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45-49 |
2003 |
ISSN 1616-3281 |
Harpalus luteicornis (Duftschmid, 1812) und Agonum dolens (Sahlberg, 1827) – Wiederfunde für Nordrhein (Insecta,
Coleoptera, Carabidae)
von Karsten Hannig, Waltrop
und Edmund Wenzel, Radevormwald
eingegangen: 22. November 2003
im www publiziert: 11. Dezember 2003
Abstract: The „extinct” ground beetles Harpalus luteicornis (Duftschmid, 1812) and Agonum dolens (Sahlberg, 1827) have been recorded again from Northrhine,
western Germany.
Zusammenfassung: Die beiden als „ausgestorben oder verschollen“ geltenden Laufkäferarten Harpalus luteicornis (Duftschmid, 1812) und Agonum dolens (Sahlberg, 1827) werden erstmals wieder für Nordrhein gemeldet.
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Die
paläarktisch, in Europa, Sibirien und dem Kaukasus verbreitete Art Harpalus luteicornis (Duftschmid, 1812) (Lindroth 1986) ist mit Ausnahme der
Region „Nordrhein“ aus allen Regionen Deutschlands aktuell (nach 1950) gemeldet
(Köhler & Klausnitzer 1998, Kaiser 2002). Sie kommt nach Horion (1941) immer selten und
vereinzelt vor und wird aktuell in den Roten Listen mehrerer Bundesländer in
unterschiedlichen Gefährdungskategorien geführt (z. B. in Schleswig-Holstein [Ziegler & Suikat 1994] oder in
Sachsen [Arndt & Richter
1995]).

In Nordrhein-Westfalen existierten bis in das Jahr 2000 nur alte, unbelegte und
zweifelhafte Angaben von Westhoff
(1881), Barner (1954) und Koch (1968) (vgl. Kaiser 2002). Harpalus luteicornis wurde aufgrund dieser Angaben in der Roten
Liste der in Nordrhein-Westfalen gefährdeten Sandlaufkäfer und Laufkäfer als
„ausgestorben oder verschollen“ eingestuft (Schüle
& Terlutter 1998). Der erste gesicherte Nachweis aus dem
westfälischen Landesteil stammt von einem Sandacker nahe Greven-Reckenfeld
(30.05.2000, 1 Ex., leg. Döring,
det. et coll. Kaiser; Döring & Kaiser 2000). Seither wurde die Art von zwei weiteren
Fundorten, einem ruderalisierten Sandtrockenrasen bei Minden (11.07.2001, 1
Ex., leg. et det. Sprick, t. Hannig, LMM; Kaiser 2002) sowie einer zum Zeitpunkt der Besammlung
überfluteten Feuchtwiese bei Hamm-Heessen (Mai 2002, 4 Ex., leg. Spang et Grunwald, det. et coll. Hannig;
Hannig 2003), gemeldet.
Die Art kann nun erstmals sicher aus dem nordrheinischen Landesteil von zwei Fundorten gemeldet werden. Beide liegen im Kreis Wesel in unmittelbarer Nähe des Rheins. Der erste Nachweis gelang bereits 1999 am Diersfordter Waldsee auf einer feuchten, vergrasten und mit Weidengehölzen umgebenen Grünlandbrache (23.04.-07.05.1999, 2 Ex., leg., det. et coll. Kretschmer, t. Hannig 2003). Der zweite Fundort liegt im NSG „Bislicher Insel“ bei Xanten. Dort wurde die Art in einem Schilfröhricht gefunden (06.-20.07.2003, 1 Ex., leg. Reißmann, det. et coll. Hannig). Die Abbildung 1 zeigt die derzeit bekannte Verbreitung von Harpalus luteicornis in Nordrhein-Westfalen.
Bei Agonum dolens (Sahlberg, 1827) handelt es sich um ein „sibirisches Faunenelement des expansiven Typs. Das Areal reicht von den Nord-Japanischen Inseln über Sibirien bis Nord- und Mitteleuropa“ (Schmidt 1994:S. 38). Wie der deutsche Name „Nordöstlicher Glanzflachläufer“ (Trautner 1992) vermuten lässt, liegt der Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland in den nordöstlichen und östlichen Bundesländern. In Süd- und Südwestdeutschland fehlt die Art weitgehend (Köhler & Klausnitzer 1998). Agonum dolens wird in der Roten Liste der Sandlaufkäfer und Laufkäfer Deutschlands (Trautner et al. 1997) und zahlreicher Bundesländer (z. B. Schleswig-Holstein [Ziegler & Suikat 1994], Sachsen [Arndt & Richter 1995] und Sachsen-Anhalt [(Schnitter et al. 1993]) in unterschiedlichen Gefährdungskategorien geführt.
In Nordhein-Westfalen wird Agonum dolens als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft (Schüle & Terlutter 1998). Aus dem westfälischen Landesteil ist sie nur vom Möhnesee (Hevedelta) bekannt, der aktuellste Nachweis stammt von 1992 (Hannig 2001, Hannig & Schwerk 2001). Nach Schüle & Persohn (1997) sind die letzten sicheren Belege aus dem nordrheinischen Landesteil ca. 100 Jahre alt. „In der Rheinlandsammlung des ZFMK befinden sich drei alte Belege dieser Art (Kleve, Fuss, 2 Ex., Ahrweiler, 1 Ex.). Das Datum ist nicht entzifferbar, die Tiere werden aber schon von Roettgen (1911) aufgeführt“ (Schüle & Persohn 1997: S. 21). Aufgrund dieser Datenlage wird Agonum dolens in der Roten Liste der in NRW gefährdeten Sandlaufkäfer und Laufkäfer für Nordrhein als „ausgestorben oder verschollen“ geführt (Schüle & Terlutter 1998).
Der Wiederfund gelang nun ebenfalls im NSG „Bislicher Insel“ bei Xanten, wo die Art in zwei Exemplaren in einem Schilfröhricht gefangen wurde (27.04.-11.05.2003, 1 Ex., 25.05.-08.06.2003, 1 Ex., leg. Reißmann, det. et coll. Hannig, t. Schmidt).
In den nächsten Jahren werden weitere geplante Untersuchungen Aufschluss über Populationsstärke und lokale Verbreitung dieser beiden in NRW sehr seltenen Arten geben.
Dank: Für die Bereitstellung von Belegmaterial, die Erlaubnis zur Publikation von Daten, die Nachbestimmung kritischer Carabiden, die Literatursuche sowie weiterführende Hilfestellungen möchten sich die Verfasser bei folgenden Personen bedanken: F. Köhler (Bornheim), K. Kretschmer (Wesel), Dr. A. Müller (Krefeld), M. Persohn (Herxheimweyher), K. Reißmann (Kamp-Lintfort), J. Schmidt (Rostock), P. Schüle (Herrenberg), Dr. H. Schwan (Krefeld) und Dr. P. Sprick (Hannover)
Ein besonderer Dank gebührt Dr. M. Kaiser (Münster)
für die Manuskriptdurchsicht und die Erstellung der Verbreitungskarte.
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Anschrift der Verfasser:
Karsten Hannig, Dresdener Str. 6, D-45731 Waltrop
E-Mail: Karsten.Hannig@gmx.de
Edmund Wenzel, Mühlenstr. 8, D-42477 Radevormwald
E-Mail: Wenzel-Radevormwald@t-online.de