraboides und den seltneren Lucanus cervus und Dorcus parallelipipedus die Hirschkäferpopulation in der NWZ darstellt.
Klaas entdeckte in einem morschen Stubben ein Mäusenest, das wir auseinander genommen haben. Dabei erbeuteten wir trotz seines behänden Fluchtversuchs den Leptinus testaceus. Der „Mäusefloh“ ist ein Höhlenkäfer, der mikrokavernikol vorwiegend in Kleinsäugernestern lebt. Für den Arnsberger Wald ist dies ein bedeutender Fund, denn es liegen bislang keine anderen Meldungen aus dem Gebiet vor.

Abb. 9:
Leptinus testaceus (Foto: F. Bahr)

Abb. 10:
H. Röwekamp legt eine kurze Rast ein (Foto: G. G. Hoffmann)

Abb. 11:
Alte Eiche (Foto: G. G. Hoffmann)

Abb. 12:
Käfersuche am Windbruch (Foto: G. G. Hoffmann)
Schließlich erreichten wir den Erlenbruch. Diese Örtlichkeit ist eine der wenigen Feuchtstellen in unserem Gebiet. Erlen, Birken und mehrere alte Eichen stellen den Baumbestand dar. Die um die 300 Jahre alten Eichen sind alte „Hudeeichen“, unter denen früher Hirten ihre Schweine fressen lassen durften. Dank der nahrhaften Eicheln gab es so manch saftigen Schweinebraten.
Aber zurück zu den Käfern: Unter der größten Eiche hatte ich ein Jahr zuvor den Schnellkäfer Calambus bipustulatus gefunden, über den eine kurze Mitteilung erschienen ist (Grunwald 2007).
An diesem viel versprechenden Ort konnte nun jeder nach Belieben suchen. Gerade das Sieben war in diesem Biotop sehr ergiebig. An Laufkäfern fanden wir Bembidion mannerheimi in großer Anzahl, Pterostichus diligens, Pterostichus strenuus, Dyschirius globosus und Bradycellus harpalinus.
Direkt im Feuchten waren Anacaena globulus und Anacaena lutescens häufig. Auch Pselaphus heisei und Brachygluta fossulata wurden gesiebt.
Das Wetter war weiterhin prächtig, so dass sich einige müde Krieger in der herrlichen Frühjahrssonne von den Anstrengungen der Exkursion erholen konnten.
Nach etwa vier Stunden ging es zum Parkplatz zurück und dann gemeinsam mit dem Auto Richtung Breitenbruch. An dem Bächlein „Kleine Schmalenau“ wühlten wir noch ein bisschen im Schotter und konnten dabei u.a. Limnius perrisi, Limnius volckmari, Esolus angustatus und Hydraena reyi nachgewiesen.
Anschließend machten wir uns auf zu unserer „Coleomutter“ Michaela, die leckere Salate und Grillzeug vorbereitet hatte. Nach dem harten Einsatz im Gelände schmeckte es uns besonders gut, das alkoholfreie Weizenbier mundete köstlich und erfrischte die alten Knochen. Am frühen Abend wurde die gemütliche Runde aufgehoben, nicht ohne dass zuvor noch ein paar Schwarzkäfer aus der Sammlung des Verfassers erschachert werden durften.

Abb. 13: Gemütlicher Exkursionsausklang im Hause Grunwald (Foto: H.-J. Grunwald)

Abb. 14: Bücherschau (Foto: H.-J. Grunwald)
Alle Teilnehmer waren sich einig, dass auch in den Folgejahren zu unterschiedlichen Zeitpunkten Exkursionen zur vollständigen Erfassung der Lokalfauna durchgeführt werden sollen.
Eine genaue Liste der Tiere, die bis jetzt bestimmt worden sind, liegt mir vor und kann ggf. mitgeteilt werden. Für die Überlassung ihrer Daten danke ich den Teilnehmern Klaas Reißmann, Franz Mehring und Heinz Röwekamp. Meinem Stellvertreter Dr.Günter G. Hoffmann danke ich für die hervorragenden Fotos von der Exkursion, unserem Mitglied Friedhelm Bahr für die exzellenten Käferporträts.
Literatur:
Grunwald, H-J. (2007 ) - Calambus bipustulatus. Wiederfund eines seltenen Elateriden im Arnsberger Wald, Coleo 8, 29
Anschrift des Verfassers:
Hans-Joachim Grunwald
Zum alten Brunnen 58
59823 Arnsberg