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Coleo
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6
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65-70
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2005
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ISSN 1616-3281
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Die diesjährige Hauptexkursion
von COLEO führte in ausgewählte Landschaften der Südpfalz. Planung und
Durchführung dieser mehrtägigen Exkursion lag in den Händen von Dr. Hannes Günther und Dr. Udo Koschwitz. Beiden sei auch an dieser Stelle für die in jeder Hinsicht erfolgreich verlaufende Exkursion herzlich gedankt.
Die Anreise nach Eppenbrunn ‑
in der Nähe von Pirmasens ‑ erfolgte am Donnerstag, bei herrlichstem Sommerwetter. Ganz im Gegensatz zu vorjährigen Exkursionen hielt dieses Mal das sonnige Wetter während der gesamten Zeit an und beschied uns bei strahlend blauem Himmel hochsommerliche Tagestemperaturen.
Im Verlaufe des Nachmitages
komplettierte sich die Gruppe. Teilnehmer dieses Exkursionswochenendes waren:
Dr. Günter Georg Hoffmann mit
Frau Heike und Sohn David; Hans‑Joachim
Grunwald mit Frau Michaela; Dr.
Hannes Günther mit Frau Christel;
Franz Mehring; Dr. Klaus Renner, Siegmund Scharf und Edmund Wenzel mit Frau Editha.
Als Gäste konnten wir begrüßen:
Erich Bettag, Dr. Manfred Person und Dr. Udo Koschwitz.
Da die Nachmittagstemperaturen
sich bei über 30°C einpendelten war der mehrheitliche Wunsch groß, nach der
strapaziösen Anreise nicht noch ins Gelände gehen zu wollen. Verstärkt wurde
dieses Bedürfnis auch durch den Umstand, dass uns der Hausherr zu einem kühlen
Gläschen Nahewein als Begrüßungstrunk einlud. Im Schatten der Bäume genossen
wir diesen Schluck sehr, und die Entscheidung war gefallen ‑ heute wird
im Gelände nicht mehr gesammelt. Doch trotz der mediterranen Temperaturen
ließen es sich zwei Kollegen nicht nehmen, über viele Stunden die Käferfauna
eines nahegelegenen Trockenhanges zu erkunden. Ihre Ausbeute war, dem
Arbeitseinsatz entsprechend, recht beachtlich.
Nach einem guten Abendessen in
einer nahegelegenen typisch pfälzischen Gaststätte nutzte man die kühlen
Abendstunden zur Vertiefung persönlicher Kontakte und interessanter Gespräche.
Bei angenehmen Nachttemperaturen von über 20 Grad genoß man die Abend‑
und Nachtstunden.
Für den Freitag war eine
ganztägige Exkursion in das nahegelegene NSG Wolfskuhlen bei Glashütte im
Dahner Hügelland vorgesehen. Das weiträumige Tal ist charakterisiert durch ein
vielfältiges Biotopmosaik. Nadelwälder, Laubwälder, Felspartien, Sümpfe und ein
größeres Moorgebiet wechseln sich ab und boten vielfältige Möglichkeiten für
coleopterologische Untersuchungen. Und so war die Sammelaktivität auch
entsprechend groß.

Foto 1: Ein reichgegliedertes
Biotopmosaik charakterisiert dieses Tal (Foto: E. Wenzel)

Foto 2: Mit Engagement untersuchte man
die unterschiedlichsten Habitate (Foto: E. Wenzel)
Doch mit dem Anstieg der
Temperatur auf 33° C und der Abnahme der Wasservorräte sank der Sammelenthusiasmus doch merklich und die Pausen an schattigen Plätzen wurden länger. Zum Glück fand man am frühen Nachmittag ein Quellbächlein. Dessen sauberes und wunderbar schmeckendes Wasser belebte die ermüdeten Körper. So kehrten die Lebensgeister rasch wieder zurück und aktivierten die Sammeltätigkeit auf´s Neue.
Neben einer Vielzahl
interessanter Arten war das Highlight des Tages der Nachweis von Menesia bipunctata.
Dieser Bockkäfer ist bisher nur von wenigen Stellen aus dem Oberrheingraben /
Südpfalz bekannt ( Niehuis 2001).
Bei Glashütte im Dahner Hügelland konnte die sehr seltene Cerambycide in 18
Exemplaren von Faulbaumruten (Rhamnus frangula) am Rande eines Moores
geklopft werden. Bemerkenswert war ihr Aufenthaltsort. Die Tiere hielten sich
vornehmlich auf verkrüppelten Rhamnus‑Pflanzen von rund 2 Meter
Höhe auf. Die Sträucher wiesen einen ungewöhnlichen, rutenartigen Wuchs ohne
viele Verzweigungen auf. Von normal entwickelten Rhamnus‑Sträuchern,
die nur wenige Meter entfernt standen, konnte die Art hingegen nicht geklopft
werden.

Foto 3: Menesia bipunctata, ein charakteristischer
Bockkäfer feuchter Biotope, lebt nahezu monophag auf Rhamnus (Foto: P. E. Stüben)
Trotz dieses motivierenden Fundes
forderte der heiße Tag seinen Tribut. Je später der Nachmittag wurde, desto
stärker erlahmte infolge der Temperaturlage auch die Sammeltätigkeit. Und so
beschloß die Gruppe gegen 17 Uhr, das schweißtreibende Klopfen und Keschern zu
beenden und sich auf den Heimweg zu begeben.
In Eppenbrunn zurückgekehrt,
sorgte ein wassertherapeutisches Aufbauprogrammm ‑ sprich: ausgiebiges
Duschen ‑ dafür, die erschlafften Körper wieder top fit zu machen. So war
man für den anstehenden Grillabend physisch und psychisch bestens gerüstet.
Es erwartete uns ein echt
pfälzischer Grillaben mit Spezialitäten vom Schwenkgrill. Nachdem aus
Holzscheiten die Glut gemacht war, konnten wir mit dem Brutzeln beginnen. Udo
Koschwitz hatte nicht nur leckere Grilladen besorgt, sondern auch mit Salaten,
Broten und feinen Beilagen dafür gesorgt, dass es uns lukulisch an Nichts
mangelte. So brauchten wir uns in der langsam kühler werdenden Abendzeit nur
noch an die gedeckte Tafel zu setzten und die Köstlichkeiten zu genießen.
Da auch die Abend‑ und
Nachttemperaturen im Indifferentbereich lagen, wurde es in dieser Freitagnacht
sehr spät. Es wurde viel gefachsimpelt, diskutiert coleopterologisches
Fachwissen ausgetauscht. Und der Hahn krähte schon fast, bevor auch die letzten
tapferen Nachtrecken den Weg ins Bett fanden ‑ es war wieder einmal ein
richtiger COLEO‑Abend.

Foto 4: Warten auf die Grilladen: G. G. Hoffmann, K. Renner, U. Koschwitz (Foto: E. Wenzel)
Trotz der sehr kurzen Nacht versammelten sich alle Teilnehmer am nächsten Morgen pünktlich um 7, 30 Uhr zum gemeinsamen Frühstück. Schließlich wollten wir an diesem Tag in den Bienwald. Da man für die reine Anfahrt über eine Stunde Zeit veranschlagte, und ein Zwischenstop in einem Moor kurzfristig eingeplant wurde, akzeptierten alle Teilnehmer den sehr frühzeitigen Frühstückstermin Teilnehmern. So war es auch möglich, die noch kühleren Vormittagsstunden zum Sammeln zu nutzen.
Die am Vortage im NSG Wolfkuhlen
bei Glashütte getätigten Menesia‑Funde reizten, diese Art auch in
anderen Moorgebieten in der Südpfalz festzustellen ‑ solch eine
Gelegenheit ergibt sich nicht häufig. Also wurde auf der Anfahrt in den
Bienwald ein Moor bei Scheidt angesteuert und eine intensive Suche setzte ein.
Und auch dieses Mal ergaben sich wieder völlig neue Erfahrungen. Von kleineren Rhamnus‑Sträuchern,
wie am Vortage (bis 2 Meter Höhe), konnte nicht ein Exemplar von des Bockkäfers
geklopft werden. Hingegen wurde von mehrmeterhohen Rhamnus‑Sträuchern
am Rande des Moores insgesamt 12 Exemplare abgeklopft. Schon diese Nachweise
waren ein voller Erfolg für diesen Tag, doch das eigentliche Hauptprogramm
stand ja noch bevor ‑ verschiedene Biotope im Bienwald.
Im Verlaufe des Tages standen ein
Eichenmischwald, ein Kiefernbestand, ein mooriger, absterbender Kiefernforst
und ein Eichen‑Sumpf‑Wald auf dem Exkursionsprogramm. Die Quecksilbersäule stieg an diesem Tag auf 34° C . Trotzdem wurde geklopft, gesiebt und gekeschert.

Foto 5: Bei hochsommerlichen Temperaturen
kann Käfersuche recht anstrengend werden (Foto: E. Wenzel)
Doch gegen 17 Uhr war auch an diesem Tage die Sammelenergie verpufft und man traf sich mehr oder weniger geschafft am ausgemachten Treffpunkt.
Um den Tag nicht nur
koleopterologisch genutzt zu haben, beschloss die Gruppe, ein kleines
Kulturprogramm anzuhängen. So erfolgte die Abreise aus dem Bienwald nicht
direkt in Richtung Eppenbrunn, sondern in Richtung Frankreich. Ziel war das
Städtchen Wissenbourg. Herrliche, alte Bürgerhäuser, kleine Gassen und
großzügige Parkanlagen gestalten das Bild dieser Stadt. Und, obwohl nur wenige
Kilometer von der Grenze entfernt, erlebte man das so typisch französische
sovoir‑vivre. Parkanlagen, die angefüllt waren mit sich erholenden Menschen, Brunnen, die überquollen von kleinen Nackedeis, die das kühle Naß genossen und Straßencafés, die zum Ausspannen einfach einluden.
Die Rückfahrt nach Eppenbrunn
führte über eine landschaftlich abwechslungsreiche Strecke. Zuerst ging es
durch das Tal der Lauter und anschließend durch das Saarbachtal. Schon im Vorbeifahren erkannte man, hier
tuen sich lohnende Exkursionsziele für die kommenden Jahre auf.
Nach Refreshingmaßnahmen in
Eppenbrunn versammelte man sich zum gemeinsamen Abendessen. Da vom Vortage noch
sehr viele Grilladen und andere Speisen auf ihren Verzehr warteten, ersparte
man sich den Weg ins Gasthaus und vertilgte die vorhandenen Reste in
gemütlicher Runde. Auch dieser Abend wurde für viele persönliche und
fachspezifische Gespräche genutzt. Und war es nicht verwunderlich, dass es auch
an diesem Abend recht spät wurde ‑ der Wettergott meinte es einfach sehr
gut mit uns.
Für den Sonntag stand ein
weiterer pfälzischer Höhepunkt auf dem Programm ‑ ein Besuch der Speyerer Dünen. Nach dem gemeinsamen Frühstück und der Räumung der hervorragend ausgestatteten Appartements, ging die Fahrt in Richtung Speyer. Nach knapp einstündiger Fahrt erreichten wir Dudenhofen bei Speyer.
Bevor es in die Dünen von Speyer
ging, statteten wir dem Atelier von Erich Bettag
noch einen Besuch ab. Gleichzeitig stieß auch M. Persohn zur Gruppe hinzu, um uns an diesem Vormittag zu
begleiten und wertvolle Informationen zu geben. Erich Bettag, nicht nur ein weithin bekannter Koleopterologe,
sondern auch ein begnadeter Künstler, zeigte uns, was er aus Wurzeln,
verkrüppelten Stämmen oder knorrigen Ästen herausholen kann. Körper, Figuren,
die Eins sind mit der Maserung des Holzes oder aus ihr erwachsen, abstrakte
Formen, die nur von der durch die Natur vorgegebenen Form existieren oder auch
ganz einfach streichelzarte Kätzchen. Die Vielgestaltigkeit seiner Arbeit war
schon sehr beeindruckend und ein Gang durch seine Werkstatt ein Erlebnis.
Nach diesem kulturellen
Zwischenstop ging es dann zu den Speyerer Dünen. Doch bevor wir sie erkunden
konnten, erhielten wir von E. Bettag noch vielfältige Informationen. Mittels Bohrkernanalysen stellte er uns die geologische Beschaffenheit des Gebietes vor; machte auch andererseits mit einem Insektenkasten seltener Käfer, die er im Verlaufe zweier Jahrzehnte in den Speyerer Dünen nachweisen konnte, Appetit auf eine Exkursion in dieses Gebiet.
War auch die Landschaft sehr
interessant, so hielten sich die Funde an diesem Sonntagvormittag doch in recht
überschaubaren Grenzen. In der heißen Mittagszeit zogen es viele Käfer vor,
sich vor der Wärme zu verstecken, so dass unser Sammelergebnis anfänglich recht
bescheiden ausfiel. Schon auf dem Rückweg begriffen kamen wir an einigen
Blätterpilzen vorbei. Und so ganz nebenbei bemerkte E. Bettag, dass er in diesen Pilzen regelmäßig Scaphidium
immaculatum nachgewiesen habe. Sofort wurden die wenigen Fruchtkörper
zerteilt ‑ und tatsächlich, drei Exemplare dieser seltenen Scaphidide (oder auch Staphlinide, so wie jeder mag) konnte aus dem Pilz herausgeholt werden. Ein allseits befriedigender Abschluß der Begehung der Speyerer Dünen.

Foto 6: Scaphidium immaculatum
(Foto: P. E. Stüben)
Da der Magen seinen Tribut
forderte, entschloß sich die Gruppe, im nahegelegenen Restaurant noch ein
gemeinsames Mittagessen einzunehmen. Und auch hier lernte man wieder eine
typische Pfälzer Spezialität kennen, den "schiefen Sack" ‑ eine
Wurst mit einem Knödel und Kraut, und das Ganze entsprechend drapiert! Die Zeit
verging mit angeregten Gesprächen wie im Fluge, und man erlebte pfälzische
Gastfreundschaft.
Gegen 15 Uhr endete die
diesjährige COLEO‑ Exkursion in die Pfalz. Zieht man das Resümee dieser vier Tage, kann festgestellt werden: es wurde ein abwechslungsreiches Exkursionsprogramm geboten, wir waren in Eppenbrunn hervorragend untergebracht, die zwischenmenschlichen Kontakte wurden auf vielfältige Weise intensiviert, das Wetter spielte mit und es waren einfach ‑ vier schöne Tage!
Literatur
Niehuis, M. 2001: Die Bockkäfer
in Rheinland‑Pfalz und im Saarland, GNOR, Beiheft 26, Schriftenreihe
"Fauna und Flora in Rheinland‑Pfalz", p 1 ‑ 604
Verfasser:
Edmund Wenzel
Mühlenstraße 8
42477 Radevormwald
e‑mail: Wenzel‑Radevormwald@t‑online.de
Anhang:
Fundliste Pfalz