Coleo

 

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72-74

 

2003

 

ISSN 1616-3231



COLEO intern



Vom Fang bis zum Datensatz ‑

hilfreiche Anmerkungen für ein erfolgreiches Sammeln

Bericht über den COLEO‑Workshop am 15. März 2003

in der Biologischen Station Urdenbacher Kämpe

 

Michael Stöcker, Wuppertal

eingegangen:13. Dezember 2003

im WWW publiziert am: 24. Januar 2004

 

 

Wie schon in den vergangenen Jahren fand auch in diesem Jahr wieder ein praxisorienter Workshop im Anschluß an die COLEO‑ Jahreshauptversammlung in der Urdenbacher Kämpe bei Monheim statt. Im Mittelpunkt des diesjährigen Workshops standen Fragen, Tipps und Hilfestellungen aus der praktischen Coleopterologie. Intention und Ziel war es, jungen Kollegen und Neueinsteigern Hilfen in diesen allgemeinen und grundlegenden Fragen zu geben.

Die Idee für den Workshop entstand auf der letzten gemeinsamen Weihnachtsfeier im Naturschutzzentrum Rees/Bienen. Bei einem Glas köstlicher Feuerzangenbowle, wurden die groben Inhalte des Workshops diskutiert und beschlossen.

 

Im Anschluß an die Jahreshauptversammlung begann der Workshop gegen 16 Uhr in den Räumen der Biologischen Station. An ihm nahmen teil: Gräf, Hans; Habermann, Richard; Meyer, Wilfried mit Frau Edelgard und Sohn Markus; Mehring, Franz‑Joseph; Messutat, Jochen; Müller, Dr. Andreas; Renner, Dr. Klaus; Reißmann, Klaas; Röwekamp, Heinz; Scharf, Siegmund; Stöcker, Michael; Stüben, Dr. Peter und Wenzel, Edmund.




Foto1: Die Teilnehmer des Workshops in gemeinsamer Runde (Foto: S. Scharf)

 

 

Die Hauptthemen gliederten sich in die folgenden Unterpunkte:

 

1. Das Sammeln im Feld

2. Präparationstechniken, ‑methoden

3. Etikettierung

4. Datenaufnahme, ‑sicherung

 

 

E. Wenzel stellte ganz zu Anfang eine Kollektion von selbst gebauten Fangkäschern vor, vom einfachen Handkescher aus V2A‑Stahl‑Draht bis hin zum Wasserkescher, der beliebig verlängerbar ist. Sehr hilfreich waren in diesem Zusammenhang seine Tipps und Tricks zum schnellen und einfachen und vor allem kostengünstigen Nachbau ‑ ein haltbarer und robuster Kescher für wenige Euro.

 

 

Darauf  folgten die Präsentation verschiedener Schüttelsiebe und eines Exhaustors, der als Besonderheit ein kleines Wechselgläschen beinhaltet. Somit ist dieser Exhaustor besonders bei probenabhängigen Arbeiten im Feld gut einzusetzen.

 

 

Im weiteren Verlauf stellte er dann eine neue Variante einer Berlese-Apparatur vor. Während in den herkömmlichen Apparaturen die Wärme von oben kommt und die Käfer durch Wärme und Austrocknung nach unten hin ausgetrieben werden, funktioniert dieser Ausleseapparat nach dem Prinzip, das die Wärme von Innen, aus dem Substrat heraus eingesetzt wird. Somit erfolgt eine deutlich effektivere Auslese als bei den herkömmlichen Systemen.

 

Mit diesen Gerätschaften kann es ja kaum noch schief gehen, eine gute Ausbeute zu machen, aber damit ist es nicht getan. Mindestens ebenso wichtig ist die optimale Etikettierung der Funde, denn was ist ein Käferbeleg für die Wissenschaft ohne richtige Fundortangaben?

 

Denn ein Käferfund ohne genaue und präzise Funddaten ist faunistisch gesehen nicht zu gebrauchen. Zu dieser Problematik der heute notwendigen Datenerfassung und Etikettenerstellung konnte uns Dr. P. E. Stüben mehr sagen.

 

Er stellte uns vor, wie man sich in der Coleopterologie die moderne Technik mit dem Namen GPS (global positioning system) zu Nutzen machen kann. Die Erfassung eines Fundpunktes mittels Satelliten, ursprünglich für den militärischen Bereich gedacht, ermöglicht uns heute auf den Meter genau den eigenen Standort auf der ''Welt'' ‑ und damit auch den eines gefundenen Käfers ‑ bestimmen zu können. Diese Geräte gehören, nach Ausführungen von P. Stüben, nun zum allgemeinen Werkzeug eines jeden Entomologen. Nur mit Hilfe exakter GPS‑Daten sind Fundpunkte auch noch nach Jahrzehnten exakt verifizierbar.

 

Die ermittelten Angaben können dann in eine Computer‑Datenbank eingetragen werden und sind somit jeder Zeit verwaltbar und abrufbar.

 

Damit aber ist es aber immer noch nicht getan, denn der gefangene Käfer muss natürlich noch präpariert, aufgeklebt und determiniert werden. Auch bei diesem Problemkomplex  kamen wieder die Tipps und Tricks von E. Wenzel zur Sprache, wie z.B. seine Erfahrungen mit verschiedenen Aufklebestoffen.

 

Er nannte uns sein Erfolgsrezept ''Tapetenkleister mit Lompe-Lösung''. Für diesen Kleber stellt man sich zuerst eine fast gesättigte Kleberlösung aus Tapetenkleister her – 10 ml Wasser und 2 Messerspitzen Tapetenkleister werden innerhalb 24 Stunden häufig geschüttelt und miteinander vermischt. Dann lässt man den restlichen Kleber absitzen und wartet, bis die Lösung klar geworden ist. Diese wird dekantiert. Um die Haftfestigkeit des Klebers zu erhöhen, gibt man nun auf ca. 10 ml Tapetenkleber 3 bis 5  Tropfen Lompe-Lösung hinzu.

 

Nachdem der Käfer nun präpariert und determiniert ist, muss man ihn noch etikettieren, dabei kann man sich u.a. der schon erwähnten GPS‑Koordinaten bedienen. Während Fundortetiketten früherer Jahre meist nur den Ort, das Datum und den Namen des Sammlers aufführten, sollte ein nach heutigen Gesichtspunkten gestaltetes Etikett zumindest folgende Informationen enthalten: Land, Region, Ort, Areal, Biotop, GPS‑Daten, Datum, Sammler


Heute gehören Funddaten nicht mehr, wie noch vor 20 Jahren, auf eine Karteikarte, sondern sollten in Datenbanken erfasst werden. Für diese Möglichkeit steht eine Vielzahl von unterschiedlichen Datenbanksystemen zur Verfügung.

 

Auf diese Weise hat man kann man direkt seine Funddaten archivieren und im Bedarfsfalle an andere Kollegen weitergeben. Dermaßen erfasste Funddaten bilden die Grundlage einer faunistischen Arbeit und man kann im Bedarfsfall schnell einen Überblick über ein Gebiet gewinnen.

 

Der Workshop war wie jedes Jahr ein voller Erfolg, vor allem für die neu Einsteiger der  Coleopterologie, wozu ich mich auch zähle. Für die erhaltenen Tipps und Anregungen einen recht herzlichen Dank an alle die, die sich die Mühe gemacht haben diesen Workshop auszurichten.

 

 

 

Verfasser:

Michael Stöcker

Appellstraße  8

42281  Wuppertal

Michael_Wuppertal@gmx.de