Coleo

8

21-23

2007

ISSN 1616-3281

Bemerkenswerte Wiederfunde an Bockkäfern (Col., Cerambycidae)

für die Käferfauna der Nordeifel und des nördlichen Eifelvorlandes, Nordrhein-Westfalen

von

Wilfried Meyer und Marcus Meyer, Kreuzau

Mit 3 Abbildungen

Eingegangen: 17. September 2007
Im www publiziert am 25. Juni 2008

 

Kurzfassung: Es wird über bemerkenswerte Funde von  sieben Bockkäfer-Arten (Cerambycidae) der Nordeifel (südliches Nordrhein-Westfalen) berichtet.

Abstract: This paper lists remarkable records of seven species of  longhorn beetles (Cerambycidae) in the northern part of the Eifel (Northrhine Westphalia).

 

In den Jahren 2003 bis 2007 wurden von den Verfassern bei mehreren Exkursionen Bockkäferarten gefunden, die  in Baumann (1997) nur mit wenigen Nachweisen insgesamt oder nur mit wenigen Nachweisen in den letzten Jahrzehnten aufgelistet werden.

 

Cortodera humeralis  (Schall, 1783)

Nideggen-Zerkall, Kreis Düren, Umg. Papierfabrik Renker, 17. Mai 2006, 1 Ex. An Kleidung angeflogen, leg. Meyer.
Nach Baumann (1997) erreicht die Art Nordrhein-Westfalen sporadisch im Bergischen Land. Aus der Eifel datiert ein Fund von 1930.

 

Corymbia maculicornis (Schreber, 1759)

Blankenheim-Ripsdorf, Kreis Euskirchen, Lampertsbachtal Umg., 29. Mai 2003, 1 Ex., auf Kalkmagerrasen gekäschert, leg. Meyer.

Mechernich-Urfey, Kreis Euskirchen, Königsfeldertal, 09. Juni 2003, 1 Ex., auf Kalkmagerrasen gekäschert, leg. Meyer.
Nach Baumann (1997) sehr stark zunehmend.

 

Molorchus umbellatarum (De Geer, 1775)

Zülpich-Juntersdorf, Neffelbachaue, Kreis Euskirchen, 17. Juni 2004, 1 Ex. von Crataegus gekäschert, leg. Meyer.
Mechernich-Eicks, Eickser Busch, Kreis Euskirchen, 30. Juni 2004, 1 Ex. auf Obststreuwiesen gekäschert, leg. Meyer.

Nach Baumann (1997) nimmt die Häufigkeit sehr stark zu, eine Ausbreitungstendenz nach Norden ist anzunehmen.

 

Lamia textor  (L., 1758)

Kreuzau-Drove, Kreis Düren, Drover Heide, 13. Juli 2007, 1 Ex. auf  Feldweg herumlaufend, leg. Meyer, t. Scharf.

Vettweiß-Soller, Kreis Düren, Drover Heide, 02. September 2007, 1 Ex. auf  Weg herumlaufend, leg. Meyer.





Fig. 1: Lamia textor am ersten Fundort (Foto: S. Scharf)

 

Bei einer gemeinsamen Ortsbesichtigung des Naturschutz- und FFH-Gebiets Drover Heide mit S. Scharf fanden wir ein männliches Exemplar auf einem Weg herumlaufend. Nach Niehuis (2001) entwickeln sich die Tiere „... im Holz der unteren Stammteile und in den Wurzeln lebender Salix und Populus tremula...“.

 

 

Fig. 2: Fundort des ersten Ex. von Lamia textor (Foto: S. Scharf)

Die früher als Truppenübungsplatz genutzte Drover Heide im Kreis Düren besitzt neben großflächigen Heide- und Magerrasengebieten aufgrund des zum Teil stauenden Untergrundes zahlreiche Kleingewässer. Auf feuchtem Untergrund gibt es größere Vorkommen von Salix und Populus tremula, so auch in unmittelbarer Nähe des Fundortes, wo Weiden und Zitterpappeln in Ufernähe eines größeren periodischer Gewässers gedeihen. An diesen Gehölzen finden sich auch andere seltene Käfer wie Agrilus subauratus (Gebler, 1833).

Lamia textor (L., 1758) ist bei uns seit den Fünfziger-Jahren sehr selten geworden. Baumann (1997) nennt rezente Funde für Nordrhein nur noch aus den obersten Flussbereichen der Ahr und der Rur. Der neue Fundort kann ebenfalls dem Einzugsbereich der Rur zugerechnet werden, da Zuflüsse zur Rur im näheren Umkreis vorkommen.

Aus Westfalen wird der letzte gesicherte Fund von Münster/Schleuse (Haus Sosnitza), leg. Stöver 2.6.1965 gemeldet. (Zicklam & Terlutter, 1998)

In der gleichen Abhandlung wird berichtet, dass "ein Pilzkundler diesen .... Bock in den letzten Jahren wiederholt .... bei Haltern-Lavesum gesehen haben will."

 

Es wird darauf hingewiesen, dass Lamia textor meist erst in der Abenddämmerung bzw. den frühen Morgenstunden aufzufinden ist.

Unsere beiden Funde fallen in die Zeit vom späten Nachmittag bis frühen Abend.

 

Der nächste mir bekannte Fund aus Rheinland-Pfalz stammt vom Moosbrucher Weiher, Kreis Daun (10. Juni 1993, leg. Matern, mündl. Mitteilung).

 

Erstaunlich bei dieser Seltenheit der Art in Nordrhein-Westfalen war daher für uns der zweite Fund in der Drover Heide, etwa 1,5 km östlich des obengenannten. Auch hier trafen wir den Käfer, diesmal ein Weibchen,  auf einem unbefestigten Weg an, der auf der einen Seite von Eichenwald, auf der anderen von Weidengebüsch und älteren Zitterpappeln gesäumt ist.




Fig. 3: Fundort des zweiten Ex. von Lamia textor (Foto: W. Meyer)



Agapanthia violacea  (F., 1775)

Mechernich-Urfey, Kreis Euskirchen, Königsfeldertal, 09. Juni 2003, 1 Ex., auf Kalkmagerrasen gekäschert, leg. Meyer.

 

Agapanthia pannonica  Kratochvil, 1986

Mechernich-Eicks, Kreis Euskirchen, An den Weingartener Höfen, 10. Juli 2006, 1 Ex., auf Kalkmagerrasen gekäschert, leg. Meyer.

 

Phytoecia cylindrica  (L., 1758)

Hellenthal-Udenbreth, Kreis Euskirchen, Ginsterberg, 5. Juni 2006, 1 Ex., 1 Ex. auf Meum athamanticum (Bärwurz), leg. Meyer. Nach Baumann (1997) entwickelt sich die Art bei uns in Chaerophyllum, Heracleum und Anthriscus. Mit Meum kommt also wahrscheinlich eine weitere Gattung der Apiaceae hinzu.

 

Literatur

 

Baumann  (1997): Die Bockkäfer (Coleoptera, Cerambycidae) des nördlichen Rheinlands. Decheniana Beihefte (Bonn) 36, 13-140.

Niehuis (2001): Die Bockkäfer in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Landau: Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e.V. (GNOR), 2001.

Zicklam & Terlutter (1998): Coleoptera Westfalica, Familia Cerambycidae (Nachtrag).

            Abh. aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, 60. Jahrgang, Heft 3.

 

Anschrift der Verfasser:

 

Marcus Meyer und Wilfried Meyer

Hahnsweide 46

52372 Kreuzau