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Coleo |
5 |
6-9 |
2004 |
ISSN 1616-3281 |
Edmund Wenzel, Radevormwald
eingegangen am: 20. Mai 2004
im WWW publiziert am: 5. Juni 2004
Abstract
In
1999 K. Renner reported Epuraea ocularis from the Kaiserstuhl ‑
southern Baden‑Württemberg ‑ as new for Middle Europe. The unusual fast expansion of this Nitidulide in the Federal Republic of Germany is the topic of this work.
Zusammenfassung
1999 wurde von K. Renner aus dem Kaiserstuhlgebiet ‑
südliches Baden‑Württemberg ‑
Epuraea ocularis als neu für Mitteleuropa gemeldet. Die
ungewöhnlich schnelle Ausbreitung dieser Nitidulide in der Bundesrepublik ist
Gegenstand dieser Arbeit.
Einleitung
Eine Zuwanderung oder Einschleppung neuer Arten in die bundesrepublikanische Käferfauna findet mit konstanter Regelmäßigkeit statt. Immer wieder werden neue Käfer oder andere Insekten als Neozoen für die BRD gemeldet und erweitern das Arteninventar. Die Zuwanderungen vergangener Jahre, aber auch aktuelle, werden vom Fachbereich Biowissenschaften der Universität Rostock erfasst. Sie werden in: Neozoen ‑ Newsletter der
Arbeitsgruppe Neozoen (Universität
Rostock) regelmäßig publiziert.
Vielfach können sich neue Insektenarten
nur in wenigen Regionen oder nur in bestimmten Habitaten dauerhaft etablieren,
die klimatisch/mikroklimatisch ihren Anforderungen entsprechen. Seltener
breiten sich Adventivarten binnen weniger Jahre flächendeckend über die gesamte
Republik aus, wie z.B. der Kurzflügler Trichiusa immigrata.
Die Ausbreitung eines Noezoen binnen
zweier Jahre aus dem Südwesten Deutschland bis in die Mark Brandenburg und nach
Bremen ist hingegen recht ungewöhnlich. Ebenso ungewöhnlich wie die große
Ausbreitungspotenz ist auch die Vermehrungsrate des Neueinwanderers. An
einzelnen Fundstellen konnten mehrere hundert Exemplare nachgewiesen werden ‑
möglicherweise stehen beide Größen in direktem Zusammenhang.

Foto 1: Epuraea ocularis ‑
Männchen mit schwacher Flügeldeckenzeichnung (Foto: E. Wenzel)
Ausbreitung
Die Nitidulide Epuraea ocularis
ist aus vielen Regionen Südostasiens, Mikronesiens, Afrikas, aus Polynesien, Australien und Neukaledonien bekannt (Kirejthsuk 1998).
Jelinek (1997) meldet Funde aus 1993 und
1995 von Teneriffa / Kanarische Inseln.
Für den europäischen Raum nennt Renner (2000) noch zusätzlich
Südfrankreich und Norditalien.
Im Oktober 1999 konnte K. Renner die Art mittels Autokescher in
Grießheim / Baden‑Württemberg als
neu für Deutschland und Mitteleuropa nachweisen (Renner 2000).
Auf welche Weise Epuraea ocularis
an den Kaiserstuhl kam, bleibt augenblicklich reine Spekulation. Solange keine weiteren Fundmeldungen entlang der typischen Einwanderungswege, wie durch die Burgundische Pforte oder über das pannonische Becken vorliegen, ist ebenso eine Einschleppung mit einem Obsttransport denkbar.
In Deutschland breitete sich die Art
dann fast explosionsartig aus. Aufmerksam geworden durch die Fundmeldung Renner´s bemühten sich Konzelmann und weitere südwestdeutsche
Koleopterologen, die Verbreitung, bzw. das Vorkommen der Art in den
Bundesländern Baden‑Württemberg und Rheinland Pfalz festzustellen.
Alleine im Jahre 2000 wurden dabei 326 Individuen am 52 Fundpunkten im
Städtedreieck Worms ‑ Lörrach ‑ Konstanz ‑ Ulm nachgewiesen (Konzelmann 2001).
Ein Jahr später konnte Schneider in Niederneuendorf ‑
Landkreis Oberhavel ‑ am 10. 07. 2001 ca. 40 Expl. der Adventivart an
saftenden Eichenstubben sammeln. Im darauf folgenden Jahr, am 1. Okt. 2002, gelang Schneider
der Nachweis mehrerer hundert Exemplare in der Alten Botanischen Anlage
Blankenfelde bei Berlin‑Pankow (Esser & Schneider 2002).
Am 21.09.2002 fand Esser 5 Exemplare
an gärig faulenden Äpfeln in Bremen‑Stadtwerder (Bellmann et al. 2001). Ein weiteres Exemplar wurde von Bellmann am 1.10.2002 ebenfalls an
fauligen Äpfeln in Bremen‑Osterholz nachgewiesen. Diese Funde
dokumentieren das Vorkommen der Art im Weser‑Ems‑Gebiet.
In Juli und August 2003 gelang der
Nachweis für Nordrhein‑Westfalen. Bei der Auslese von Boden‑ und Flugfallenmaterial von der Bislicher Insel bei Wesel fiel sofort eine kleine Epuraea‑Art
auf, die mit ihrem deutlichen Schläfenzahn so gar nicht in das Bild
einheimischer Epuraen paßte. Eine erste Überprüfung bei Audisio (1993)
erbrachte das unbefriedigende Ergebnis einer Epuraea luteola. Aber
Zeichnung, Ausformung der Hinterschenkel und Aedoeagus passten einfach nicht zu
der in Bislich gefundenen Art. Erst weitere Literaturrecherchen bei Renner (2000) und Konzelmann (2001) erbrachten den gewünschten Erfolg ‑ bei der in
Bislich gefundenen Art handelte es sich um die neue Adventivart Epuraea
ocularis.
Im Verlaufe der Untersuchung im
Jahre 2003 konnte die neue Art in 7 Exemplaren für das Bundesland NRW / Region
Rechter Niederrhein nachgewiesen werden: am 6.07.2003 in einer Flugfalle, am
13.07.2003 in einer Rinnenfalle, am 3.08. und 31. 08. 2003 in einer Bodenfalle ‑
alle Fallen enthielten als Konservierungsstoff Ethanol.
Im Mai 2004 wurde E. ocularis in 17 Exemplaren in Bodenfallen im Schloßpark Benrath bei Düsseldorf nachgewiesen. Erstaunlicherweise gehören alle Bieslich-Tiere zur zeichnungsarmen Variante; alle Benrather Tiere zeigen hingegen ein ausgesprochen deutliches Flügeldeckenmuster.
Abb. 1.: Ausbreitung der Nitidulide Epuraea ocularis in der Bundesrepublik ‑ die Annahme der
Ausbreitung basiert auf der bisherigen Meldung von Funddaten.
Vermutlich haben die warmen Sommer
der letzten Jahre mit dazu beigetragen, dass sich die aus wärmeren Regionen
stammende Art so rasch in der BRD etablieren konnte. Bei dem großen
Ausbreitungsdruck der Art kann angenommen werden, dass Epuraea ocularis
auch in anderen Bundesländern nachzuweisen ist, sofern gezielt danach gesucht
wird. Praktische Tipps zum Sammeln gibt Konzelmann (2001). Nach Esser (mündl. Mitt) braucht man nur
gärendes Apfelmus oder alte Äpfel auszulegen und wird mit hoher
Wahrscheinlichkeit die Art erhalten. Wie die Nachweise von Bislich und Benrath
zeigen, sind alkoholhaltige Bodenfallen ebenfalls recht fängig.
Identifikation von Epuraea
ocularis
Die Bestimmung der Art ist, im
Gegensatz zu vielen anderen Arten dieser Gattung, völlig problemlos. Von allen
mitteleuropäischen Epuraea‑Arten unterscheidet sich E.
ocularis, schon auf den ersten Blick erkennbar, durch ein deutlich sichtbares Zähnchen am Augenhinterrand und zusätzlich, sollte die Forma typica vorliegen, durch die charakteristische schwarze Fleckzeichnung, siehe geänderte Bestimmmungstabelle bei Renner
(2000).

Foto 2: Seitliche Kopfpartie von
Epuraea ocularis (REM, 2 kV, Foto: G. G. Hoffmann)
Auch genitaliter ist die Art sehr
sicher anzusprechen. Bei keiner anderen Epuraea‑Art besteht ein so deutlicher Unterschied zwischen der Länge der Parameren und der des Aedoeagus'. Die Parameren sind rund 3 mal länger als der im Verhältnis sehr kleine Aedoeagus.
Abb. 1: Männliches Genital von E.
ocularis aus Konzelmann
(2001)
Literatur
Bellmann, A. J. Esser, W. Lakomy
& A. Rose (2001):
Bemerkenswerte und neue Käferfunde aus dem Weser‑Ems‑Gebiet
(Coleoptera) (Teil 5).‑ Abh. Naturwiss. Verein Bremen, Bd. 45 (1),
445‑448
Esser, J. & M. Schneider (2002): Käferfunde aus der
Mark Brandenburg ‑ faunistisch bemerkenswerte Arten. ‑ Märkische
Ent. Nachr., Bd 4 (4), 39‑44
Jelinek J. (1997): New descriptions and
records of Brachypteridae an Nitidulidae from the Palaearctic region
(Coleoptera).‑ Folia Heyrovskyana, Vol. 5 (3), 123‑138
Kirejthsuk, A.G. (1998): Nitidulidae
(Coleoptera) of the Himalayas and Northern Indochina.‑ Part : Subfamily
Epuraeinae, 489 S., Koeltz Scientific Books, Koenigstein
Konzelmann, E. (2001): Epuraea (Haptoncus)
ocularis Fairmaire an faulendem Kernobst in Baden, Württemberg und in der
Pfalz (Coleoptera: Nitidulidae).‑ Mitt. ent. V. Stuttgart, Jg. 36,
35‑43
Renner, K. (2000): Epuraea ocularis
Fairmaire, eine neue Adventivart in Deutschland (Coleoptera, Nitidulidae),‑
COLEO ‑ Arbeiten u. Berichte aus der Coleopterologie, (Radevormwald), Bd.
1, 1‑3
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