Coleo

 

3

 

50-67

 

2003

 

ISSN 1616-3281


Anmerkungen zur Käferfauna des NSG

"Alter Rhein bei Bienen‑Praest"

                              von Edmund Wenzel, Radevormwald

eingegangen: 13. Dezember 2003

im WWW publiziert: 17. Januar 2004


                                                  Abstract

Coleopterological population surveys were carried out between the years 2002 and 2003 in the NSG ( nature reserve) "Alter Rhein bei BienenPraest" and its environment Bienen / Right Niederhein / Northern Westfalia . During the time of investigation 581 beetle species could be proved. 61 species  are specified in the Rote Liste.


                                           Zusammenfassung

 

Zwischen den Jahren 2002 und 2003 wurden im NSG "Alter Rhein bei Bienen‑Praest" / Rechter Niederrhein / NRW und den umgebenden Flächen coleopterologische Bestandserhebungen durchgeführt. Im Untersuchungszeitraum wurden 581 Käferarten nachgewiesen. 61 Arten sind in der Roten Liste der BRD aufgeführt.

 

 

 

                                                  Einleitung

 

Zwischen den Gemeinden Praest und Bienen liegt einer der letzten Altrheinarme des Unteren Niederrheins. Die gut 4 km lange Rheinschlinge ist der Überrest eines Rheinmäanders, der sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bildete. Während im südlich Abschnitt nur wenige Tümpel von der Existenz des ehemaligen Rheinarmes zeugen, ist im nördlichen Teil der Arm in seiner Gesamtheit erhalten geblieben.



Foto 1: Der Altrhein bei Bienen aus der Luft betrachtet. (Foto: S. Scharf)

Durch einen über Jahrhunderte bestehenden Kontakt zum Hauptfluß wurde dieser Altarm zu einem Rückzugsgebiet für eine Vielzahl von Auentieren. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich eine einzigartige Pflanzenwelt. So zeigt sich heute das Bild einer vielfältiger Pflanzengesellschaft. Von einem ausgeprägten Schwimmblatt und Seerosenbestand, einem breiten Röhrichtgürtel bis hin zu einer Weichholzaue sind alle für ein solches Feuchtgebiet charakteristischen Pflanzengesellschaften vorhanden (Werneke et al. ).


1969 wurde die alte Rheinschleife unter Schutz gestellt, als NSG "Alter Rhein bei Bienen‑Praest". Um den Schutz dieses Gebietes zu optimieren, gründete sich 1993 das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V..  Vorrangiges Ziel des Zentrums war und ist, den Erhalt dieses einzigartigen Landschaftselementes am Niederrhein zu sichern und diesen durch geeignete Pflegemaßnahmen zu gewährleisten. Eine weitere Aufgabe liegt in der Erforschung der Tier‑ und Pflanzenwelt.



Foto 2: Der Altrheinarm bei Bienen. (Foto: E. Wenzel)

Coleopterologische Bestandserhebungen in dieser Region des rechten Niederrheins wurden in den vergangenen Jahrzehnten lediglich vereinzelt durchgeführt. Teilweise handelte es sich dabei um spezielle Fragestellungen, wie die Erforschung der Käferzönose von Kopfbäumen (Scharf & Terlutter 1996), um Lichtfänge, oder um die Untersuchung von Carabiden an Gewässern (Jarmer 1973). Anfang des Jahres 2002 begannen Mitarbeiter von COLEO der Gemeinschaft für Coleopterologie, in enger Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum im Kreis Kleve das NSG "Alter Rhein bei BienenPraest" einschließlich der umliegenden Flächen auf sein Coleoptereninventar hin intensiver zu erforschen.

 

Aus käferkundlicher Sicht ist das rechtsrheinische Niederrheingebiet nördlich von Wesel bisher nur dürftig erforscht worden, bzw. es liegen relativ wenige publizierte Daten vor. So führte 1935 erstmals eine mehrtägige Exkursion der AG Rheinischer Koleopterologen nach Rees (Horion 1935) und 1997 eine weitere nach Hamminkeln. Ansonsten liegen Funddaten aus dem Diersfordter Forst bei Hamminkeln und dem Millinger Bruch (Scharf & Terlutter 1996) vor. Die augenblicklich stattfindende Langzeituntersuchung im Bereich Bienen ist somit die erste umfangreich angelegte coleopterologische Bestandserfassung auf rechtsrheinischem Niederrheingebiet.

Nach zweijähriger Untersuchungsarbeit, mit 5 mehrtägigen Gemeinschaftsexkursionen ( Mehring 2002) und etlichen Einzeluntersuchungen soll ein erster Zwischenbericht den augenblicklichen Kenntnisstand zur Käferfauna des NSG "Alter Rhein bei Bienen‑Praest" einschließlich der umgebenden Flächen aufzeigen.

 

 

                                        Das Untersuchungsgebiet

 

!  Lage und allgemeine Charakteristik

 

Das NSG "Alter Rhein bei Bienen‑Praest" und die daran grenzenden Untersuchungsflächen liegen rechtsrheinisch zwischen den Städten Rees im Süden und Emmerich im Norden. Neben der Altrheinschlinge mit ihren verschiedenen Pflanzenassoziationen bilden ausgeprägte Weichholzauen, Kleingewässer und landwirtschaftlich genutzte Flächen das Bild des Untersuchungsgebietes. Als zusätzlicher und für die Landschaft charakteristischer Biotoptyp wurde noch das Rheinufer am Reeser Jachthafen in die Untersuchung mit einbezogen.

 



Abb 1.: Übersicht über das Untersuchungsgebiet

 

 

!  Geomorphologie

 

Eiszeiten und Wasser waren die bestimmenden Faktoren für die Gestaltung der Landschaft des Unteren Niederrheins. Gletschertätigkeit und die formenden Kräfte der Flüsse gestalteten über viele Jahrtausende das heutige Bild. Die Region um Bienen gehört zur holozänen Rheintalauen‑Landschaft, die sich beiderseits des Rheinlaufes erstreckt. Dieser Landschaftsabschnitt ist geprägt durch Flußrinnen, Flußdünen, Uferwälle und natürliche, beckenartige Überflutungsgebiete.

 

Während der Saale‑Kaltzeit, ca. 290 000 bis 127 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, erreichten die skandinavischen Gletschermassen den Niederrhein. Sie preßten Moränenhügel aus abgelagerten Rheinschottern auf, sogn. Stauchmoränenhügel (GEOLOGISCHES LANDESAMT 1998). Diese Hügelkette erstreckt sich vielbuchtig entlang des Niederrheins. In die Moränenbuchten lagerten die Schmelzwässer Sande und Schutt ab. Es entstanden ausgedehnte Sanderschüttungen, die mit den Stauchmoränen verzahnten. 

 

Im Verlaufe der letzten Eiszeit, der Weichsel‑Kaltzeit zwischen 110 000 und 10 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, wurde das Gebiet nicht mehr von den nordischen Gletschern erreicht. Es herrschte kühles Tundraklima vor. Der Rhein bildete während dieser letzten Kaltzeit ein stark verflochtenes Flußsystem mit einer Vielzahl kleiner Inseln. In dieses verästelte Gewässernetz entlud der Rhein einen wesentlichen Teil seiner Sedimentfracht. Gleichzeitig entstanden Löß‑ und Flugsandablagerungen an den Rändern der Stauchmoränen.

 

Mit der einsetzenden Erwärmung vor ca. 10 000 Jahren veränderte sich das Flußbild des Rheins. Der Strom bildete nun kein verflochtenes Gewässersystem mehr, sondern es entstand ein stark mäandrierender Hauptfluß. Die aus dieser erheblichen Veränderung resultiernde stärkere Wasserführung des Rheinstromes führte zu einem Einschneiden des Flussbettes. Die Sohle des Rheintales senkte sich. Teile dieser eiszeitlichen Talssohlen bilden heute die Niederterrassenlandschaft.

 

Im Verlaufe der vergangenen Jahrtausende hat der Rhein seinen Lauf aus der Niers‑ und Isselniederung in die heutige Rheintalaue in Richtnung Wesel / Kleve verlegt. Hier prägte er in entscheidendem Maße die Landschaft, indem der Fluß u.a. Mäander und mehrere Kilometer breite Flußauen schuf, so die Rheinflußaue bei Krefeld.

 

Auch während der letzten 800 Jahre veränderte der Rhein sein Flußsystem in der Talaue zwischen den Gemeinden Rees und Emmerich erheblich. In der Mitte des 13. Jahrhunderts bildete er eine leichte Kurve zwischen diesen beiden Orten. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mäandrierte der Rhein sehr stark und bildete eine ausgeprägte Schlinge zwischen den Ortschaften Bienen und Praest (siehe Abb 2). Überreste dieses Rheinarmes sind bis heute erhalten geblieben. Durch spätere Begradigung des Flusses verlagerte sich das Flußbett des Rheines erheblich; während Teile der alten Rheinschlingen erhalten blieben. So entstanden Altrheinauen und Hochflutrinnen, die über viele Jahrhunderte unverändert geblieben sind und noch heute das Bild der Landschaft um Bienen‑Praest prägen.




Abb. 2:  Veränderung des Rheinverlaufes zwischen Rees und Emmerich während der letzten 800 Jahre ( Werneke et al. 2000 nach Lange 1978)

 
 

!  Klima

 

Das Untersuchungsgebiet liegt im Einflußbereich des atlantischen Klimas. Kühle, feuchte Sommer und milde, nasse Winter sind prägend. Die Niederschlagsmenge verteilt sich mit leichten Abweichungen gleichmäßig über das gesamte Jahr. Der Schwankungsbereich im 30‑jährigen Monatsmittel liegt zwischen 40,1 und 68,1 mm Niederschlag. Das langjährige Niederschlagsmittel zwischen 1971 und 2002 liegt bei 712,1 mm. Die mittlere Lufttemperatur betrug während der vergangenen 30 Jahre 11,0 °C. Die gemittelte Tiefsttemperatur von 2,8 °C entfiel auf den Dezember; mit 18,6 °C gemittelter Höchsttemperatur ist der August der langjährig wärmste Monat.

 

Im Verlaufe des Untersuchungsjahres 2002 ( ausführliche Daten für 2003 liegen z.Zt. noch nicht vor ) schwankten die Niederschläge deutlich stärker. Während März und April mit rund 36 mm Niederschlag ungewöhnlich trocken waren, verzeichneten die Monate Juli und August mit über 100 mm deutlich überhöhte Niederschläge. Mit 951, 9 mm Niederschlag lag die Regenmenge im Untersuchungsjahr 2002 um rund 240 mm über dem langjährigen Mittel (LANDWIRTSCHAFTSKAMMER RHEINLAND 2002).

 

  

                                        Mitarbeiter und Methoden

 

Folgende Kollegen beteiligten sich während der beiden vergangenen Jahre an den coleopterologischen Aufsammlungen und Probennahmen: F. Bahr, Viersen ‑ J. Cuppen, Ede (NL) ‑ Dr. H. Günther mit Frau Christel, Ingelheim ‑ K. Hannig, Waltrop ‑ Dr. G. G. Hoffmann mit Sohn David, Oberhausen ‑ Ch. Kerkering, Emsdetten ‑ J. Grunwald, Arnsberg ‑ R. Habermann, Hückeswagen ‑ G. Katschack, Kleve ‑ F.J. Mehring, Xanthen ‑ W. Meyer mit Frau Edelgard und Sohn Markus, Kreuzau ‑ Dr. A. Müller, Düsseldorf ‑ Dr. K. Renner, Bielefeld ‑ H. Röwekamp, Enningerloh ‑ K. Reißmann, Kamp‑Lintfort ‑ M. Sadowski, Schermbeck ‑ S. Scharf, Bocholt ‑ Dr. P. Sprick, Hannover ‑ M. Stöcker, Wuppertal ‑ Dr. P. Stüben, Mönchengladbach ‑ M. Stiebeiner, Dortmund ‑ E. Wenzel, Radevormwald.

Neben Einzelaufsammlungen, die sich während des Untersuchungszeitraumes über das gesamte Untersuchungsgebiet erstreckten, standen einzelne Biotoptypen im Mittelpunkt der Arbeiten. Vorwiegend handelte es sich dabei um für den Altrhein charakteristische Lebensräume. Dazu zählen Auwaldbereiche, Röhricht, Uferzonen von Kleingewässern und vom Altrhein und verschiedene Kleingewässer und Kolke. Eine Sonderfläche bildete das Rheinufer am Jachthafen zwischen Bienen und Rees. Die meisten Probennahmen erfolgten mittels der üblichen manuellen Sammelmethoden (Klopfen, Keschern, Sieben etc.). Vereinzelt wurde Material zur Zucht eingetragen. Zusätzlich wurde die Autokeschermethode angewandt und es kamen zwei Flugfallen (Lufteklektoren) zum Einsatz.


Ergebnisse

Im Verlaufe der Bestandserhebung konnten 581 Arten in 8931 Individuen aus 60 Familien für das NSG "Alter Rhein bei Bienen‑Praest" und seiner Randgebiete nachgewiesen werden.

Zusätzlich zu den in den vergangenen zwei Jahren im Rahmen der o.g. Untersuchung erhobenen Daten werden auch Angaben aufgenommen, die in den Vorjahren im Gebiet des Bienener Altrheinarmes erhoben wurden, bisher jedoch noch nicht publiziert wurden.

Neben einer Vielzahl für den rechten Niederrhein faunistisch bemerkenswerter Arten konnten auch zwei überregionale Neunachweise getätigt werden. So wurde die Hydrophilide Dactylosoma abdominale erstmals für den Niederrhein nachgewiesen und mit Bagous longitarsis gelang der Erstnachweis für die Region Nordrhein. 61 Arten werden in der Liste für die BRD (Binot et. al 1998) aufgeführt, siehe Tab. 1.

        Rote‑Liste‑Kategorie

         Anzahl  Käferarten

    0,  ausgestorben, verschollen

                       1

    1, vom Aussterben bedroht

                       3

    2, stark gefährdet

                      15

    3, gefährdet

                      34

   V, Vorwarnliste

                       8


Tab. 1: Verteilung der Rote‑Liste‑Arten auf die jeweiligen Kategorien


Faunistisch bemerkenswerte Arten

Angaben zur faunistischen Verbreitung der genannten Arten beziehen sich vornehmlich auf das Grundlagenwerk von Klaus Koch einschließlich aller Nachträge (Koch 1968, 1974, 1978, 1989, 1992, 1993) sowie auf die Angaben bei Köhler und Klausnitzer (1998).

Bembidion argenteolum Ahr., 1812

wurde Anfang des letzten Jahrhunderts in 5 Exemplaren im Großraum Düsseldorf nachgewiesen. In den 80ger Jahren konnte die Art häufiger am Rheinufer und an Altrheinarmen festgestellt werden. Am 25. 1. 1995 konnte S. Scharf ein Exemplar im Anspülicht nach einem Hochwasser  nachweisen, det. F. Köhler. 

 

 

Bembidium octomaculatum (Goeze, 1777)

ist eine seltene Art, die Anfang des letzten Jahrhunderts bei Düsseldorf Benrath und 1932 in der Wahner Heide nachgewiesen wurde. In Bienen konnte K. Hannig am 19. 7. 2003 vier Exemplare in der schlammigen Uferregion eines vegetationsreichen Tümpels feststellen.

 

 

Agonum versutum (Sturm, 1824)

wurde vom Niederrhein bisher nur wenige Male gemeldet. Letzte Fundmeldungen beziehen sich auf die Jahre 1938 und 1939. Am 27. 4. 2002 konnten drei Exemplare im sandig‑schlammigen Uferbereich eines Tümpels von E. Wenzel nachgewiesen werden. 

 

 

Badister unipustulatus Bon., 1813

Am 27. 4. 2002 konnte ein Exemplar in der verschlammten Uferregion eines vegetationsreichen Tümpels von E. Wenzel,  test.: K. Hannig, festgestellt werden. Die Art wurde bisher nur einmal rechtsrheinisch aus Düsseldorf‑Eller (1942) gemeldet.

 

 

Hygrobia hermanni (F., 1775)

Diese Hygrobiide galt früher als selten und wird bei Koch nur mit vier Meldungen für den rechten Niederrhein aufgeführt. Im Untersuchungszeitraum konnte die Art in insgesamt 14 Exemplaren in Teichen unterschiedlicher Wasserqualität von Renner, Reißmann und Wenzel nachgewiesen werden. Die höchste Individuenzahl wurde dabei in einem nur wenige Quadratmeter messenden und stark eutrophierten Teich festgestellt.

 

 

Gyrinus suffriani Scriba, 1855

Bisher wurde diese Gyrinide lediglich ein Mal rechtsrheinisch nachgewiesen. Der Fund stammt aus dem Jahre 1918 von der Sieg. H. Röwekamp konnte am 5.10.2002 ein Exemplar in einer Stillwasserzone im südlichen Abschnitt des Altrheinarmes nachweisen; test.: K. Renner.

 

 

Hydrophilus piceus (L., 1758)

Der Kolbenwasserkäfer, schon alleine von seiner Größe her eine auffällige Käferart, wurde am rechten Niederrhein bisher nur in wenigen Exemplaren nachgewiesen, der erste und für viele Jahrzehnte letzte Fund für die Region um Rees erfolgte 1935 durch Horion. In der vegetationsreichen Uferregion eines größeren Tümpels konnte die Art am 15.06.2002 in einem Exemplar vor E. Wenzel festgestellt werden.

  

 

Dactylosternum abdominale (F., 1792)

Diese für die Fauna der BRD neue Hydrophilide wurde erstmals Anfang der 90ger Jahre bei Aschaffenburg festgestellt (Lucht & Klausnitzer 1998). Mittlerweile hat sich die Art weiter ausgebreit und konnte nun erstmalig auch für Nordrhein nachgewiesen werden. K. Reißmann siebte sie am 10. 5. 2002 in 10 Exemplaren aus einer relativ frischen Putenmistmiete; det.: K. Renner.



Foto 3. Die Hydrophilide Dactylosternum abdominale konnte erstmals für den Rechten Niederrhein nachgewiesen werden. (Foto: E. Wenzel)

 

 

Gnathoncus nannetensis (Mars., 1862)

wird von Koch als "verbreitet, aber stets vereinzelt und selten" (Koch 1968) angegeben. Das einzige im Untersuchungsgebiet nachgewiesene Exemplar wurde am 8. 4. 2003 mittels einer Flugfalle (Lufteklektor) zwischen zwei absterbenden Ulmen nachgewiesen; leg.: S. Scharf, det.: E. Wenzel.

 

 

Kisister minimus (Aube, 1850)

Die ab 1988 von Scharf und Katschak mehrfach im rechtsrheinischen Gebiet in liegenden Maulwurfnestern nachgewiesene Histeride konnte von A. Müller am 10. 5. 2002 in 5 Exemplaren aus einer frischen Putenmistmiete gesiebt werden.

 

 

Nemadus colonoides (Kr., 1851)

Während die Art in der ersten Hälfte des 20. Jahrh. nur sehr selten nachgewiesen wurde, konnten in den 80ger Jahren mehrere Funde getätigt werden. Für den rechten Niederrhein wurde Nemadus nur wenige Male gemeldet. Scharf konnte am 7. 11. 2003 zwei Exemplare in einem verlassenen Hornissennest in einer hohlen Weide nachweisen; det.: E. Wenzel.

 

 

Euconnus maeklini (Mannnh., 1844)

1968 versah Koch den ersten gemeldeten Fund von E. maeklini aus Saarbrücken noch mit einem Fragezeichen. 1988 konnte Köhler (Koch 1990) die Art in über 50 Exemplaren bei Hürth nachweisen. Am 14.06.2002 gelang K. Renner mittels Autokescher der erste rechtsrheinische Nachweis dieser Scydmaenide. 

 

 

Velleius dilatatus (F., 1787)

Von diesem großen Hornissen‑Kurzflügler findet sich bei Koch kein einziger rechtsrheinischer Fundnachweis. Mittels Flugfallen, als Attractans sollte Ethanol verwendet werden, konnte die Art mittlerweile in vielen Bereichen NRW´s nachgewiesen werden. In den Monaten Juli und August 2003 konnten in zwei Flugfallen in der Weichholzaue des Altrheinarmes mit 17 Individuen nachgewiesen werden.

 

 

Atheta liliputana (Bris., 1860)

Funde dieser Staphylinide aus der Umgebung von Aachen (1933) versah Koch 1968 noch mit Fragezeichen. Erst 1992 wurde diese Art von ihm als rheinisches Faunenelement aufgeführt, da Wunderle den Kurzflügler regelmäßig mittels Autokescherfänge nachweisen konnnte. K. Renner gelang am 14. 6. 2002 ebenfalls ein Nachweis dieser Art mittels Autokescher für den rechten Niederrhein.

 

Acrotona pseudotenera (Cam., 1933)

Dieser Kurzflügler konnte 1998 erstmalig für NRW im Vogelsangbachtal bei Velbert‑Heiligenhaus nachgewiesen werden (Wenzel, in Vorber.).  Mit dem Autokeschernachweis von K. Renner am 14. 6. 2002 gelang ein weiterer Nachweis für NRW und der erste für den rechten Niederrhein.

 

 

Thamiaraea hospita (Märk., 1844)

wurde zwischen 1957 und 1987 wenige Male im Bereich Düsseldorf und in der Wahner Heide nachgewiesen. Für das Gebiet des unteren rechten Niederrheins lagen bisher keine Fundmeldungen vor. Je ein Exemplar konnte am 4. 7. und 4. 8. in einer Flugfalle zwischen zwei absterbenden Ulmen nachgewiesen werden; leg.: S. Scharf, det.: E. Wenzel.




Foto 4: Der Kurzflügelkäfer Thamiaraea hospita kann erfolgreich mittels Flugfallen / Lufteklektoren nachgewiesen werden. (Foto: E. Wenzel)

 

 

Batrisodes oculatus (Aube, 1833)

Diese Pselaphide wurde für den rechten Niederrrhein einzig vor 1849 nachgewiesen. 1984 konnte sie in 13 Exemplaren von Köhler in Chorbusch bei Köln linksrheinisch gemeldet werden (Koch 1992). K. Renner konnte 2 Exemplare mittels Autokescherfang am 14.06.2002 erstmalig für den rechten Niederrhein seit über 150 Jahren nachweisen. Die Art ist vom Aussterben bedroht; Rote‑Liste‑Kategorie 1.

 

 

Ampedus elongatulus (F., 1787)

Nach Koch (1968) ist diese Elateride zwar "weit verbreitet, aber vor allem im Norden, nur vereinzelt und selten." Ein Exemplar dieses seltenen Schnellkäfers konnte am 4. 7. 2003 mittels Flugfalle zwischen zwei absterbenden Ulmen nachgewiesen werden; leg.: S. Scharf, det.: E. Wenzel, test.: K. Renner. Ampedus elongatulus ist in die Rote‑Liste‑Kategorie 3 eingestuft.



Foto 5: Der Schnellkäfer Ampedus elongatulus. (Foto: E. Wenzel)

 

 

Elater ferrugineus L., 1758

Für die größte einheimische Elateride liegen nur zwei publizierte Fundmeldungen aus dem letzten Jahrhundert vor. S. Scharf konnte die Art in den vergangenen Jahrzehnten 2 mal im Niederrheingebiet nachweisen ( münd. Mitteilung). Am 19. 7. 2003 gelang S. Scharf an einer geschädigten Pappel ein erneuter Nachweis für den rechten Niederrhein. Die Art ist stark gefährdet; RoteListeKategorie 2.




Foto 6: Elater ferrugineus, unser größter einheimischer Schnellkäfer, wurde erst wenige Male im Niederrheingebiet festgestellt. (Foto: E. Wenzel)

 

 

Ctesias serra (F., 1792)

Diese seltene Dermestide wird hauptsächlich an alten Pappel‑ und Weidenstämmen gefunden, sowie an ausfließendem Baumsaft. Ein Exemplar konnte von S. Scharf am 4. 6. 2003 mittels Flugfalle zwischen zwei absterbenden Ulmen nachgewiesen werden, det.: E. Wenzel, test.: K. Renner. 

 

 

Triplax rufipes (F., 1775)

Bisher lagen keinerlei Fundnachweise dieser äußerst seltenen Erotylide für das Niederheingebiet und für den Nordrhein vor. Am 4. 8. 2003 konnte die Art in einer Flugfalle zwischen zwei absterbenden Ulmen erstmalig für den Niederrhein nachgewiesen werden; leg.: S. Scharf, det.: E. Wenzel, test.: K. Renner. Die Art ist in die RoteListeKategorie 1 eingestuft vom Aussterben bedroht.




Foto 7: Der Schwammpilzkäfer Triplax rufipes ist in der BRD vom Aussterben bedroht. (Foto: E. Wenzel)

 

 

Telmatophilus sparganii (Ahr., 1812)

Für diese Art liegen lediglich aus zwei Regionen der BRD (Bayern und Sachsen) Fundnachweise nach 1950 vor (Köhler & Klausnitzer 1998). Im Uferbereich eines vegetationsreichen Teiches konnten an Sparganium erectum, Ästiger Igelkolben, insgesamt 15 Exemplare dieser äußerst seltenen Art von P. Sprick und G. Katschak festgestellt werden. Die Art wird erstmalig für den rechten Niederrhein gemeldet. Telmatophilus sparganii wird als Rote‑Liste‑Art 3 geführt.

 

 

Lathridius hirtus (Gyll., 1827)

Dieser Schimmelkäfer ist am Niederrhein weit verbreitet aber recht selten. Die allermeisten Fundmeldungen aus der Rheinprovinz stammen aus der Region um Düsseldorf ( 5 Meldungen). Zwei Tiere wurden am 5. 10. 2002 in einem Gesiebe von Totholz, Baummulm und Stammmoos in der Weichholzaue nachgewiesen; leg.: E. Wenzel, test.: K. Renner. Die Art ist in die Rote‑Liste‑Kategorie 3 eingestuft.




Foto 8: Der Schimmelkäfer Lathridius hirtus ist am Niederrhein recht selten. (Foto: E. Wenzel)

 

 

Mycetophagus salicis (Bris.,1862)

konnte von K. Renner aus Weidentotholz, welches aus dem Auwaldbereich stammte, gezogen werden. Mycetophagus salicis ist in seinem Bestand stark gefährdet und gehört zur Rote‑Liste‑Kategorie 2.

 

 

Aulonium trisulcum (Fourcr., 1785)

Die Larve dieser Colydiide lebt an absterbenden Ulmen, wo sie Scolytidenlarven nachstellt. 1984 konnte Katschak mehrere Exemplare in Bienen nachweisen. Am 4. 6. 2003 gelang S. Scharf ein Wiederfund. 2 Tiere konnten mittels einer Flugfalle, die zwischen zwei absterbenden Ulmen positioniert war, nachgewiesen werden. Im Jahr vorher wurden Aulonium‑Larven an einer Ulme festgestellt. Neben Aulonium konnten auch die zur Käferzönose absterbender Ulmen gehörenden Scolytidenarten: Scolytus scolytus, S. pygmaeus und S. multistriatus nachgewiesen werden. Die Art gehört zur Rote‑Liste‑Kategorie 2. 



Foto 9: Aulonium trisulcum, ein an Ulmen gebundener Rindenkäfer, konnte erst in wenigen Exemplaren im Niederrheingebiet nachgewiesen werden. (Foto: E. Wenzel)

Phloiotrya vaudoueri Muls., 1856

wurde rechsrheinisch bisher nur vereinzelt nachgewiesen. K. Renner züchtete im Okt. 2002 ein Exemplar aus Weidentotholz aus der Weichholzaue. Phloiotrya vaudoueri gehört zur Rote‑Liste‑Kategorie 2.

Xylotrechus arvicola (Ol., 1795)

Der Sauerkirschen‑Widderbock gilt allgemein als sehr selten. Aus der gesamten Rheinprovinz liegen nur wenige Fundmeldungen vor. Im März 2002 wurde ein Stück eines armdicken, abgestorbenen Weißdornastes (ca. 70 cm) aus einer Hecke Nähe Praest eingetragen, da er charakteristische Schlupflöcher aufwies. Anfang Juli 2002 schlüpften daraus 7 Tiere, leg.: E. Wenzel. Ein Jahr später schlüpften aus gleichem Ast nochmals 6 Tiere zwischen Ende Juni und Anfang Juli. Bei Überprüfung der Crataegus‑Allee in Bienen fielen sofort die zahlreichen Schlupflöcher an älteren, bzw. abgestorbenen Ästen auf. Ein Indiz dafür, dass diese Bockkäferart, die in die Rote‑Liste‑Kategorie 2 eingestuft ist, im Bereich Bienen recht häufig zu sein scheint.



Photo 10: Um Bienen herum ist der flüchtige Bockkäfer Xylotrechus arvicola relativ häufig. Hauptsächlich lebt er in abgestorbenen Weißdornästen. (Foto: E. Wenzel)

 

  

 

Bagous longitarsis Thoms., 1868

wurde erstmals am 27. 4. 2002 in der Uferregion eines vegetationsreichen Teiches an Lythrum salicaria, Blut‑Weiderich, von P. Sprik in 2 Exemplaren für die Rheinprovinz ‑ Nordrhein und Westfalen ‑ nachgewiesen. Dabei saßen die Tiere an älteren, vorjährigen Pflanzen, die in unmittelbarer Wassernähe standen. Bei einer gezielten Nachsuche im Juni 2002 konnten nochmals 21 Tiere von G. Katschak und P. Sprick, wiederum an Lythrum, festgestellt werden. Das Vorkommen der Art an Lythrum salicaria ist ungewöhnlich, da bisher nur Myriophyllum als Entwicklungspflanze bekannt war. Nach P. Sprick ( mündl. Mitteilung) entspricht dieser B. longitarsis auch nicht völlig dem "normalen" longitarsis‑Typ. Die Klärung dieser die Ökologie oder Systematik betreffenden Fragestellung bedarf zukünftiger Untersuchungen. Bagous longitarsis wird in der Rote‑Liste‑Kategorie 3 geführt. 



                                                            Dank

 

 

Das Zustandekommen dieser Arbeit ist erst durch die Hilfe zahlreicher Kollegen ermöglicht worden. So gebührt ein großer Dank den Herren M. Schwöppe und M. Brühne vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V. für ihre vielfältige Unterstützung; sei es im Hinblick räumlicher Angebote, so dass auch mehrtägige Exkursionen möglich wurden, oder bei der Bereitstellung von Karten und Datenmaterial. Herrn S. Scharf ist in besonderer Weise zu danken. Einmal für seine vorbereitenden Aktivitäten, wodurch der Kontakt mit dem Naturschutzzentrum erst zustande kam und somit diese Publikation erst ermöglicht wurde. Dann für sein immerwährendes Engagement bei Planung und Durchführung der Exkursionen und letztlich für die regelmäßige Leerung der Flugfallen. Danken möchte ich auch Herrn Dr. K. Renner für die Überprüfung und Nachbestimmung seltener Käfer und die kritische Durchsicht der Artenliste. Dank gilt ebenso Herrn K. Hannig für die Determination vieler Carabiden. Bedanken möchte ich mich auch bei all den Kollegen, die bereit waren, Funddaten mitzuteilen und für diese Arbeit zur Verfügung zu stellen, so bei den Herren:  J. Cuppen, K. Hannig, Dr. G. G. Hoffmann, G. Katschak, F.J. Mehring, Dr. A. Müller, K. Reißmann, Dr. K. Renner, H. Röwekamp, S. Scharf, Dr. P. Sprick und Dr. P. Stüben.



                                                            Literatur

 

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Horion, A. (1935): Eine koleopterologische Exkursion nach Rees am Niederrhein vom 11.13. Juni 1935. Die Natur am Niederrhein (Krefeld), 11, 4449; 12, 1720              

 

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Koch, K. (1992): Dritter Nachtrag zur Käferfauna der Rheinprovinz, Teil II: Staphylinidae Byrrhidae. Decheniana (Bonn), 145, 3292                          

 

Koch,K. (1993): Dritter Nachtrag zur Käferfauna der Rheinprovinz. Teil III: Ostomidae bis Platypodidae. Decheniana (Bonn), 146, 203271                           

 

Köhler, F. & B. Klausnitzer (1998): Verzeichnis der Käfer Deutschlands.  Entomolog. Nachrichten u. Berichte, Dresden, Beiheft 4, 1185

 

Lucht, W. & B. Klausnitzer (1998): Die Käfer Mitteleuropas. Vierter Supplementband, 15,

Krefeld 

 

GEOLOGISCHES LANDESAMT NORDRHEIN‑WESTFALEN (1988): Geologie am Niederrhein.‑ 142 S., Krefeld

 

Lange, F.G. (1978): Die  Geschichte einer Stromschlinge zwischen Emmerich und Rees. Fortschr. Geol. Rheinl. u. Westf., 28, 457475, Krefeld

 

Mehring, F.J. (2002): Bericht über die beiden COLEOExkursionen an den Bienerer Altrheinarm im April und Juni 2002. COLEO Arbeiten und Berichte aus der Coleopterologie  (Radevormwald). 3, 1922

 

Scharf, S. & Terlutter, H. (1996): Die Käferfauna der Kopfbäume im Kreis Kleve Untersuchungen an Eichen, Eschen, Weiden und Pappeln. Gutachten im Auftrag des Naturschutzzentrums im Kreis Kleve e.V.

 

Werneke, U., Schwöppe, M., Ahrendt, W. & G. Bremer (2000): Natur und Landschaft im Kreis Kleve.‑ Die Natur im Mittelpunkt, Heft 2, Auszug aus: 25 Jahre Kreis Kleve ‑ eine runde Sache, Schriftenreihe des Kreises Kleve, 8, 186‑237  

Anschrift des Verfassers:

Edmund Wenzel, Mühlenstr. 8, D-42477 Radevormwald

e-mail: Wenzel-Radevormwald@t-online.de

 

                                                            Anhang

Artenliste NSG "Alter Rhein bei Bienen-Praest"