Coleo

8

16-20

2007

ISSN 1616-3281


Calambus bipustulatus (Linné 1767)

 

Wiederfund eines seltenen Elateriden im Arnsberger Wald
(Coleoptera, Elateridae)


Hans-Joachim Grunwald, Arnsberg

eingegangen:  19. September 2007

im www publiziert am 23. Juni 2008


 

 

 

Zusammenfassung: Nach über einhundert Jahren wurde der Käfer im Arnsberger Wald in der Naturwaldzelle „Hellerberg“ wiedergefunden, was gleichzeitig als aktuellster Fund in Westfalen anzusehen ist.

 

Abstract: After more than one hundred years the beetle was found again in the Arnsberger Wald, NaturwaldzelleHellerberg”.

 

 

 

 Calambus bipustulatus (L.) ist ein durch seine Flügeldeckenzeichnung und geringe Größe leicht zu erkennender Elateride. Die Nominatform hat auf den glänzenden schwarzen Flügeldecken einen rotgelben Schulterfleck bei einer Gesamtkörpergröße von bis zu 9 mm.

 

 

 

 

Bild 1: Der gefangene Käfer – (Foto: Friedhelm Bahr)


Nach LOHSE (1979) ist das Tier von Russland über Mitteleuropa und die im Norden und Süden angrenzenden Gebiete bis zu den Pyrenäen verbreitet. In M.E. soll Calambus wohl überall, aber nur stellenweise und selten zu finden sein. Diese Angaben bestätigt KROKER (1980), der fast ausschließlich ältere Funde für  das Süderbergland, den südlichsten Teil Westfalens, angibt. So benennt er für Arnsberg nur einen Fund (von Varendorff leg., Westhoff 1882) und ähnlich alte Funde für Elberfeld, Witten und Hilchenbach. Ein aktuellerer Fund wird aus Imhausen/Sieg  angeführt (Apfel leg.1948, Koch 1968). Unser Vereinsmitglied Heinz Röwekamp hat am 4.12.1993 ein Exemplar aus einem Holz-/Laubgemisch in Ennigerloh – Bröckerholz – gesiebt.

 

Dem Verfasser gelang der Wiederfund des Calambus im Rahmen einer andauernden Untersuchung der Naturwaldzelle „Hellerberg“, die südlich des Möhnesees bei Arnsberg-Breitenbruch im Arnsberger Wald liegt. Die Naturwaldzelle mit einer Höhenlage zwischen 250 m und 350 m über NN enthält auf etwa 100 ha Gesamtfläche etwa 20 % Laubbäume (Buchen, Eichen und Birken), ansonsten Fichtenbestände.

 

 

 

                                      

 

Bild 2: Typisches Waldbild in der Naturwaldzelle (Foto: Günter G. Hoffmann)


Nach LOHSE(1979) findet man den Käfer, dessen Larve carnivor in den Ästen von Laubhölzern (besonders Linde, Eiche, selten Ulme, Esche, Obstbäume) als Verfolger anderer Insektenlarven lebt, bis Mai im Holz, später unter Rinden, auf Gebüsch und sogar in der Bodenstreu. Diese Angaben werden durch die Fundumstände bestätigt: Der Verfasser  hat das Tier am 5. Juni 2006 unter einer alten freistehenden Eiche

 

 

                                           

 

Bild 3: Der konkrete Fundort (Foto: Günter G. Hoffmann)

 

gefunden, als er einen am Boden liegenden,  heruntergebrochenen Ast dieses Baumes mit einem Handfeger abfegte. Ein weiteres Tier aus diesem Gebiet konnte bislang allerdings noch nicht nachgewiesen werden, obwohl das Gebiet weiterhin intensiv untersucht wird. Es ist aber zu vermuten, dass in dieser Naturwaldzelle, einem“ Urwald von morgen“, bei einem naturbelassenen alten Eichenbestand der Calambus „seinen“ adäquaten Lebensraum gefunden hat.

 

Danksagung: Der Verfasser dankt Herrn Edmund Wenzel, Radevormwald, für  den Anstoß zu dieser Mitteilung und für die kritische Durchsicht des Manuskripts, Herrn Friedhelm Bahr, Viersen, für die Aufnahme vom Käfer und Günter G. Hoffmann, Oberhausen, für die Habitatfotos.

 


Literatur:

 

KOCH, K. (1968) – Käferfauna der Rheinprovinz –Decheniana Beiheft 13

 

KROKER, H. (1980) – Coleoptera Westfalica. Fam. Elateridae in : Abhandlungen aus dem Landesmuseum für Naturkunde zu Münster  in Westfalen, 42.Jahrgang, Heft 3

 

LOHSE, G.A. (1979) – 34. Fam. Elateridae in: Freude, Harde, Lohse – Die Käfer Mitteleuropas Band 6

 

WESTHOFF, F. (1882) – Die Käfer Westfalens – Verh.naturhist. Ver. Preuß. Rheinl. Westf. Suppl. 38


Anschrift des Verfassers:

Hans-Joachim Grunwald
Z
um alten Brunnen 58
59823
Arnsberg