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Coleo |
5 |
10-17 |
2004 |
ISSN 1616-3281 |
Käferbeobachtungen
an einem Ulmenhochstubben in Zentralsachsen (Col. div.)
Ringo Dietze, Käbschütztal
eingegangen: 18. August 2004
im WWW publiziert am: 22. September 2004
Abstract
The saproxylic beetles observed on an solitary Ulmus in Central Saxony are presented. Furthermore some notices concerning the biology and ecology are given.
Zusammenfassung
Die Fauna xylobionter Käfer eines in Zentralsachsen
stehenden Ulmenstubbens wird vorgestellt. Bemerkungen zur Lebensweise einzelner
Arten werden angeführt.
Einleitung
Auf dem Grundstück meines Elternhauses in Stroischen (Lkr. Meißen, Sachsen) steht ein etwa 170-jähriger Hochstubben einer Ulme (Abb. 1), der auf die ihn beherbergende Käferfauna entsprechend gut untersucht wurde. Der Ort liegt unweit des thermisch begünstigten Elbtals inmitten der wegen der sehr guten Böden landwirtschaftlich intensiv genutzten Lommatzscher Pflege. Baumbestände beschränken sich hier in erster Linie auf für die agrarische Bewirtschaftung schwer zugängliche Feldgehölze, auf die zwischen den Schlägen angelegten Windschutzstreifen, die innerhalb der Ortschaften verbliebenen Baumbestände und die Straßen säumende Gehölzreihen. Der Hochstubben ist seinerseits die einzige im Umkreis von mindestens einem Kilometer vorkommende Ulme.
Abb. 1:
Ulmenhochstuben auf dem Grundstück des Gehöftes Stroischen Nr. 1. Rechts sind
Teile des Stockausschlages zu sehen. (Aufnahme vom 27.07.2004)
Der rindenfreie, etwa sechs Meter hohe Stubben hat einen
Brusthöhenumfang von vier Metern. Am Fuße befindet sich mehrjähriger
Stockausschlag, der aber kaum älter als drei bis vier Jahre wird. Diese Ulme
eignet sich nach Ansicht des Verfassers für Aussagen zu an einem einzelnen
Stubben vorkommenden Käferarten deshalb in besonderer Weise, weil die nähere
Umgebung, abgesehen vom Gebälk der umliegenden Gehöfte oder dem eingelagertem
Brennholz, keine Elemente massiven Totholzes aufzuweisen hat. Somit lässt sich
in grober Näherung davon ausgehen, sieht man einmal von eventuellen
Fluktuationen aus weiter entfernten Habitaten ab, dass die hier beobachteten
xylobionten Arten an/in der Ulme gleichfalls ihre Entwicklungsstätte haben.
Der Baum wird fast wöchentlich von mir unter die Lupe genommen und die Beobachtungen der an/in ihm lebenden holzbewohnenden Coleopteren werden ausführlich dokumentiert. Angeführt werden hier nur Nachweise, die entweder wiederholt gelangen und bei denen es sich demnach mit größter Wahrscheinlichkeit nicht um „verflogene“ Exemplare handeln sollte und zum anderen jene, deren Fundumstände eine zweifelsfreie Zuordnung des Baumes als Brutholz zulassen. Unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten (auffallende Baumarmut der näheren Umgebung und gänzliches Fehlen benachbarter älterer, urständiger Laubwaldformationen) wird in Anbetracht der Zahl der im folgenden aufgeführten, zum großen Teil in Deutschland mehr oder weniger stark gefährdeten Arten deutlich, welch reiche Fauna sich auf geringstem Raume halten kann und inwiefern die Intensität der Untersuchung einzelner Standorte das festgestellte Artenspektrum förmlich zu strecken scheint.
Die hier genannten Funde wurden vom Autor erbracht; auf die Mitnahme von Belegexemplaren wurde, abgesehen von den zur Zucht eingetragenen Larvenständen, weitestgehend verzichtet.
Der unverkennbare Teretrius
fabricii Mazur, 1972 tritt in
einer geschätzten jährlichen Population von 20-50 Käfern an der Ulme auf. Die
Beobachtungen gelangen alljährlich zwischen Mitte März und Anfang Juli mit einem
deutlichen Maximum im April, also noch vor Schlupf des Anobiiden Ptilinus
pectinicornis (Linnaeus,
1758). Tageszeitlich lassen sich in der Aktivität kaum Spitzen ausmachen:
sowohl des nachts als auch am Tage laufen die Histeriden behände umher.
Im Mai des Jahres 2004 konnte offensichtlich
Eiablageverhalten beobachtet werden (Abb. 2): die sich ob der mit Eiern
gefüllten Hinterleiber zeigenden Weibchen patrouillierten in dieser Zeit an mit
älteren Schlupflöchern übersäten Stellen im unteren Stammbereich und
verschwanden immer wieder für eine Zeit lang in den Gängen der Anobiiden.
Die Angaben in der Literatur (u.a.
Koch 1989) zur corticolen
Lebensweise des Teretrius fabricii können wohl nicht aufrecht erhalten werden: neben den Beobachtungen an diesem Ulmenstuben sprechen auch die Ergebnisse von Aufsammlungen des Autors an Acer, Carpinus und Aesculus im Stadtgebiet von Halle/S. (Sachsen-Anhalt) gegen ein Leben dieses Histeriden unter Borke. Ich fand das Tier jedenfalls nie an berindeten Stämmen.

Abb. 2: Weibchen
des Teretrius fabricii bei der Inspektion verlassener Bohrlöcher von Ptilinus
pectinicornis (Aufnahme vom 17.05.2004)
Der Nashornkäfer Oryctes nasicornis (Linnaeus, 1758) hat bekanntlich die
Nähe des Menschen für sich entdeckt und allem Anscheine nach seine
Entwicklungsstätte heute fast ausschließlich in Haufen aus
Holzresten/-verschnitt (Lohe!) oder in Kompost. „Echte“ Freilandfunde dieses
prächtigen Tieres außerhalb der Gärten und Kompostierungsanlagen in
Mitteleuropa dürften kaum noch vorliegen.
Im weißfaulen Holz der Stammbasis des Ulmenstubbens fand ich
am 12.06.1999 acht große Larven, deren Artzugehörigkeit durch Zucht belegt
werden konnte. Neben einigen Lichtanflügen am 01.07. und 04.08.2001 an der etwa
50 Meter entfernten Beleuchtung des Gehöftes konnte am 03.07.1999 gegen 01.00
Uhr auch die einzige bisher von mir am Stubben beobachtete Imago registriert
werden.
Aus den Reihen der entomophagen
Käfer wurden in den letzten zehn Jahren auch drei Cleriden am Stubben
beobachtet. Die kürzeste Erscheinungszeit hat hier Tillus elongatus (Linnaeus, 1758). Das Tier tritt alljährlich für etwa 20 Tage im Mai/Juni auf (Abb. 7). Mit etwa 10-15 Individuen fällt die Besiedlungsdichte des Baumes im Vergleich zum massenhaften Auftreten des Ptilinus pectinicornis, der wohl einer der
Wegbereiter für die Larven des Tillus (Köhler
1996) ist, recht gering aus. Erst in den letzten beiden Jahren wurden auch
männliche Tiere am Stamm beobachtet, im Juni 2004 derer sechs. Die Männchen
sind weit aktiver als die oft längere Zeit bewegungslos verharrenden Weibchen
und erscheinen wie die weiblichen Käfer am Tage im unteren Bereich des
rindenfreien Hochstubbens. Die Zeit der größten Aktivität des Tillus
fällt an dieser Ulme in die späten Nachmittagsstunden; Beobachtungen in der
Nacht gelangen hier bislang nicht.
Nach Einbruch der Dämmerung und besonders in den Stunden vor
und nach Mitternacht lässt sich Opilo
mollis (Linnaeus, 1758) am
Stamm blicken (Abb. 3). Die Größe der Population dürfte in etwa der des Tillus
entsprechen. Die Imagines sind besonders zwischen Mitte April und Ende Mai
aktiv, treten vereinzelt aber noch bis in den Juli hinein auf. Im Juni und Juli
2004 wurden am Tage auch Larven im unteren Stammbereich beobachtet. Ein Pärchen in
Kopula war am 31.05.2004 auszumachen.

Abb. 3: Opilo
mollis bei der nächtlichen Jagd im unteren Stammbereich (Aufnahme vom
02.05.2004)
Entgegen den Erwartungen, die aus der metallischen Färbung erwachsen (welche wegen der nur unter Einfluss von Licht wirksam werdenden Farbentstehung wohl nur bei tagaktiven Formen anzutreffen ist), konnte Korynetes
ruficornis Sturm, 1837
wiederholt auch in der Nacht am Stamm laufend beobachtet werden. Die Art
scheint in der größten Individuendichte der drei festgestellten Cleriden
vorzukommen; eine jährliche Population von weit über 50 Käfern sollte nicht zu
hoch gegriffen sein. Die Imagines sind zwischen Mai und Juli am Stamm
anzutreffen; besonders agil und flugfreudig sind sie in den Mittagsstunden. Sie
fanden sich im Gegensatz zu Opilo und Tillus auch auf den
Ulmenschösslingen.
Im Mai und Juni treten die
Imagines des Stenomax aeneus (Scopoli, 1763) an der Ulme auf. Das
nachtaktive Tier ist vor allem in den oberen Regionen des Stammes zu
beobachten. Die auf dem Holz recht trägen Imagines wurden wiederholt auch am
Licht gefunden. Gleiches gilt für den vereinzelt am Stamm nachgewiesenen
Schwarzkäfer Neatus picipes (Herbst, 1797). Von Uloma culinaris (Linnaeus,
1758) gelang bislang nur ein einziger Nachweis: am 08.07.1998 wurde eine
männliche Imago im festen weißfaulen Holz der Stammbasis gefunden.
Interessante Beobachtungen
gelangen im Jahre 2004 bei Trinodes
hirtus (Fabricius, 1781). Diese Dermestide tritt an dem hier betrachteten Ulmenstubben in einer recht großen Population auf. An manchen Tagen zeigen sich gleichzeitig über 30 Exemplare im unteren Stammbereich. Die Imagines finden sich einerseits auf den Stängeln und Blättern von am Fuße des Stubbens wachsendem Lamium. Die große Zahl der Käfer hält sich aber zusammen mit den Larven am Stamm selber und hier besonders in den Spinnweben auf (Abb. 4). Es zeichnet sich ab, dass Trinodes entgegen den Literaturangaben
keine obligat an den Spinnenbeuten partizipierende Art ist. Die Ergebnisse der
noch andauernden Untersuchungen (Zucht- und Fütterungsversuche) werden nach
Abschluss dieser in einem separaten Artikel vorgestellt.

Abb. 4: Zwei
Larven des Trinodes hirtus im äußeren Bereich einer Spinnenwebe
(Aufnahme vom 26.07.2004)
Eine weitere Art aus der Familie Dermestidae, die sich an
dem Ulmenstubben entwickelt, ist mit Attagenus punctatus (Scopoli, 1772) ein in Mitteleuropa als recht selten geltender Käfer. Das charakteristisch gefärbte Tier ist am Tage ausgesprochen flüchtig. Die Käfer wurden an der Ulme am 18.04.2002, 01.06.2002 und besonders zahlreich im Juni 2004 beobachtet: 01.06. (4 Expl.), 11.06. (3 Expl.), 16.06. (4 Expl.), 17.06. (7 Expl.), 21.06. (5 Expl.), 22.06. (4 Expl.), 23.06. (1 Expl.), 28.06. (3 Expl.). Weitere Funde dieses attraktiven Käfers gelangen in unmittelbarer Nähe des Stubbens auf blühenden Schlehen, Kirsch- und Birnbäumen.
Im Mulm, der sich in der
Stammbasis und den bodennahen Schichten gebildet hat, leben die Schnellkäfer Ampedus pomorum (Herbst, 1784), Ampedus
nigroflavus (Goeze, 1777) und
Procraerus tibialis (Lacordaire, 1835), die allesamt durch
Zucht bestätigt werden konnten. Letzterer ist nach eigenen Beobachtungen eher
ein Tier festeren Holzes: P. tibialis tritt besonders in weißfaulem Holz
auf, dass von Anobiiden oder Cossoninen befallen ist. Die Art wurde vom Autor
bislang vorwiegend in Rotbuche, Rosskastanie und Kirsche festgestellt. Es ist
anzunehmen, dass sich die Larve auch in den von Ptilinus pectinicornis
bewohnten Stammbereichen entwickelt; jedenfalls wurden die Imagines in den
Monaten Mai und Juni wiederholt auf den unteren und mittleren Stammbereichen
beobachtet. Auf eine Kontrolle der Bereiche festen Holzes wurde in den letzten
Jahren aus Gründen des Erhaltes dieses Juwels für xylobionte Käfer jedoch
verzichtet. Eher ungewöhnlich erscheint auch das Auftreten des A. nigroflavus
im bodennahen Mulmkörper. Diese Art erreicht vielmehr in braun- oder weißfaulem
Holz von liegenden oder stehenden weichen Laubhölzern größere Abundanzen.
Der Mulm im Fuß des Stubbens ist
gleichfalls Entwicklungsstätte des Protaetia
lugubris (Herbst, 1786) und
des Histeriden Dendrophilus punctatus
(Herbst, 1792). Außerdem leben
hier die leicht kenntlichen Larven des Melanotus
rufipes (Herbst, 1784), dessen Imagines mehrmals, vor allem in der Dämmerung, am Stubben gesichtet wurden (Abb. 6).
Der sowohl im Freien in Mulmhöhlen
anzutreffende wie auch in Pflanzenabfällen, Stallmisthaufen und dergleichen
auftretende Mycetophagus quadriguttatus
Müller, 1821 wurde nur vereinzelt am Stubben beobachtet. Der jüngste Nachweis datiert auf den 06.07.2004. Die vom Autor in den vergangenen Jahren mehrfach in feuchten Mulmhöhlen an Aesculus in Halle/S. (Dietze, i. Druck) und
am 09.04.2004 in mehr als 50 Expl. in einem Haufen aus Stallmist in der
Ortschaft Kleinzerbst (Lkr. Köthen, Sachsen-Anhalt) festgestellte Art dürfte
sich im Mulm in der Stammbasis der Ulme entwickeln. Die Käfer wurden im
Gegensatz zu den an der Ulme nachgewiesenen mycetobionten Käfern, auf die hier
nicht eingegangen wird, nicht an den am Fuße des Stubbens fruchtenden Pilzen
gefunden.
Die regelmäßig am Stubben
beobachteten Valgus hemipterus (Linnaeus, 1758) und Sinodendron cylindricum (Linnaeus, 1758) dürften sich im
weißfaulen Holz im Inneren des Hochstubbens entwickeln (Abb. 5). Larvenstände
beider Arten wurden zwar nicht gesucht, in Ermangelung an abgestorbenen Stubben
oder Bäumen in der näheren Umgebung ist aber darauf zu schließen, dass die
Larven dieser beiden Arten ihre Entwicklung in der hier vorgestellten Ulme
abschließen.

Abb. 5: Weibchen
des Valgus hemipterus (Aufnahme vom 17.05.2004)
Den Vorkommen der beiden Anobiiden Ptilinus pectinicornis (Linnaeus,
1758) und Xestobium rufovillosum (DeGeer, 1774) kommt im Hinblick auf die
sich an der Ulme gehaltene Gesellschaft entomophager Coleopteren mit Sicherheit
besondere Bedeutung zu. Dabei bleibt die Populationsgröße des Xestobium
weit hinter jener des den Stubben mit hunderten Schlupflöchern versehenen Ptilinus
zurück. An der Ulme wurden in der Zeit der Untersuchungen ungleich mehr
Männchen als Weibchen von Ptilinus beobachtet. Dies verwundert daher nicht,
weil sich die weiblichen Käfer unmittelbar nach der Kopulation (eine solche
wurde letztmalig am 29.06.2004 beobachtet) an die Eiablage begeben.
Entgegengesetzte Beobachtungen bezüglich des
Geschlechtsverhältnisses wurden beim in den Monaten Mai bis Juli aktiven Ptinus rufipes Olivier, 1790 gemacht. Hier ist die Dominanz der am Stubben
beobachteten Weibchen geradezu erdrückend. Männchen zeigten sich nur selten auf
dem Ulmenstamm (letzter Fund am 11.05.2003).
Der Rotdeckenkäfer Platycis minutus (Fabricius, 1787) wurde erstmalig am
31.08.1996 (in Kopula) an der vorgestellten Ulme beobachtet. Danach gelangten
nur noch wenige Käfer dieser Art zum Nachweis. Ähnlich spärlich fallen die
Funde des erstmals im Juni 2002 festgestellten Trox scaber (Linnaeus,
1767) aus, bei welchem ferner eine Zuordnung zur Ulme als Entwicklungsstätte
nicht so recht zu erbringen ist (vom Autor z.B. zahlreich aus etwa 50 Meter
entfernten offenen Dachabschlüssen in Nestern von Passer gesammelt).
Gleichfalls lassen sich die alljährlich in Anzahl am Stamm
beobachteten Malachiiden Anthocomus
fasciatus (Linnaeus, 1758)
und Anthocomus bipunctatus (Harrer, 1784) nur unter Vorbehalt zu
den im vorgestellten Hochstubben brütenden Käfern stellen.
Die Bewohner des seitlichen und bodennahen Austriebes der
abgestorbenen Ulme wurden vor allem durch Zucht nachgewiesen. Sichtnachweise
von Käfern auf den Zweigen und Blättern konnten in den vergangenen Jahren nur
vereinzelt gemacht werden. Das Klopfen erbrachte ebenfalls kaum Funde xylobionter
Coleopteren. Im Oktober 2002 wurde ein stärkeres Stück des Stockausschlages
abgesägt. Der etwa 5 Meter lange „Starkast“ wurde in Stücke von 30-40
Zentimetern geteilt und den Winter über in einem Metallkessel im Keller
gelagert. Das Holz wurde im Februar des darauffolgenden Jahres auf drei
Glasbecken verteilt.
Im März zeigten sich die ersten Bewohner der Triebe. Entgegen aller Erwartungen kamen sowohl erstaunlich viele, in der Mehrzahl zuvor an dieser Stelle nicht beobachtete Arten zum Vorschein, als auch eine nicht für möglich gehaltene Zahl an Individuen.
Zuerst zeigte sich Magdalis armigera (Fourcroy, 1785): zwischen dem 12. und
14. März 2003 schlüpften aus den eingetragenen Hölzern nicht weniger als
geschätzte 200 Exemplare! So plötzlich die ersten Tiere auftraten, so abrupt
wurde nach dem 14.03. auch kein Schlupf mehr verzeichnet. Zur gleichen Zeit
verließ auch Magdalis caucasica (Tournier, 1872) das Holz (8 Expl.). Bemerkenswert ist die enorme Größe der gezogenen M. caucasica. Keines der Tiere ist kleiner als 5,3 mm, das größte Exemplar misst von den Augen bis zur Spitze der Flügeldecken stolze 7,2 mm!
Am 19.03., 20.03., 21.03. und
07.04.2003 konnte jeweils eine Imago des Colydiiden Aulonium trisulcum (Fourcroy,
1785) aus den Becken geborgen werden. Zwischen dem 18. und 30.04.2003 zeigte
sich Exocentrus punctipennis Mulsant et Guillebeau, 1856 in ungeheurer Zahl. Mit etwa 200 Exemplaren bedeutet dies, dass der untersuchte Ast eine Besiedlungsdichte aufwies, die etwa 40-50 Larven pro Meter Platz und Nahrung geboten hat! Wie M. caucasica sind auch diese Käfer
überdurchschnittlich groß; die vom Autor an anderen Lokalitäten gesammelten E.
punctipennis sind durchweg kleiner. Warum dieser Bockkäfer am Fundort zuvor
nicht beobachtet wurde und ob die ungeheure Zahl von zum Schlupf gelangten
Tieren vielleicht sogar auf nur ein einziges befruchtetes Weibchen zurückgeht,
kann nicht gesagt werden.

Abb. 6: Melanotus rufipes (Aufnahme vom 31.05.2004)
Zoogeographisch besonders
interessant erscheint der Nachweis des Prachtkäfers Agrilus auricollis Kiesenwetter,
1857. Die bislang nur aus Bayern und Württemberg bekannte Art (Köhler & Klausnitzer 1998) hat
demnach mit der im Landkreis Meißen stehenden Ulme den im mitteleuropäischen
Faunenbereich am weitesten nördlich gelegenen Fundpunkt. Die Richtigkeit der
Determination wurde mir freundlicherweise von Herrn M. Hornburg (Berlin) bestätigt. Aus dem eingetragenen Aststück
schlüpften vier Imagines, die am 14.03.2003 an den Abdeckungen der Becken
saßen. Am 01.06.2003 konnte dann auch erstmals eine Imago am Stockausschlag im Freien
beobachtet werden. Ein weiterer Käfer wurde am 12.07.2004 mittels Lufteklektor
im zum Gehöft gehörenden Holzschuppen gefangen, in welchen die Aststücke im
Dezember 2003 verbracht worden waren.
In den eingetragenen Aststücken
wurden drei Arten des Genus Scolytus nachgewiesen. Sie kamen zwischen
dem 14.03. und 29.04.2003 zum Schlupf. Von der größten Art der festgestellten
Borkenkäfer, welche auch für das heutige Ausmaß der sog. Ulmenkrankheit
einstehen soll, Scolytus scolytus (Fabricius, 1775), wurden insgesamt 28
Exemplare gezählt. Ferner wurden 93 Tiere der kleinen Art Scolytus pygmaeus (Fabricius, 1787) und 53 Exemplare des Scolytus multistriatus (Marsham, 1802) aus dem Aststück
gezogen.

Abb. 7: Weibchen desTillus elongatus (Aufnahme vom 30.05.2004)
Neben den bisher genannten Arten
wurden im Stockausschlag auch einige Arten festgestellt, die neben der Ulme
auch in anderen Hölzern vorkommen. Von Leiopus
nebulosus (Linnaeus, 1758)
wurden am 07.04.2003 zwei, am 29.04.2003 eine weitere Imago erfasst. Am 10.03.
(2 Expl.), 12.03., 26.03. und 29.04. (jeweils 1 Expl.) wurde der Scheinrüssler Salpingus planirostris (Fabricius, 1787) auf den Aststücken
gefunden.
Neben den geschilderten Käferfunden am Stubben wurden zwei
interessante Beobachtungen gemacht, die hier kurz erwähnt seien. Zum einen das
nicht alltägliche Auftreten des Silberfischchens Lepisma
saccharina (Linnaeus) im
Freien. Das nachtaktive Insekt zeigt sich besonders in den Frühjahrsmonaten am
Ulmenstubben. Ferner gehört die große Raubwanze Reduvius personatus (Linnaeus, 1758) zu den Bewohnern der
Ulme. Die meisten Funde von Imagines, der nach Wagner (1967) bevorzugt in Gegenwart des Menschen
auftretenden Wanze, wurden am Hochstubben im Juni und Juli und ihrerseits stets
in den Abend- und Nachtstunden gemacht. Dietze, R. (i.
Druck): Beiträge zur Käferfauna Sachsen-Anhalts (4): Zum Vorkommen von xylobionten
Coleopteren an Aesculus hippocastanum
im Stadtgebiet von Halle/S. (Coleoptera div.). Ent. Nachr. Ber. - Dresden. Koch, K. (1989): Die Käfer Mitteleuropas,
Ökologie, Bd. 1, Carabidae bis Staphylinidae, Krefeld. Köhler,
F. (1996): Käferfauna in Naturwaldzellen und Wirtschaftswald, hrsg.
Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten / Landesamt für
Agrarordnung NRW, LÖBF-Schriftenreihe, Band 6 Köhler,
F. & B. Klausnitzer (Hrsg.) (1998): Verzeichnis der Käfer Deutschlands.
– Entomologische Nachrichten und Berichte (Dresden) Beiheft 4, 1-185. Wagner, E.
(1967): 55. Teil: Wanzen oder Heteroptera, II. Cimicimorpha. In: Dahl, F. (Begr.): Die Tierwelt
Deutschlands und der angrenzenden Meeresteile nach ihren Merkmalen und nach
ihrer Lebensweise. – Jena. Anschrift des Verfassers: Ringo
Dietze, Stroischen 1, 01665 Käbschütztal e-mail:
Ddapsa@aol.com
Dank
Ich möchte mich bei Herrn MICHAEL HORNBURG (Berlin) für die Überprüfung der Belege des Agrilus auricollis und besonders bei Herrn KLAAS REIßMANN (Kamp-Lintfort) für die kritische Durchsicht des Manuskriptes sowie die wertvollen Hinweise und Anregungen sehr herzlich bedanken.
Literatur