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Coleo |
3 |
50-67 |
2003 |
ISSN 1616-3281 |
Anmerkungen
zur Käferfauna des NSG
"Alter
Rhein bei Bienen‑Praest"
von Edmund Wenzel, Radevormwald
eingegangen: 13. Dezember
2003
im WWW publiziert: 17. Januar 2004
Abstract
Coleopterological
population surveys were carried out between the years 2002 and 2003 in the NSG
( nature reserve) "Alter Rhein bei Bienen‑Praest" and its
environment ‑ Bienen / Right Niederhein / Northern Westfalia . During the time of investigation 581 beetle ‑ species could be proved. 61
species are specified in the Rote
Liste.
Zwischen den Jahren 2002 und 2003
wurden im NSG "Alter Rhein bei Bienen‑Praest" / Rechter Niederrhein / NRW und den umgebenden Flächen coleopterologische Bestandserhebungen durchgeführt. Im Untersuchungszeitraum wurden 581 Käferarten nachgewiesen. 61 Arten sind in der Roten Liste der BRD aufgeführt.
Einleitung
Zwischen den Gemeinden Praest und
Bienen liegt einer der letzten Altrheinarme des Unteren Niederrheins. Die gut 4
km lange Rheinschlinge ist der Überrest eines Rheinmäanders, der sich in der
ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bildete. Während im südlich Abschnitt nur
wenige Tümpel von der Existenz des ehemaligen Rheinarmes zeugen, ist im nördlichen
Teil der Arm in seiner Gesamtheit erhalten geblieben.

Foto 1: Der Altrhein bei Bienen aus
der Luft betrachtet. (Foto: S. Scharf)
1969 wurde die alte Rheinschleife
unter Schutz gestellt, als NSG "Alter Rhein bei Bienen‑Praest".
Um den Schutz dieses Gebietes zu optimieren, gründete sich 1993 das
Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V.. Vorrangiges Ziel des Zentrums war und ist, den Erhalt dieses
einzigartigen Landschaftselementes am Niederrhein zu sichern und diesen durch
geeignete Pflegemaßnahmen zu gewährleisten. Eine weitere Aufgabe liegt in der
Erforschung der Tier‑ und Pflanzenwelt.

Foto 2: Der Altrheinarm bei Bienen.
(Foto: E. Wenzel)
Aus käferkundlicher Sicht ist das
rechtsrheinische Niederrheingebiet nördlich von Wesel bisher nur dürftig
erforscht worden, bzw. es liegen relativ wenige publizierte Daten vor. So
führte 1935 erstmals eine mehrtägige Exkursion der AG Rheinischer
Koleopterologen nach Rees (Horion
1935) und 1997 eine weitere nach Hamminkeln. Ansonsten liegen Funddaten aus dem
Diersfordter Forst bei Hamminkeln und dem Millinger Bruch (Scharf & Terlutter 1996) vor. Die augenblicklich stattfindende
Langzeituntersuchung im Bereich Bienen ist somit die erste umfangreich
angelegte coleopterologische Bestandserfassung auf rechtsrheinischem
Niederrheingebiet.
Das Untersuchungsgebiet
! Lage und allgemeine Charakteristik
Das NSG "Alter Rhein bei Bienen‑Praest" und die daran grenzenden Untersuchungsflächen liegen rechtsrheinisch zwischen den Städten Rees im Süden und Emmerich im Norden. Neben der Altrheinschlinge mit ihren verschiedenen Pflanzenassoziationen bilden ausgeprägte Weichholzauen, Kleingewässer und landwirtschaftlich genutzte Flächen das Bild des Untersuchungsgebietes. Als zusätzlicher und für die Landschaft charakteristischer Biotoptyp wurde noch das Rheinufer am Reeser Jachthafen in die Untersuchung mit einbezogen.
Abb 1.: Übersicht über das Untersuchungsgebiet
! Geomorphologie
Eiszeiten und Wasser waren die
bestimmenden Faktoren für die Gestaltung der Landschaft des Unteren Niederrheins.
Gletschertätigkeit und die formenden Kräfte der Flüsse gestalteten über viele
Jahrtausende das heutige Bild. Die Region um Bienen gehört zur holozänen
Rheintalauen‑Landschaft, die sich beiderseits des Rheinlaufes erstreckt. Dieser Landschaftsabschnitt ist geprägt durch Flußrinnen, Flußdünen, Uferwälle und natürliche, beckenartige Überflutungsgebiete.
Während der Saale‑Kaltzeit, ca. 290 000 bis 127 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, erreichten die skandinavischen Gletschermassen den Niederrhein. Sie preßten Moränenhügel aus abgelagerten Rheinschottern auf, sogn. Stauchmoränenhügel (GEOLOGISCHES LANDESAMT 1998). Diese Hügelkette erstreckt sich vielbuchtig entlang des Niederrheins. In die Moränenbuchten lagerten die Schmelzwässer Sande und Schutt ab. Es entstanden ausgedehnte Sanderschüttungen, die mit den Stauchmoränen verzahnten.
Im Verlaufe der letzten Eiszeit, der
Weichsel‑Kaltzeit zwischen 110 000 und 10 000 Jahre vor unserer
Zeitrechnung, wurde das Gebiet nicht mehr von den nordischen Gletschern
erreicht. Es herrschte kühles Tundraklima vor. Der Rhein bildete während dieser
letzten Kaltzeit ein stark verflochtenes Flußsystem mit einer Vielzahl kleiner
Inseln. In dieses verästelte Gewässernetz entlud der Rhein einen wesentlichen
Teil seiner Sedimentfracht. Gleichzeitig entstanden Löß‑ und Flugsandablagerungen an den Rändern der Stauchmoränen.
Mit der einsetzenden Erwärmung vor ca. 10 000 Jahren veränderte sich das Flußbild des Rheins. Der Strom bildete nun kein verflochtenes Gewässersystem mehr, sondern es entstand ein stark mäandrierender Hauptfluß. Die aus dieser erheblichen Veränderung resultiernde stärkere Wasserführung des Rheinstromes führte zu einem Einschneiden des Flussbettes. Die Sohle des Rheintales senkte sich. Teile dieser eiszeitlichen Talssohlen bilden heute die Niederterrassenlandschaft.
Im Verlaufe der vergangenen
Jahrtausende hat der Rhein seinen Lauf aus der Niers‑ und Isselniederung in die heutige Rheintalaue in Richtnung Wesel / Kleve verlegt. Hier prägte er in entscheidendem Maße die Landschaft, indem der Fluß u.a. Mäander und mehrere Kilometer breite Flußauen schuf, so die Rheinflußaue bei Krefeld.
Auch während der letzten 800 Jahre
veränderte der Rhein sein Flußsystem in der Talaue zwischen den Gemeinden Rees
und Emmerich erheblich. In der Mitte des 13. Jahrhunderts bildete er eine
leichte Kurve zwischen diesen beiden Orten. In der ersten Hälfte des 16.
Jahrhunderts mäandrierte der Rhein sehr stark und bildete eine ausgeprägte
Schlinge zwischen den Ortschaften Bienen und Praest (siehe Abb 2). Überreste
dieses Rheinarmes sind bis heute erhalten geblieben. Durch spätere Begradigung
des Flusses verlagerte sich das Flußbett des Rheines erheblich; während Teile
der alten Rheinschlingen erhalten blieben. So entstanden Altrheinauen und
Hochflutrinnen, die über viele Jahrhunderte unverändert geblieben sind und noch
heute das Bild der Landschaft um Bienen‑Praest prägen.

Abb. 2: Veränderung des Rheinverlaufes zwischen Rees und Emmerich während
der letzten 800 Jahre ( Werneke et al. 2000 nach Lange
1978)
! Klima
Das Untersuchungsgebiet liegt im Einflußbereich des atlantischen Klimas. Kühle, feuchte Sommer und milde, nasse Winter sind prägend. Die Niederschlagsmenge verteilt sich mit leichten Abweichungen gleichmäßig über das gesamte Jahr. Der Schwankungsbereich im 30‑jährigen Monatsmittel liegt zwischen 40,1 und 68,1 mm Niederschlag. Das langjährige Niederschlagsmittel zwischen 1971 und 2002 liegt bei 712,1 mm. Die mittlere Lufttemperatur betrug während der vergangenen 30 Jahre 11,0 °C. Die gemittelte Tiefsttemperatur von 2,8 °C entfiel auf den Dezember; mit 18,6 °C gemittelter Höchsttemperatur ist der August der langjährig wärmste Monat.
Im Verlaufe des Untersuchungsjahres 2002 ( ausführliche Daten für 2003 liegen z.Zt. noch nicht vor ) schwankten die Niederschläge deutlich stärker. Während März und April mit rund 36 mm Niederschlag ungewöhnlich trocken waren, verzeichneten die Monate Juli und August mit über 100 mm deutlich überhöhte Niederschläge. Mit 951, 9 mm Niederschlag lag die Regenmenge im Untersuchungsjahr 2002 um rund 240 mm über dem langjährigen Mittel (LANDWIRTSCHAFTSKAMMER RHEINLAND 2002).
Mitarbeiter und Methoden
Folgende Kollegen beteiligten sich während der beiden vergangenen Jahre an den coleopterologischen Aufsammlungen und Probennahmen: F. Bahr, Viersen ‑ J. Cuppen, Ede (NL) ‑ Dr. H. Günther mit Frau Christel, Ingelheim ‑ K. Hannig, Waltrop ‑ Dr. G. G. Hoffmann mit Sohn David, Oberhausen ‑ Ch. Kerkering, Emsdetten ‑ J. Grunwald, Arnsberg ‑ R. Habermann, Hückeswagen ‑ G. Katschack, Kleve ‑ F.J. Mehring, Xanthen ‑ W. Meyer mit Frau Edelgard und Sohn Markus, Kreuzau ‑ Dr. A. Müller, Düsseldorf ‑ Dr. K. Renner, Bielefeld ‑ H. Röwekamp, Enningerloh ‑ K. Reißmann, Kamp‑Lintfort ‑ M. Sadowski, Schermbeck ‑ S. Scharf, Bocholt ‑ Dr. P. Sprick, Hannover ‑ M. Stöcker, Wuppertal ‑ Dr. P. Stüben, Mönchengladbach ‑ M. Stiebeiner, Dortmund ‑ E. Wenzel, Radevormwald.
Neben Einzelaufsammlungen, die sich während des Untersuchungszeitraumes über das gesamte Untersuchungsgebiet erstreckten, standen einzelne Biotoptypen im Mittelpunkt der Arbeiten. Vorwiegend handelte es sich dabei um für den Altrhein charakteristische Lebensräume. Dazu zählen Auwaldbereiche, Röhricht, Uferzonen von Kleingewässern und vom Altrhein und verschiedene Kleingewässer und Kolke. Eine Sonderfläche bildete das Rheinufer am Jachthafen zwischen Bienen und Rees. Die meisten Probennahmen erfolgten mittels der üblichen manuellen Sammelmethoden (Klopfen, Keschern, Sieben etc.). Vereinzelt wurde Material zur Zucht eingetragen. Zusätzlich wurde die Autokeschermethode angewandt und es kamen zwei Flugfallen (Lufteklektoren) zum Einsatz.
Ergebnisse
Im Verlaufe der Bestandserhebung konnten 581 Arten in 8931 Individuen aus 60 Familien für das NSG "Alter Rhein bei Bienen‑Praest" und seiner Randgebiete nachgewiesen werden.
|
Rote‑Liste‑Kategorie |
Anzahl Käferarten |
|
0,
ausgestorben, verschollen |
1 |
|
1, vom Aussterben bedroht |
3 |
|
2, stark gefährdet |
15 |
|
3, gefährdet |
34 |
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V, Vorwarnliste |
8 |
Bembidion argenteolum Ahr., 1812
wurde Anfang des letzten Jahrhunderts in 5 Exemplaren
im Großraum Düsseldorf nachgewiesen. In den 80ger Jahren konnte die Art
häufiger am Rheinufer und an Altrheinarmen festgestellt werden. Am 25. 1. 1995
konnte S. Scharf ein Exemplar im
Anspülicht nach einem Hochwasser nachweisen, det. F. Köhler.
Bembidium octomaculatum (Goeze, 1777)
ist eine seltene Art, die Anfang des letzten
Jahrhunderts bei Düsseldorf Benrath und 1932 in der Wahner Heide nachgewiesen
wurde. In Bienen konnte K. Hannig am 19. 7. 2003 vier Exemplare in der schlammigen Uferregion eines vegetationsreichen Tümpels feststellen.
Agonum versutum (Sturm, 1824)
wurde vom Niederrhein bisher nur wenige Male
gemeldet. Letzte Fundmeldungen beziehen sich auf die Jahre 1938 und 1939. Am
27. 4. 2002 konnten drei Exemplare im sandig‑schlammigen Uferbereich eines
Tümpels von E. Wenzel
nachgewiesen werden.
Badister unipustulatus Bon., 1813
Am 27. 4. 2002 konnte ein Exemplar in der
verschlammten Uferregion eines vegetationsreichen Tümpels von E. Wenzel, test.: K. Hannig,
festgestellt werden. Die Art wurde bisher nur einmal rechtsrheinisch aus
Düsseldorf‑Eller (1942) gemeldet.
Hygrobia hermanni (F., 1775)
Diese Hygrobiide galt früher als selten und wird bei
Koch nur mit vier Meldungen für den rechten Niederrhein aufgeführt. Im
Untersuchungszeitraum konnte die Art in insgesamt 14 Exemplaren in Teichen
unterschiedlicher Wasserqualität von Renner,
Reißmann und Wenzel nachgewiesen werden. Die höchste Individuenzahl wurde dabei in einem nur wenige Quadratmeter messenden und stark eutrophierten Teich festgestellt.
Gyrinus suffriani Scriba, 1855
Bisher wurde diese Gyrinide lediglich ein Mal
rechtsrheinisch nachgewiesen. Der Fund stammt aus dem Jahre 1918 von der Sieg.
H. Röwekamp konnte am 5.10.2002
ein Exemplar in einer Stillwasserzone im südlichen Abschnitt des Altrheinarmes
nachweisen; test.: K. Renner.
Hydrophilus piceus (L., 1758)
Der Kolbenwasserkäfer, schon alleine von seiner Größe
her eine auffällige Käferart, wurde am rechten Niederrhein bisher nur in
wenigen Exemplaren nachgewiesen, der erste und für viele Jahrzehnte letzte Fund
für die Region um Rees erfolgte 1935 durch Horion. In der vegetationsreichen Uferregion eines größeren Tümpels konnte die Art am 15.06.2002 in einem Exemplar vor E. Wenzel festgestellt werden.
Dactylosternum abdominale (F., 1792)
Diese für die Fauna der BRD neue Hydrophilide wurde
erstmals Anfang der 90ger Jahre bei Aschaffenburg festgestellt (Lucht & Klausnitzer 1998). Mittlerweile hat sich die Art weiter
ausgebreit und konnte nun erstmalig auch für Nordrhein nachgewiesen werden. K. Reißmann siebte sie am 10. 5. 2002 in
10 Exemplaren aus einer relativ frischen Putenmistmiete; det.: K. Renner.

Gnathoncus nannetensis (Mars., 1862)
wird von Koch
als "verbreitet, aber stets vereinzelt und selten" (Koch 1968) angegeben. Das einzige im Untersuchungsgebiet nachgewiesene Exemplar wurde am 8. 4. 2003 mittels einer Flugfalle (Lufteklektor) zwischen zwei absterbenden Ulmen nachgewiesen; leg.: S. Scharf, det.: E. Wenzel.
Kisister minimus (Aube, 1850)
Die ab 1988 von Scharf
und Katschak mehrfach im
rechtsrheinischen Gebiet in liegenden Maulwurfnestern nachgewiesene Histeride
konnte von A. Müller am 10. 5. 2002 in 5 Exemplaren aus einer frischen Putenmistmiete gesiebt werden.
Nemadus colonoides (Kr., 1851)
Während die Art in der ersten Hälfte des 20. Jahrh.
nur sehr selten nachgewiesen wurde, konnten in den 80ger Jahren mehrere Funde
getätigt werden. Für den rechten Niederrhein wurde Nemadus nur wenige
Male gemeldet. Scharf konnte am
7. 11. 2003 zwei Exemplare in einem verlassenen Hornissennest in einer hohlen
Weide nachweisen; det.: E. Wenzel.
Euconnus maeklini (Mannnh., 1844)
1968 versah Koch den ersten gemeldeten Fund von E. maeklini aus Saarbrücken noch
mit einem Fragezeichen. 1988 konnte Köhler
(Koch 1990) die Art in über 50
Exemplaren bei Hürth nachweisen. Am 14.06.2002 gelang K. Renner mittels Autokescher der erste rechtsrheinische
Nachweis dieser Scydmaenide.
Velleius dilatatus (F., 1787)
Von diesem großen Hornissen‑Kurzflügler findet
sich bei Koch kein einziger rechtsrheinischer Fundnachweis. Mittels Flugfallen, als Attractans sollte Ethanol verwendet werden, konnte die Art mittlerweile in vielen Bereichen NRW´s nachgewiesen werden. In den Monaten Juli und August 2003 konnten in zwei Flugfallen in der Weichholzaue des Altrheinarmes mit 17 Individuen nachgewiesen werden.
Atheta liliputana (Bris., 1860)
Funde dieser Staphylinide aus der Umgebung von Aachen
(1933) versah Koch 1968 noch mit
Fragezeichen. Erst 1992 wurde diese Art von ihm als rheinisches Faunenelement
aufgeführt, da Wunderle den Kurzflügler regelmäßig mittels Autokescherfänge
nachweisen konnnte. K. Renner gelang am 14. 6. 2002 ebenfalls ein Nachweis dieser Art mittels Autokescher für den rechten Niederrhein.
Acrotona pseudotenera (Cam., 1933)
Dieser Kurzflügler konnte 1998 erstmalig für NRW im
Vogelsangbachtal bei Velbert‑Heiligenhaus nachgewiesen werden (Wenzel, in Vorber.). Mit dem Autokeschernachweis von K. Renner am 14. 6. 2002 gelang ein weiterer Nachweis für NRW und der erste für den rechten Niederrhein.
Thamiaraea hospita (Märk., 1844)
wurde zwischen 1957 und 1987 wenige Male im Bereich
Düsseldorf und in der Wahner Heide nachgewiesen. Für das Gebiet des unteren
rechten Niederrheins lagen bisher keine Fundmeldungen vor. Je ein Exemplar
konnte am 4. 7. und 4. 8. in einer Flugfalle zwischen zwei absterbenden Ulmen
nachgewiesen werden; leg.: S. Scharf,
det.: E. Wenzel.

Foto 4: Der Kurzflügelkäfer Thamiaraea hospita
kann erfolgreich mittels Flugfallen / Lufteklektoren nachgewiesen werden.
(Foto: E. Wenzel)
Batrisodes oculatus (Aube, 1833)
Diese Pselaphide wurde für den rechten Niederrrhein
einzig vor 1849 nachgewiesen. 1984 konnte sie in 13 Exemplaren von Köhler in Chorbusch bei Köln
linksrheinisch gemeldet werden (Koch 1992).
K. Renner konnte 2 Exemplare
mittels Autokescherfang am 14.06.2002 erstmalig für den rechten Niederrhein
seit über 150 Jahren nachweisen. Die Art ist vom Aussterben bedroht; Rote‑Liste‑Kategorie 1.
Ampedus elongatulus (F., 1787)
Nach Koch
(1968) ist diese Elateride zwar "weit verbreitet, aber vor allem im
Norden, nur vereinzelt und selten." Ein Exemplar dieses seltenen
Schnellkäfers konnte am 4. 7. 2003 mittels Flugfalle zwischen zwei absterbenden
Ulmen nachgewiesen werden; leg.: S. Scharf,
det.: E. Wenzel, test.: K. Renner. Ampedus elongatulus ist
in die Rote‑Liste‑Kategorie 3 eingestuft.

Foto 5: Der Schnellkäfer Ampedus elongatulus.
(Foto: E. Wenzel)
Elater ferrugineus L., 1758
Für die größte einheimische Elateride liegen nur zwei
publizierte Fundmeldungen aus dem letzten Jahrhundert vor. S. Scharf konnte die Art in den
vergangenen Jahrzehnten 2 mal im Niederrheingebiet nachweisen ( münd.
Mitteilung). Am 19. 7. 2003 gelang S.
Scharf an einer geschädigten Pappel ein erneuter Nachweis für den
rechten Niederrhein. Die Art ist stark gefährdet; Rote‑Liste‑Kategorie
2.

Foto 6: Elater ferrugineus, unser größter
einheimischer Schnellkäfer, wurde erst wenige Male im Niederrheingebiet
festgestellt. (Foto: E. Wenzel)
Ctesias serra (F., 1792)
Diese seltene Dermestide wird hauptsächlich an alten
Pappel‑ und Weidenstämmen gefunden, sowie an ausfließendem Baumsaft. Ein
Exemplar konnte von S. Scharf am 4. 6. 2003 mittels Flugfalle zwischen zwei absterbenden Ulmen nachgewiesen werden, det.: E. Wenzel, test.:
K. Renner.
Triplax rufipes (F., 1775)
Bisher lagen keinerlei Fundnachweise dieser äußerst
seltenen Erotylide für das Niederheingebiet und für den Nordrhein vor. Am 4. 8.
2003 konnte die Art in einer Flugfalle zwischen zwei absterbenden Ulmen
erstmalig für den Niederrhein nachgewiesen werden; leg.: S. Scharf, det.: E. Wenzel, test.: K. Renner. Die Art ist in die Rote‑Liste‑Kategorie
1 eingestuft ‑ vom Aussterben bedroht.

Telmatophilus sparganii (Ahr., 1812)
Für diese Art liegen lediglich aus zwei Regionen der
BRD (Bayern und Sachsen) Fundnachweise nach 1950 vor (Köhler & Klausnitzer 1998). Im Uferbereich eines vegetationsreichen Teiches
konnten an Sparganium erectum, Ästiger Igelkolben, insgesamt 15
Exemplare dieser äußerst seltenen Art von P. Sprick
und G. Katschak festgestellt
werden. Die Art wird erstmalig für den rechten Niederrhein gemeldet. Telmatophilus sparganii wird als Rote‑Liste‑Art 3 geführt.
Lathridius hirtus (Gyll., 1827)
Dieser Schimmelkäfer ist am Niederrhein weit
verbreitet aber recht selten. Die allermeisten Fundmeldungen aus der
Rheinprovinz stammen aus der Region um Düsseldorf ( 5 Meldungen). Zwei Tiere
wurden am 5. 10. 2002 in einem Gesiebe von Totholz, Baummulm und Stammmoos in
der Weichholzaue nachgewiesen; leg.: E. Wenzel,
test.: K. Renner. Die Art ist in
die Rote‑Liste‑Kategorie 3 eingestuft.

Foto 8: Der Schimmelkäfer Lathridius hirtus ist am Niederrhein recht selten. (Foto: E. Wenzel)
Mycetophagus salicis (Bris.,1862)
konnte von K. Renner
aus Weidentotholz, welches aus dem Auwaldbereich stammte, gezogen werden. Mycetophagus salicis ist in seinem Bestand stark gefährdet und gehört zur Rote‑Liste‑Kategorie 2.
Aulonium trisulcum (Fourcr., 1785)
Die Larve dieser Colydiide lebt an absterbenden
Ulmen, wo sie Scolytidenlarven nachstellt. 1984 konnte Katschak mehrere Exemplare in Bienen nachweisen. Am 4. 6.
2003 gelang S. Scharf ein
Wiederfund. 2 Tiere konnten mittels einer Flugfalle, die zwischen zwei
absterbenden Ulmen positioniert war, nachgewiesen werden. Im Jahr vorher wurden
Aulonium‑Larven an einer Ulme festgestellt. Neben Aulonium
konnten auch die zur Käferzönose absterbender Ulmen gehörenden Scolytidenarten:
Scolytus scolytus, S. pygmaeus und S. multistriatus
nachgewiesen werden. Die Art gehört zur Rote‑Liste‑Kategorie
2.

Foto 9: Aulonium trisulcum, ein an Ulmen
gebundener Rindenkäfer, konnte erst in wenigen Exemplaren im Niederrheingebiet
nachgewiesen werden. (Foto: E. Wenzel)
Phloiotrya vaudoueri Muls., 1856
wurde rechsrheinisch bisher nur vereinzelt nachgewiesen. K. Renner züchtete
im Okt. 2002 ein Exemplar aus Weidentotholz aus der Weichholzaue. Phloiotrya vaudoueri gehört zur Rote‑Liste‑Kategorie 2.
Xylotrechus arvicola (Ol., 1795)
Der Sauerkirschen‑Widderbock gilt allgemein als sehr selten. Aus der gesamten Rheinprovinz liegen nur wenige Fundmeldungen vor. Im März 2002 wurde ein Stück eines armdicken, abgestorbenen Weißdornastes (ca. 70 cm) aus einer Hecke Nähe Praest eingetragen, da er charakteristische Schlupflöcher aufwies. Anfang Juli 2002 schlüpften daraus 7 Tiere, leg.: E. Wenzel. Ein Jahr später schlüpften aus
gleichem Ast nochmals 6 Tiere zwischen Ende Juni und Anfang Juli. Bei
Überprüfung der Crataegus‑Allee in Bienen fielen sofort die zahlreichen
Schlupflöcher an älteren, bzw. abgestorbenen Ästen auf. Ein Indiz dafür, dass
diese Bockkäferart, die in die Rote‑Liste‑Kategorie 2 eingestuft
ist, im Bereich Bienen recht häufig zu sein scheint.

Photo 10: Um Bienen herum ist der flüchtige Bockkäfer
Xylotrechus arvicola relativ häufig. Hauptsächlich lebt er in
abgestorbenen Weißdornästen. (Foto: E. Wenzel)
Bagous longitarsis Thoms., 1868
wurde erstmals am 27. 4. 2002 in der Uferregion eines
vegetationsreichen Teiches an Lythrum salicaria, Blut‑Weiderich,
von P. Sprik in 2 Exemplaren für
die Rheinprovinz ‑ Nordrhein und Westfalen ‑ nachgewiesen. Dabei
saßen die Tiere an älteren, vorjährigen Pflanzen, die in unmittelbarer
Wassernähe standen. Bei einer gezielten Nachsuche im Juni 2002 konnten nochmals
21 Tiere von G. Katschak und P. Sprick, wiederum an Lythrum,
festgestellt werden. Das Vorkommen der Art an Lythrum salicaria ist
ungewöhnlich, da bisher nur Myriophyllum als Entwicklungspflanze bekannt
war. Nach P. Sprick ( mündl.
Mitteilung) entspricht dieser B. longitarsis auch nicht völlig dem
"normalen" longitarsis‑Typ. Die Klärung dieser die
Ökologie oder Systematik betreffenden Fragestellung bedarf zukünftiger
Untersuchungen. Bagous longitarsis wird in der Rote‑Liste‑Kategorie
3 geführt.
Dank
Das Zustandekommen dieser Arbeit ist erst durch die Hilfe zahlreicher Kollegen ermöglicht worden. So gebührt ein großer Dank den Herren M. Schwöppe und M. Brühne vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V. für ihre vielfältige Unterstützung; sei es im Hinblick räumlicher Angebote, so dass auch mehrtägige Exkursionen möglich wurden, oder bei der Bereitstellung von Karten‑ und Datenmaterial. Herrn S. Scharf ist in besonderer Weise zu danken. Einmal für seine vorbereitenden Aktivitäten, wodurch der Kontakt mit dem Naturschutzzentrum erst zustande kam und somit diese Publikation erst ermöglicht wurde. Dann für sein immerwährendes Engagement bei Planung und Durchführung der Exkursionen und letztlich für die regelmäßige Leerung der Flugfallen. Danken möchte ich auch Herrn Dr. K. Renner für die Überprüfung und Nachbestimmung seltener Käfer und die kritische Durchsicht der Artenliste. Dank gilt ebenso Herrn K. Hannig für die Determination vieler Carabiden. Bedanken möchte ich mich auch bei all den Kollegen, die bereit waren, Funddaten mitzuteilen und für diese Arbeit zur Verfügung zu stellen, so bei den Herren: J. Cuppen, K. Hannig, Dr. G. G. Hoffmann, G. Katschak, F.‑J. Mehring, Dr. A. Müller, K. Reißmann, Dr. K. Renner, H. Röwekamp, S. Scharf, Dr. P. Sprick und Dr. P. Stüben.
Literatur
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186‑237
Anschrift des Verfassers:
Edmund Wenzel, Mühlenstr. 8, D-42477 Radevormwald
e-mail: Wenzel-Radevormwald@t-online.de
Anhang